Diskussion um Elterntaxis Jedes fünfte Kind wird in die Schule gefahren

Von Claudia Leihenseder 

Aktuelle Umfragen zeigen, wie viele Schüler das Elterntaxi nutzen. Verkehrsklubs und die Polizei raten zu Elterntaxihaltestellen – allerdings in einer gewissen Entfernung zur Schule.

Nur 17 Prozent der Grundschüler nehmen den Bus zur Schule. Foto: dpa/Marijan Murat
Nur 17 Prozent der Grundschüler nehmen den Bus zur Schule. Foto: dpa/Marijan Murat

Rems-Murr-Kreis - Schon länger sind Elterntaxis sowohl den Verkehrsklubs als auch der Polizei ein Dorn im Auge. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa aus dem Jahr 2018 (erstellt im Auftrag von Cosmos Direkt) wird inzwischen jedes fünfte Kind zwischen sechs und neun Jahren zur Schule gefahren. Lediglich zehn Prozent der Kinder würden demnach mit dem Fahrrad fahren und nur 17 Prozent den Bus nehmen.

Das hauptsächliche Problem dabei sind die Unfallzahlen: Im Jahr 2017 verunglückte laut dem Auto Club Europa (ACE) alle 18 Minuten ein Kind im Straßenverkehr – sowohl als Insasse im Auto als auch als Fußgänger und Radfahrer.

Der ADAC ist für Elterntaxi-Haltestellen in einiger Entfernung

Der ADAC liefert Zahlen aus dem Jahr 2016: Damals verunglückten in Deutschland 7805 Kinder von sechs bis neun Jahren im Straßenverkehr, davon 14 tödlich. „Auch wenn nur etwa jeder fünfte Unfall auf dem Schulweg passiert und die langfristige Entwicklung der Kinderunfälle rückläufig ist, müssen weiterhin große Anstrengungen unternommen werden, um die nach wie vor hohe Zahl von Schulwegunfällen weiter zu senken“, teilt der ADAC mit.

Dazu hat der Verkehrsklub mit Hauptsitz in München einen 20-seitigen Leitfaden „Elterntaxi an Grundschulen“ herausgebracht – voll mit Analysen und Ideen, wie der Schulweg für Kinder sicherer werden könnte. Vor allem propagiert der ADAC – und gleichzeitig auch der ACE sowie die Polizei – die Einführung von Elterntaxi-Haltestellen. Allerdings – so die Empfehlung unisono – nicht unmittelbar vor der Schule, sondern ein ganzes Stückchen – 250 bis 500 Meter – entfernt. Damit solle, so erklärt das unter anderem der ADAC, der Verkehr im unmittelbaren Schulumfeld entzerrt werden. Zeitgleich sollten zudem Projekte zur Bewegungsförderung sowie Belohnungssysteme eingeführt werden.

Polizei appelliert für den Fußweg oder die Öffentlichen

Der ACE regt auch die Einrichtung von Hol- und Bringzonen wie „Kiss + Ride“ an, Sonderparkplätze für gesichertes Ein- und Aussteigen sowie die Einführung einer „Schulstraße“, in der ein kontrolliertes Fahrverbot kurz vor dem Schulbeginn gelten könnte.

Die Polizei hat ebenso umfangreiche Konzepte gegen das Problem der Elterntaxis erarbeitet und bietet den Schulen ihre Hilfe an: Elternabende, Theaterstücke für Kinder, Schulprojekte, die sich mit dem Thema befassen, sollen dabei helfen, das Bewusstsein für die Gefahren der Elterntaxis vor den Schulen sowohl bei den Eltern als auch bei ihren Kindern zu schaffen. „Wir üben bei Bedarf gerne auch en Schulweg mit den Schulklassen“, teilt etwa das Polizeipräsidium Aalen auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Die Polizei hat einen eindeutigen Appell an die Eltern: „Wenn irgendwie möglich, dann sollten die Kinder zu Fuß oder alternativ mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule gehen“, schreibt die Polizeipressestelle in Aalen. Und davor solle der Schulweg selbstverständlich gut eingeübt werden.




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