Diskussion um Dennis Aogo Boris Palmer provoziert auf Facebook mit „N-Wort“

Boris Palmer mischt sich in die Debatte um den früheren Nationalspieler Denis Aogo ein. Foto: dpa/Marijan Murat
Boris Palmer mischt sich in die Debatte um den früheren Nationalspieler Denis Aogo ein. Foto: dpa/Marijan Murat

Auf Facebook löst Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer mit dem „N-Wort“ einen Sturm der Entrüstung aus. Später erklärt er dann, es habe sich lediglich um Ironie gehandelt.

Seite 3: Christine Keck (kek)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Tübingen - Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hat sich Freitagnacht auf Facebook mit einem Post, der auf viel Kritik stößt, in den Eklat um die rassistischen Äußerungen von Ex-Nationaltorwart Jens Lehmanns eingemischt. Palmer schreibt über den Ex-Fußball-Nationalspieler Dennis Aogo: „Der aogo ist ein schlimmer Rassist. Hat Frauen seinen negerschwanz* angeboten.“

Auf seiner Facebookseite hat Palmer einen Artikel über die verbalen Entgleisungen der Fußball-TV-Experten Aogo und Jens Lehmann gepostet. Lehmann hatte den Ex-Bundesliga-Profi Aogo in einer WhatsApp-Nachricht als „Quotenschwarzer“ bezeichnet. Aogo wiederum benutzte in einer Livesendung den Ausdruck „Trainieren bis zum Vergasen“. Die Fehltritte waren folgenreich: Lehmann verlor seinen Job beim Sender Sky und seinen Posten als Aufsichtsrat bei Hertha BSC. Auch Dennis Aogo wird vorerst nicht mehr als Experte bei Sky auftreten.

Sturm der Entrüstung im Netz

In seinem Post schreibt Palmer: „Lehmann weg. Aogo weg. Ist die Welt jetzt besser? Eine private Nachricht und eine unbedachte Formulierung, schon verschwinden zwei Sportler von der Bildfläche.“ Der Furor, mit dem Stürme im Netz Existenzen vernichten können, werde immer schlimmer, stellt der Grünen-Politiker fest. „Cancel culture macht uns zu hörigen Sprechautomaten, mit jedem Wort am Abgrund. Ich will nicht in einem solchen Sprachjakobinat leben.“

Auf die Frage eines anderen Facebook-Nutzers, der Palmer vorwirft „Rassismus zu relativieren“ antwortet der Oberbürgermeister mit dem Skandal-Post, der mittlerweile einen Sturm der Entrüstung im Netz ausgelöst hat. Später erklärt er dann, es habe sich lediglich um Ironie gehandelt. „Mit dem Stilmittel der Ironie, einen Schwarzen zum Rassisten zu erklären“, sei er den „abstrusen Provokation“ entgegengetreten. Der Rest des Satzes sei ein Zitat, schreibt Palmer.

Das Zitat bezieht sich auf einen Screenshot, in dem eine Facebook-Nutzerin dem früheren Fußballspieler Aogo vorwirft, vor vielen Jahren eine Freundin mit dem Vorschlag belästigt zu haben, sich seinen „dicken Negerschwanz“ zu „gönnen“. Für die angebliche Aussage Aogos gibt es keine verlässliche Quelle.

Timon Dzienus aus dem Bundesvorstand der Grünen Jugend reagiert auf Twitter mit der Forderung, dass Palmer aus der Partei geworfen gehöre. Das sei lange überfällig. Er nennt den Tübinger Oberbürgermeister einen „widerlichen Rassisten“

+++ Anmerkung +++

* Wir haben uns in der Redaktion dazu entschieden, dieses Wort als Zitat vollständig aufzuschreiben. Wir wissen jedoch, dass es ein rassistischer Begriff ist, den wir damit duplizieren. Aus Gründen der Vollständigkeit lassen wir das Wort unzensiert stehen und benutzen nur in der Überschrift das „N-Wort“.

Unsere Empfehlung für Sie