Diskussion über Propagandafilm Zeitreise zur dunklen Seite der Filmwelt

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Neben „Jud Süß“ ist „Der Hitlerjunge Quex“ einer der bekanntesten Titel von NS-Propagandafilmen. Zusammen mit der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung hat das Waiblinger Kulturhaus Schwanen den Film gezeigt.

„Jud Süß“ gilt als einer der bekanntesten Hetzfilme der NS-Propaganda. Foto: dpa
„Jud Süß“ gilt als einer der bekanntesten Hetzfilme der NS-Propaganda. Foto: dpa

Waiblingen - Heute ist es nur schwer nachvollziehbar, dass ein selbstverliebter Popanz wie Adolf Hitler mit seinen Reden eine dermaßen durchschlagende Wirkung auf sein Publikum ausüben konnte. Charlie Chaplin persiflierte dieses Gehabe bereits 1940 in seiner Groteske „Der  große Diktator“: „Demokratschisch schtonk! Liberty schtonk! Free schprekken schtonk!“ Außerdem hat das Publikum heutzutage durch die Massenmedien die Möglichkeit, einen Redner und seine Gestik besser einordnen zu können.

Ganz anders und viel gefährlicher verhält es sich mit den Propagandafilmen der Nazis, die zwischen den Jahren 1933 und 1945 produziert wurden, darunter „Der Hitlerjunge Quex“, der am Dienstag im Kulturhaus Schwanen gezeigt wurde. Der Propagandaminister Joseph Goebbels setzte auf eine subtile Beeinflussung des Publikums. Zwischen den Zeilen sollte dem Zuschauer der Geist der NS-Ideologie eingeimpft werden. „Der Hitlerjunge Quex“ kam bereits im September 1933 in die deutschen Kinos. Der Film mit dem Untertitel „Ein Film vom Opfergeist der deutschen Jugend“, der heute weniger subtil denn holzschnittartig wirkt, wurde damals ein großer Erfolg.

„Der Film wurde bei der Hitlerjugend ständig gezeigt“, sagt der Filmkritiker und Medienpädagoge Michael Kleinschmidt, der Vorführungen im Auftrag der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung begleitet. Diese hält die Rechte an dem Streifen, den sie als „Vorbehaltsfilm“ einstuft. Dabei handelt es sich um NS-Propagandafilme, die rassistisch, kriegsverherrlichend und volksverhetzend sind und nicht öffentlich gezeigt werden sollen oder dürfen. Diese werden von der Stiftung nur mit einem Begleitprogramm gezeigt.

Am Dienstag fand eine solche Vorführung im Waiblinger Kulturhaus Schwanen statt. Kleinschmidt geht es vor allem darum, die Zuschauer auf die Stilmittel hinzuweisen, mit der die Propaganda im Film unterschwellig eingesetzt wird. Allerdings habe Goebbels die Macht seiner subtilen Propaganda überschätzt. „Aus der modernen Medienwirkungsforschung wissen wir, dass es nicht so einfach ist, das Publikum zu manipulieren“, so Kleinschmidt. Dennoch zeigten die NS-Filme Wirkung. Kleinschmidt verliest den Brief eines Lehrers, der damals im Teenageralter war und sich nichts Schöneres vorstellen konnte, als sich für eine große Sache opfern zu wollen. Der Film habe ihn damals darin bestätigt.

Auf die Inhalte der NS-Ideologie wird in dem Spielfilm überhaupt nicht eingegangen. Es geht vielmehr darum, Kindern und Jugendlichen ein Bild der Hitlerjugend zu vermitteln, das sie anziehend für sie macht. Der Film spielt in Berlin, wenige Monate vor der Machtergreifung der Nazis und ist zum Teil mit Laiendarstellern – aus der Hitlerjugend – zum Teil prominent besetzt. „Produziert wurde er in wenigen Monaten, im Sommer 1933. Das zeigt, wie wichtig er den Nazis war.“ Zwei Hauptrollen, die Eltern der Titelfigur, werden gespielt von den damaligen Starschauspielern Heinrich George und seiner Frau Berta Drews. Im Lauf der Handlung wandelt sich der Vater durch das „Vorbild“ seines Sohnes vom Gegner der Nazis zwar nicht zu deren Anhänger, aber zumindest zum Mitläufer.

Die Frage, ob man den Film frei zugänglich machen soll, wurde anschließend mit dem Publikum diskutiert. Die Mehrheit tendierte dazu. Das Publikum sei heute mündig genug. Doch einige meinten auch, das Begleitprogramm sei sinnvoll und sollte deshalb beibehalten werden.




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