Cyberkriminalität in Stuttgart Streit um den Schutz vor Hackerangriffen

Von Wolf-Dieter Obst 

Kann das Land seine eigene Einrichtungen vor Cyberattacken schützen? Die Alarmmeldungen beim LKA scheinen sich in diesem Jahr zu verdoppeln.

Digitale Langfinger: Die Internetkriminalität nimmt immer mehr zu. Foto: dpa/Nicolas Armer
Digitale Langfinger: Die Internetkriminalität nimmt immer mehr zu. Foto: dpa/Nicolas Armer

Stuttgart - Die Nervosität wächst: Wie gut sind landeseigene Einrichtungen vor kriminellen Hackern wirklich geschützt? Die aktuelle Cyberattacke auf das E-Mail-System der Landesmesse und die angeschlossenen Tochtergesellschaften der Stadt Stuttgart zeigt, dass es für Täter unerheblich ist, welcher IT-Dienstleister genau das Angriffsziel ist.

„Der Dienstleister bei der Landesmesse ist nicht derselbe wie derjenige im März bei den Staatstheatern“, bestätigt Wolfram Barner, Sprecher des Landesbeauftragten für Datenschutz. Das ist deshalb bemerkenswert, weil die oberste Datenschutzbehörde bei den Attacken der Vergangenheit zuletzt festgestellt hatte, dass die betroffenen Institutionen bei demselben Dienstleister mit Sitz in Baden-Württemberg Kunden gewesen seien. Für Präventionsmaßnahmen wäre das überschaubarer gewesen.

Wie sieht es aus mit der Cybersicherheit?

Auf die kriminellen Attacken aus dem Internet folgen nun politische Angriffe auf das Innenministerium. „Offensichtlich kann das Land die hoch wichtigen Einrichtungen immer noch nicht angemessen schützen“, klagt SPD-Landtagsabgeordneter Sascha Binder. Ein Vorwurf, den das Haus von Innenminister Thomas Strobl (CDU) umgehend zurückwies. Man arbeite an einer „umfassenden Cybersicherheit-Strategie“, die 2012 unter dem damaligen SPD-Innenminister Reinhold Gall begonnen worden sei, heißt es. Etwa mit Cybercrime-Abteilungen beim Landeskriminalamt und den Polizeipräsidien, mit einer Cyberwehr und Förderprogrammen auf dem Sicherheitsmarkt.

Ministeriumssprecher Carsten Dehner verweist auch auf die Landesbehörde BITBW, die als zentraler IT-Dienstleister für die Landesverwaltungen eingerichtet wurde. „Wir sehen uns damit sehr gut aufgestellt“, so Dehner. Im Fall der Attacke auf die Staatstheater zu Beginn des Jahres wäre unter einem Schirm der BITBW „der Schutz womöglich höher gewesen“.

Die Alarmmeldungen steigen drastisch

Derweil gibt es einen starken Anstieg der Cyberattacken. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Fälle von Computerkriminalität im Land von 7000 auf 7500. „Der Trend zeigt 2019 weiter nach oben“, so Dehner. Hatte die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime beim Landeskriminalamt (LKA) letztes Jahr 805 Alarmmeldungen, so ist diese Zahl bereits im Juli mit 858 überschritten.

Freilich ist auch die landeseigene Informationstechnologie der BITBW keine Wunderwaffe. Die Behörde blamierte sich, als sie die Bildungsplattform Ella für Lehrer und Schüler aufbauen sollte und damit scheiterte. Beim Angriff auf das Landesamt für Besoldung und das Landesamt für Geoinformation zu Jahresbeginn war die BITBW noch nicht der Dienstleister. Die Täter hatten es in diesen Fällen allerdings nicht auf E-Mails abgesehen, sondern Rechnerkapazitäten angezapft.

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