Drittliga-Derby in Degerloch Aalen sieht sich als Außenseiter

Von Lutz Eigenbrodt 

Am Sonntag (14 Uhr) steigt in Degerloch das Drittliga-Derby zwischen den Stuttgarter Kickers und dem VfR Aalen, der sich als Außenseiter sieht. Mit dabei: Randy Edwini-Bonsu, letzte Saison noch im Kickers-Dress.

In Rot statt Blau: Randy Edwini-Bonsu (links) Foto: Eibner
In Rot statt Blau: Randy Edwini-Bonsu (links) Foto: Eibner

Aalen - Es seit durchaus vorstellbar, „dass Randy Edwini- Bonsu im Derby eine Jokerrolle übernehmen könnte“. Ausgerechnet vor dem Gastspiel auf der Waldau am Sonntag (14 Uhr) kokettiert der neue Aalener Coach Peter Vollmann mit dem Einsatz des ehemaligen Kickers-Stürmers, obwohl der bisher noch keine Minute in einem Pflichtspiel absolviert hat. Nach zwei Unentschieden und einem Sieg spricht der VfR-Übungsleiter von einem ordentlichen Saisonstart. „Trotz allem sind aus meiner Sicht die Rollen verteilt: Die Kickers sind klarer Favorit, aber wir kommen nicht nur zum Hände schütteln.“

Vor fast genau zwei Monaten hätten selbst die größten Optimisten auf der Ostalb wenig bis gar nichts auf einen gelungen Saisonstart gewettet. Beim Trainingsauftakt am 22. Juni konnte der erfahrene Fußballlehrer Vollmann (57), der schon in Ghana oder Zypern tätig war, gerade einmal 14 Akteure per Handschlag in der Scholz-Arena begrüßen. Vom letztjährigen Zweitligatross sind nur noch Daniel Bernhardt, Oliver Schnitzler, Oliver Barth, Michael Klauß, Maximillan Welzmüller, Dennis Chessa und Sebastian Neumann übrig geblieben. Ergänzt wurde die spärliche Runde durch die beiden Eigengewächse Ruben Reisig und Steffen Kienle. Mittlerweile wurde der Kader mit etablierten Drittligaspielern wie Robert Müller (SV Wehen Wiesbaden), Markus Schwabl (SpVgg Unterhaching),Matthias Morys (SG Sonnenhof Großaspach) oder eben dem besagten Randy Edwini- Bonsu im Rahmen der bescheidenen finanziellen Möglichkeiten ergänzt. „Jeder von den Jungs hat genau gewusst, welch spezielle Situation ihn hier in Aalen erwartet. Das gleiche gilt übrigens auch für mich als Trainer. Deshalb heißt es jetzt auch die Situation so anzunehmen wie sie ist“, sagt Vollmann. Keine Frage, wer die Szenerie rund um den VfR Aalen in den vergangenen Jahren verfolgt hat, den kann so leicht nichts mehr erschüttern: Liquiditätsprobleme, Punktabzug, Auflösungserscheinungen im Aufsichtsrat und schließlich der Abstieg in die dritte Liga.

Trotz aller Rückschläge in der Vergangenheit gibt sich der Verein und allen voran der Präsident und Mäzen Berndt-Ulrich Scholz kämpferisch. „Wir wollen in zwei, drei Jahren wieder dahin, wo wir hergekommen sind: in die zweite Liga. An diesem Ziel arbeiten wir.“ Bei der Mitgliederversammlung verkündete Clubpatron Scholz, dass er den Verein schuldenfrei gestellt habe. Zudem wurde mit Hermann Olschewski (Sport), Walter Höffner (Infrastruktur), Rudi Feil (Sponsoring/Marketing) und Roland Vogt (Finanzen) eine neu formierte Führungscrew präsentiert, die es geschafft hat, in kürzester Zeit neue Euphorie rund um den Verein zu entfachen. Der Dauerkartenabsatz wurde gegenüber der zweiten Liga sogar leicht erhöht und die Zahl der Sponsoren ist ebenfalls steigend.

„Momentan sehr zufrieden“

Eine Entwicklung ist in den fast zwei Monaten seit dem Amtsantritt von Peter Vollmann auch im sportlichen Bereich zu beobachten. „Ich kann auch mit einem kleinen Kader sehr effizient arbeiten. Das kenne ich bereits von früheren Stationen beim KFC Uerdingen und bei Fortuna Köln. Das heißt aber keineswegs, dass ich auf solche Situationen spezialisiert bin. Ich bin mit dem momentanen Ist-Zustand der Mannschaft sehr zufrieden und hoffe, dass wir aufgrund unseres kleinen Kaders von größeren Verletzungssorgen verschont bleiben.“ Die Kadergröße wirkt sich natürlich negativ auf den fehlenden Konkurrenzkampf innerhalb des Teams und verschiedene Trainingsformen aus. „Wir können im Training beispielsweise keine Spielform elf gegen elf trainieren“, sagt der Coach.

Aus diesem Grund tat das dramatische Pokal-Aus im Elfmeterschießen gegen den 1.FC Nürnberg doppelt weh. Der Verein von der Ostalb hätte für das Erreichen der zweiten Runde mit einer Fixsumme von 268 000 Euro vom Deutschen Fußball-Bund eine zusätzliche Anschubfinanzierung für einen Neuzugang generieren können. Aber wer weiß, vielleicht platzt bei Edwini-Bonsu der Knoten – und er macht damit weitere Verstärkungen im Offensivbereich überflüssig. „Die Zeit von Edwini-Bonsu wird sicher noch kommen“, ist Vollmann sicher. Schon am Sonntag?




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