Die Likes von Ilkay Gündogan und Emre Can Warum es keinen Grund für große Empörung gibt

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Mit dem Liken eines Fotos salutierender türkischer Fußballer haben die deutschen Nationalkicker Emre Can und Ilkay Gündogan eine gedankenlose Dummheit begangen. Mehr nicht. Viel wichtiger ist eine andere Botschaft, findet unser Sportredakteur Marko Schumacher.

Schwarzer Tag für Nationalspieler Emre Can: im Internet Ärger, auf dem Rasen Rot. Foto: dpa/Gambarini
Schwarzer Tag für Nationalspieler Emre Can: im Internet Ärger, auf dem Rasen Rot. Foto: dpa/Gambarini

Tallinn - Es gehört zu den Eigenheiten des modernen Profifußballs, dass jeder halbwegs begabte Kicker mit seinen Millionen nicht nur Immobilien, Autos und Jachten bezahlt, sondern auch Legionen von Beratern: Experten für Vertrags- und Transferangelegenheiten, für Geldanlage und Steuertricks, für Pressearbeit, Ernährung und mentales Training. Und nicht zuletzt: Spezialisten für Social Media, jene Errungenschaft der digitalen Welt, mit der sich Image, Bekanntheitsgrad und damit Werbewert eines Spielers maßgeblich beeinflussen lassen.

Die Uefa hat Ermittlungen eingeleitet

Umso haarsträubender, dass die beiden türkischstämmigen DFB-Spieler Ilkay Gündogan und Emre Can auf die Idee kommen konnten, bei Instagram eines jener umstrittenen Fotos aus der Heimat ihrer Eltern mit Likes zu versehen, wegen denen inzwischen die Uefa ermittelt: Es zeigt türkische Nationalspieler, die nach dem Siegtreffer im Spiel gegen Albanien mit der Hand an der Stirn den Soldaten salutieren, die trotz internationaler Proteste in Nordsyrien einmarschiert sind.

Nach dem riesigen Wirbel um sein gemeinsames Foto mit dem türkischen Machthaber Recep Tayyip Erdogan vor der WM 2018 hätte man sich vor allem im Falle Gündogans nicht vorstellen können, dass ihm ein solcher Fehler unterläuft.

Lesen Sie hier: Warum der 3:0-Sieg in Estland so zäh war.

Ja, ein Fehler war es, eine Dummheit – aber überhaupt kein Grund für eine neue Staatsaffäre oder den Rauswurf aus der Nationalelf, den wie so oft wutschnaubende Twitter- oder Facebook-Kommentatoren („Was dürfen sich diese Herren eigentlich noch alles erlauben?!“) zumindest vor Gündogans beiden Tore beim 3:0-Sieg in Estland forderten. Sowohl Gündogan als auch Can haben ihre Likes umgehend zurückgenommen und versichert: Es habe sich nur um einen der vielen unbedachten Klicks auf den Instagram-Seiten befreundeter Sportler gehandelt, auf gar keinen Fall aber um eine politische Botschaft.

Emre Can bezeichnet sich als „absoluten Pazifisten“

Man darf ihnen das abnehmen, zumal Can ein „absoluter Pazifist“ sei und auch Gündogan versichert, „konsequent gegen jeglichen Terror und jeglichen Krieg“ zu sein, „egal wo er stattfindet“. Das sind ungleich stärkere Statements, als gedankenlos dahingeworfene Likes in den endlosen Weiten des Internets.

Somit empfiehlt es sich, auch mit diesem Fall so umzugehen wie mit vielen anderen Aufgeregtheiten in den sozialen Netzwerken (und, ganz nebenbei, dem modernen Fußball): Kopf schütteln, wegklicken und schnell vergessen.




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