Das Problem der Kunstrückgabe: „Die Frau in Gold“ Langes Gezerre um ein Bild

Helen Mirren als Maria Altmann mit dem Klimt-Porträt ihrer Tante Foto: Verleih
Helen Mirren als Maria Altmann mit dem Klimt-Porträt ihrer Tante Foto: Verleih

Wenn private Erben die Herausgabe von Kunstwerken fordern, die schon lange in Museen hängen, stutzt die Öffentlichkeit. Simon Curtis erzählt von so einem Fall – und ergreift klar Partei für die von Helen Mirren gespielte Erbin.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)

Stuttgart - Geben wir es zu, auch Bilder verschleißen. Besser gesagt, unser Blick verschleißt an tausendfach reproduzierten und in beliebige Zusammenhänge gestellten Bildern. Gustav Klimts Gemälde „Adele Bloch-Bauer“ ist so ein Fall. Als massenhafter Kaufhausdruck, als freundliche Hotelzimmerdeko, als anlasslose Postkarte, als überall verträglicher Platzhalter einer längst nicht mehr gewagten Seh­herausforderung gehört dieses einst spektakuläre Werk des Jugendstils zum Hintergrundrauschen des modernen Lebens.

Simon Curtis’ Spielfilm „Die Frau in Gold“ erinnert uns daran, dass die Müdheit eines Bildes die Müdheit unseres Gehirns sein kann, die Unfähigkeit, dem Bild die Geschichten und Zusammenhänge zuzuordnen, die es lebendig und nicht bloß dekorativ werden lassen. So viel Gutes kann man über „Die Frau in Gold“ zumindest sagen.

Die Folgen der Nazi-Verbrechen

Curtis zeigt, wie das Bild entstand und macht das öffentlich Begaffte wieder zu etwas Privatem, zum Porträt der Adele Bloch-Bauer (1881–1925), der Tochter eines Bankiers und Gattin eines Zucker­fabrikanten. Die war eine mondäne Erscheinung im jüdischen Großbürgertum Wiens. Ihr Bild sahen zwar viele, denn Adele Bloch-Bauer und ihr Mann unterhielten einen Salon, in dem sich Literaten, Künstler, Politiker und Geschäftsleute trafen. Aber man musste eben eingeladen sein, um die Wände der Bloch-Bauers entlangflanieren zu können.

In der „Frau in Gold“ geht es nun darum, das Bild auch als konkretes Objekt zurück aus dem öffentlichen in den privaten Raum zu holen. Denn das Öffentlichwerden ist das Resultat von Verbrechen, von Raub, Mord, Erpressung und Verschleppung, von jener Tyrannei der Nazis, bei der Rassenwahn und Geschäftemacherei, Banausentum und Spekulation geschmeidig ineinander übergingen.

Helen Mirren spielt die kalifornische Boutiquenbetreiberin Maria Altmann, Adele Bloch-Bauers Nichte, die vor den Nazis in die USA geflohen war. Maria Altmann entschließt sich, mehrere Bilder wieder­haben zu wollen, die sie als Familienerbe betrachtet, die der Staat Österreich aber als Nationalbesitz sieht: Werden sie nicht schon lange mit großem Erfolg im Schloss Belvedere ausgestellt?




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