Dilemma für Stadtverwaltungen Gelbe Karte für die Einstellungspolitik

Die Personalkosten in den Rathäusern steigen. Foto: dpa/Daniel Reinhardt
Die Personalkosten in den Rathäusern steigen. Foto: dpa/Daniel Reinhardt

Die Zahl der Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung in Leinfelden-Echterdingen steigt und steigt. Teile des Gemeinderates sehen die Entwicklung zunehmend kritisch.

Leinfelden-Echterdingen - Als die Stadtverwaltung von Leinfelden-Echterdingen kürzlich einen Radverkehrsbeauftragten einstellen wollte, lehnte die Mehrheit der Stadträte dies ab. Und das gemäß den Wortbeiträgen der Bürgervertreter nicht, weil sie gegen einen Radverkehrsbeauftragten an sich gewesen wären. Vielmehr geht es vielen Stadträten darum, der Verwaltung bei der Einstellungspolitik die Gelbe Karte zu zeigen. Tatsächlich steigt die Zahl der städtischen Mitarbeiter seit Jahren an.

Die Stadt steht indessen vor einem Dilemma. Der stetige Bedarf an weiteren Mitarbeitern besteht nicht ohne Grund. Immer wieder betonen Vertreter von Stadtverwaltungen, dass ihre Abteilungen keine weiteren Aufgaben schultern könnten. „Der gesamte öffentliche Dienst verzeichnet einen Personalzuwachs in den letzten Jahren“, sagt der Sprecher der Stadt Leinfelden-Echterdingen, Thomas Krämer. Ursache sei vor allem der Aufgabenzuwachs der Kommunen. Themen wie Kinderbetreuung, Schulkindbetreuung und Schulsozialarbeit seien in den vergangenen Jahren ausgebaut worden. Hinzu gekommen sei die verstärkte Betreuung und Verwaltung von geflüchteten Menschen. Außerdem stünden die Verkehrswende, die Digitalisierung und Investitionen in Schulen, Kindergärten und Straßen und mehr auf der Agenda.

Auch die Einwohnerzahl steige an, was einen wachsenden Personalbedarf nach sich ziehe. Und zuletzt seien auch der Anspruch und die Erwartungshaltung der Bevölkerung größer geworden. Die damit verbundene größere Bürgerbeteiligung erfordere Zeit und Personalressourcen, so Thomas Krämer. Dass beim beschriebenen Aufgabenzuwachs an anderer Stelle Aufgaben in größerem Umfang entfallen, verneint der Sprecher der Stadt.

Es fällt schwer, offene Stellen zu besetzen

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie rasant die Entwicklung ist. Noch im Jahr 2010 arbeiteten 682 Menschen für die Stadtverwaltung von Leinfelden-Echterdingen. Über das Jahr 2019 waren es 875, und zum Jahreswechsel bereits 918 Mitarbeiter. Geht die Entwicklung so weiter, könnte schon bald die 1000er-Marke geknackt werden.

Eine Folge ist, dass die Personalausgaben einen wachsenden Anteil an den Ausgaben der Stadt haben. Laut Verwaltung betragen die Gesamtaufwendungen im Ergebnishaushalt im Planentwurf für 2021 rund 134,5 Millionen Euro. Davon entfallen rund 39,4 Millionen Euro auf die Personalkosten, was einem Anteil von 29,3 Prozent entspricht.

Um die steigenden Personalkosten wieder reinzuholen, geraten Rathäuser in Versuchung, wieder neue Wohn- und Gewerbegebiete auszuweisen. Das bringt zunächst zusätzliches Geld in die Kasse. In der Folge steigt allerdings auch wieder der Planungs- und Verwaltungsaufwand, weil die Stadt dadurch eben wächst – und wieder neue Mitarbeiter braucht.

Beim Blick über den Tellerrand des eigenen Wohnorts hinaus wird rasch deutlich, dass der stetig wachsende Personalbedarf der Kommunen zu einem weiteren Problem führt. Es fällt ihnen vielerorts zunehmend schwerer, offene Stellen zu besetzen. Der Arbeitsmarkt war zumindest bis vor der Coronapandemie leer gefegt. Grundsätzlich sei der Fachkräftemangel weiterhin in technischen Berufen zu spüren, berichtet Krämer. Auch bei den Erziehern bleibe die angespannte Personalsituation wohl noch weiterhin bestehen. Aber auch im Verwaltungsbereich sei zwischenzeitlich die Personalgewinnung deutlich schwieriger, beispielsweise im Bereich des gehobenen Verwaltungsdienstes.




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