Daniel Benyamin im Merlin Mundwinkel hängen tief

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Daniel Benyamin performt sein neues Album „Solitarity“ im ausverkauften Merlin, und für anderthalb Stunden muss man mal nicht über Corona nachdenken.

Trauriger Musiker: Daniel Benyamin. Weitere Bilder vom Konzert im Merlin am Samstag zeigt die Fotostrecke. Foto: Jan Georg Plavec 7 Bilder
Trauriger Musiker: Daniel Benyamin. Weitere Bilder vom Konzert im Merlin am Samstag zeigt die Fotostrecke. Foto: Jan Georg Plavec

Stuttgart - Lange genug ist dieses Frühjahr und diesen Sommer über die Umstände geschrieben worden, unter denen Musik gemacht wird. Sprechen wir doch lieber übers Inhaltliche am Samstagabend im Merlin.

Daniel Benyamin steht vor dem ausverkauften Saal. Diesmal nicht wie beim 33-Jahr-Jubiläum mit Sea & Air oder wie noch 2017 mit dem Strokes-Produzenten Gordon Raphael, sondern alleine. Wenn einer musikalisch seinen eigenen Weg geht, muss er den erst einmal finden. Bei Benyamin ist es eine Weile her, dass er quasi unter eigenem Namen Musik veröffentlicht hat. Aber er kann an etwas anknüpfen. Sein Album „Solitarity“ hat im Lockdown und danach eingespielt, ganz allein, etliche Songs darauf hat er seit vielen Jahren im Kopf.

Düstere Performance

Es ist ein Album zur Zeit geworden, und Daniel Benyamin performt es quasi in voller Länge – ist ja auch eine Release-Show. Würde er nicht zwischen den Songs immer wieder mal ein Lächeln Richtung Publikum schicken, würde man von einer düsteren Performance sprechen. Zum dynamisch-expressiven Schlagzeugspiel eines Künstlerkollegen aus Jugendtagen namens Zar Monta Cola spielt er, oft ohne größere Effektkaskaden, über die Gitarre gebeugt. Beim Trennung-Song „We can talk about it“ hängen die Mundwinkel fast unendlich weit nach unten.

Ja, das fängt den Geist von „Solitarity“ ein. Und doch ist es reizvoll, zum Vergleich die Albumversionen der Lieder zu hören. Was nur tun kann, wer die Platte entweder schon vorher bestellt hat oder sie am Abend erwirbt; der Merch-Stand ist auf der Bühne und wird noch während des Kassetten-Outros aufgebaut.

Während da also Tonträger und T-Shirts ausgebreitet werden, schaut man aufs Handy und sieht die Nachricht, dass Stuttgart jetzt auch Corona-Risikogebiet ist – während des Konzerts hat Daniel Benyamin noch darüber gescherzt. Und schon spricht man doch wieder über die Umstände des Musizierens.

Anmerkung: in einer früheren Version des Artikels war das ursprünglich geplante Zusatzkonzert im Merlin am Sonntagabend erwähnt. Dieses Konzert ist inzwischen abgesagt.




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