Dror Mishani: Drei Mordgeschichte auf Samtpfoten

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Der israelische Autor Dror Mishani hat mit „Drei“ einen fein konstruierten, eleganten Krimi vorgelegt, der den Leser still und heimlich in die dunklen Ecken der menschlichen Seele lockt.

Dror Mishanis „Drei“ ist unbedingt lesenswert. Foto: Lukas Jenkner
Dror Mishanis „Drei“ ist unbedingt lesenswert. Foto: Lukas Jenkner

Stuttgart - Die Inhaltsangabe ist erschreckend dürr: Drei Frauen lernen einen Mann kennen. Die eine sucht Trost nach einer gescheiterten Ehe, die zweite nach einem Zeichen Gottes, die dritte etwas ganz anderes. So steht’s im Klappentext von Dror Mishanis neuem Krimi „Drei“, der seit kurzem auf Deutsch erhältlich ist und jedem Krimifreund wärmstens ans Herz gelegt sei. Denn Mishani, ansonsten international erfolgreich als Krimiautor mit seinen Geschichten um Inspektor Avi Avhraham, Israels Antwort auf Henning Mankells Wallander, hat mit „Drei“ ein regelrechtes Schmuckstück vorgelegt.

Warum das so ist, lässt sich kaum erklären, ohne Wesentliches zu verraten. Zumindest so viel sei gesagt: Wüsste der Leser nicht, dass Mishani vor allem mit Krimis international reüssiert, er könnte auch einen Roman über moderne Frauen und ihr Ringen mit den Herausforderungen in der modernen Gesellschaft Israels in der Hand halten – anfänglich zumindest.

Drei präzis gezeichnete Psychogramme

Orna zum Beispiel ist eine von ihrem Mann verlassene Lehrerin, die sich mit ihrem kleinen Sohn, der nach der Trennung von einem Psychologen betreut wird, als Alleinerziehende mehr schlecht als recht durchschlägt. Emilia ist als Pflegekraft aus Riga eingewandert und muss sich neu orientieren, als ihr Pflegepatient stirbt. Ella wiederum hat nach zwei Töchtern nun ein drittes Kind zuhause und sich für ein Masterstudium eingeschrieben, weil ihr zuhause die Decke auf den Kopf fällt.

Dror Mishani zeichnet drei präzise Psychogramme von verunsicherten und zugleich selbstbewussten Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen mit Gil in Kontakt kommen: Er ist ein lockerer, zurückhaltender Mann, der die Frauen nicht drängt, zugleich aber – wie der Leser feststellt – doch beharrlich dran bleibt. Über Gil erfährt der Leser wenig: Er bleibt eine halbwegs konturlose Figur und in erster Linie Projektionsfläche für die Sehnsüchte der Frauen, die er kennenlernt.

Voll unerwarteter Wendungen

Bis es dann kippt und „Drei“ zu dem wird, was es eigentlich ist: Ein Detektivroman voll unerwarteter Wendungen, in dem das Verbrechen so beiläufig daher kommt, dass der Leser es zunächst fast übersieht – und nicht glauben will, was da passiert.

Dror Mishani: Drei. Roman. Aus dem Hebräischen von Markus Lemke. Diogenes Verlag Zürich 2019. Gebunden mit Schutzumschlag, 336 Seiten, 24 Euro. Auch als E-Book, 20,99 Euro.




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