Drogenpolitik in Stuttgart Stadtratsfraktionen warten auf fertiges Konzept

Lokales: Mathias Bury (ury)
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Das könnte sich ändern. Mit zwei Fraktionen im Rat haben die Akteure des CSC schon gesprochen: mit den Grünen und mit SÖS-Linke-Plus. „Das Konzept ist überwiegend positiv aufgenommen worden“, sagt Stefan Urbat, der die Piratenpartei in der linken Gemeinschaftsfraktion vertritt. Die Vorstellungen des CSC seien „sehr defensiv mit vielen Vorsichtsmaßnahmen“. Eine abschließende Meinung gebe es nicht. Urbat geht aber davon aus, dass die Fraktion den Antrag stellen wird, dass die Stadt beim Bund eine Sondergenehmigung für einen Cannabis Club erwirken soll.

„Wir stehen der Sache prinzipiell offen gegenüber“, sagt Stadtrat Björn Peterhoff von den Grünen. Eine Fraktionsmeinung dazu gebe es noch nicht. „Wir warten erst, bis das Konzept fertig ist“, sagt der Stadtrat. Entscheidend sei, dass darin klar ausgeführt ist, wie der CSC mit der Suchtprävention zusammenarbeiten würde. „Der Jugendschutz muss da im Vordergrund stehen“, sagt Peterhoff.

Die Grünen sind in der Sache jedenfalls im Bund Vorreiter. Vor einigen Monaten hat die Bundestagsfraktion den Entwurf für ein Cannabiskontrollgesetz eingebracht. An vorderster Stelle steht hier Cem Özdemir, der schon zweimal für die Grünen im Bundestagswahlkreis Stuttgart I kandidiert hat. Selbst bei der CDU gibt es inzwischen einen Legalisierungsbefürworter – als Einzelmeinung: den Waiblinger Bundestagsabgeordneten Joachim Pfeiffer. Im Gemeinderat dürfte sich nur schwerlich eine Mehrheit für das Vorhaben des CSC finden. Für die SPD gibt Landesinnenminister Reinhold Gall eine klare Linie von oben vor, der auch eine Teillegalisierung für ein völlig falsches Signal hält.

Fachfrau warnt vor vermeintlich harmloser Droge

Für die Suchtmedizinerin Sonja Martin, Oberärztin am Zentrum für seelische Gesundheit in Bad Cannstatt, wäre es auf jeden Fall unabdingbar für ein Modellprojekt, „dass Sozialarbeiter involviert werden“. Der Stoff sei nicht so harmlos, wie manche meinten, sagt Martin. So könne Cannabis bei starkem Konsum, wenn eine genetischen Disposition vorliege, Psychosen auslösen. Weil die Gefahren insbesondere für Jugendliche groß seien, plädiert die Ärztin dafür, einen Zugang nur Personen ab 21 oder sogar 25 Jahren zu schaffen.

Timo Strohmenger bestreitet gar nicht, dass manche Leute mit Cannabis nicht umgehen können. „Die könnten in so einem Club sogar Hilfe bekommen“, sagt der 43-Jährige. Und die Einhaltung des Jugendschutzes sei Pflicht. Für Strohmenger ist derzeit entscheidend, dass über das Thema „endlich sachbezogen diskutiert wird“.




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