DFB-Erfolg beim Confed Cup Deutschlands erfolgreiche Nachwuchskicker

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Die jüngsten Erfolge der deutschen Fußballer beim Confed Cup sind ein Beleg für das überzeugende Konzept der Nachwuchsförderung, kommentiert StZ-Autor Peter Stolterfoht. Dazu kommen noch die bewährten „deutschen Tugenden“.

So sehen Sieger aus: die deutsche Nationalelf bei der Landung in Frankfurt. Foto: dpa
So sehen Sieger aus: die deutsche Nationalelf bei der Landung in Frankfurt. Foto: dpa

St. Petersburg - Das deutsche Fußballjahr 2017 hat wirklich nichts Besonderes in Aussicht gestellt – ganz ohne Großturnier und ohne die Bayern im Champions-League-Finale. Deshalb kommt es sehr unerwartet, dass der Deutsche Fußballbund jetzt eine grandiose Zeit erlebt. Innerhalb eines Wochenendes hat die U-21-Auswahl den Europameisterschaftstitel geholt und die Nationalmannschaft zwei Tage später mit dem Confed-Cup-Sieg nachgezogen.

Damit ist nicht zu rechnen gewesen, weil es zwei deutsche Improvisationsteams waren, die triumphierten. Dem U-21-Nachwuchs fehlten gleich acht Stammspieler, die zeitgleich beim Confed-Cup in Russland gebraucht wurden. Joachim Löw wollte dort mit Blick auf die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr der zweiten Reihe eine Chance geben. Dieser teilweise scharf kritisierte Plan B ist nun voll aufgegangen.

Der DFB hat vieles richtig gemacht

Das Jahr 2017 wird sicher keinen Ehreneintrag in der deutschen Fußball-Geschichtsschreibung erhalten, dafür fehlen Nachwuchs-EM und Mini-WM die Strahlkraft. Und dennoch haben die beiden Erfolge einen hohen Stellenwert. Zeigen sie doch, dass der DFB in der Vergangenheit vieles richtig gemacht hat und auf einem sehr guten Weg ist. Die Turniersiege zwei junger Mannschaften machen deutlich, dass der deutsche Fußball ein stabiles Fundament hat, auf dem sich viel aufbauen lässt. Es gibt wohl kein anderes Land auf der Welt, das einen so starken Unterbau vorzuweisen hat. Nicht einmal Brasilien und schon gar nicht die Niederlande und Argentinien, die den Anschluss verloren zu haben scheinen.

Talent alleine reicht nicht

Der deutsche Doppelerfolg hat viel mit den Nachwuchsleistungszentren zu tun. In diesen Internaten, die für die Clubs der ersten und zweiten Liga verpflichtend vorgeschrieben sind, werden beeindruckend viele junge Fußballer erst zum Schulabschluss und dann in den Profifußball geführt. Auch auf den zweiten Schritt sind sie vorbereitet – weil man sie taktisch und technisch hervorragend ausgebildet. Das reicht aber noch nicht, um entscheidende Spiele und Turniere zu gewinnen. Dazu braucht es auch Teamgeist und Einsatzbereitschaft und alles, was sonst noch unter dem Begriff Mentalität zusammengefasst wird.

In den beiden Endspielen gegen Spanien beziehungsweise Chile hat nicht allein das fußballerische Talent über Sieg und Niederlage entschieden. So wird verständlich, warum der DFB ausgerechnet auf Stefan Kuntz als U-21-Trainer kam. Der Name des früheren Nationalstürmers hat sich bei der Suche nach einem geeigneten Nachwuchscoach ja nicht gerade aufgedrängt. Den letzten Trainerjob erledigte der 54-Jährige bei LR Ahlen – in der Saison 2003/2004. Kuntz ist damit weit weg von der Kategorie „Laptop-Trainer“. Er gilt dafür als begnadeter Motivator. Dem in den Clubs bestens ausgebildeten deutschen Nachwuchs muss ein Auswahltrainer heutzutage den Fußball nicht mehr von Grund auf erklären. Vielmehr gilt es, von den jungen Ich-AGs Zusammenhalt und Einsatzwillen mitreißend einzufordern. Dafür stehen neben Kuntz auch sein Vorgänger Horst Hrubesch, mittlerweile DFB-Sportdirektor.

Jetzt kommen noich die deutschen Tugenden

Die deutschen Fußball-Nationalmannschaften haben sich bis in die 2000er-Jahre hinein vor allem auf ihren Kampfgeist verlassen, dann kam die technische Revolution unter Löw. Nun wird die Nationalelf wieder stärker an die sogenannten deutschen Tugenden erinnert. Diese verkörpern in der U 21 der Halbivorer Serge Gnabry, der Halbamerikaner Jeremy Toljan oder der gebürtige Syrer Mahmoud Dahoud. Mit Neid und Bewunderung dürften andere Fußballnationen die aktuellen deutsche Erfolge zur Kenntnis nehmen. Verbessert doch eine herausragende Nachwuchsarbeit die Chance auf spätere Erfolge enorm. Gegen einen deutschen WM-Sieg 2018 spricht nur, dass noch kein Confed-Cup-Gewinner ein Jahr später beim WM-Turnier triumphiert hat.




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