Die Ärzte: „Dunkel“ Poppiger Punkrock zum Mitdenken

Die Ärzte 2021 (von links): Rodrigo González, Bela B. und Farin Urlaub Foto: Hot Action Records/Jörg Steinmetz 4 Bilder
Die Ärzte 2021 (von links): Rodrigo González, Bela B. und Farin Urlaub Foto: Hot Action Records/Jörg Steinmetz

Alternative Fakten und die Demokratie: Mit der ihr eigenen Ironie widmet sich die Berliner Band Die Ärzte großen Themen auf ihrem aktuellen Album „Dunkel“.

Kultur: Bernd Haasis (ha)
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Stuttgart - Was Punk ist und ob sie selbst es noch sind, über diese Frage haben Die Ärzte sich zuletzt in „Morgens pauken“ (2020) amüsiert: „Ein bisschen Punk steckt doch in allem“, singen sie da. Auf jeden Falls steckt in ihren Songs, nennt man sie nun Punk, Rock oder Pop, der Westberliner Punkrock-Geist, in dem sie sich 1982 gegründet haben.

Bela B., Farin Urlaub und Rod Gonzalez fordern zum Selberdenken auf, halten den Hörern und sich selbst den Spiegel vor – auf ihrem aktuellen Album „Dunkel“ karikieren sie im Eröffnungssong „KFM“ ihr eigenes Wirken. „Brennst du noch oder explodierst du schon?“, fragen sie zum Gitarrenbrett in „Anti“ und gelangen angesichts vermeintlicher Gegensatzpaare zu dem Fazit: „Hedonist oder Hurensohn, wenn das meine Wahl ist, dann bin ich gegen alles!“

Eine Liebeserklärung an die Demokratie

Die Musik ist wie immer druckvoll und transparent produziert, oft spiegelt sich im Klang der Inhalt. Häusliche Gewalt aus der Sicht der Täters („Einschlag“) wird dramatisch spür- und hörbar, der Titelsong empfindet das Grundgefühl der New Wave nach („ich will das Dunkel und was es mit mir macht“). Selten beziehen die Ärzte Position – außer bei Nazis. Über die und die Alternative-Fakten-Bewegung singen sie zum Ska-Offbeat frei nach Bela B.s Oma: „Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen.“

Eine poppige Mitsing-Hymne bricht das Trio ironisch, nicht umsonst heißt sie „Schrei“. „Bonjour, Tristesse“ ist eine wunderbare Chanson-Persiflage über einen, der sich in selbst gewähltem Elend suhlt. Zwei Tage vor der Bundestagswahl liefern Die Ärzte zudem eine gewitzte Liebeserklärung an die Demokratie („Our Bass Player hates this Song“) – und fordern dazu auf, dem kontraproduktiven Gemecker übers „Scheißsystem“ abzuschwören: „Dein Kreuz gegen Hakenkreuze, damit fängt es an“.

Eine Ode an die Musik

Ist das noch Punk? Oder schon Punk 2.0? Ganz egal. In „Kerngeschäft“ postulieren Die Ärzte mit der Rapperin Ebow: „Musik ist älter als Kapitalismus“, „Musik bleibt ewig, Baby“.

Die Ärzte: Dunkel. Hot Action Records/Universal




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