Dubiose Immobiliengeschäfte des Vatikans Den Peterspfennig verzockt?

Von Almut Siefert 

Seit Wochen brodelt es mal wieder im Vatikan: ein neuer Finanzskandal hält den Kirchenstaat in Atem. Nun äußert sich erstmals auch der Papst dazu, er spricht sogar von Korruption. Aber Franziskus sieht in dem Skandal auch etwas Positives.

Während der Rückreise aus Japan nimmt Papst Franziskus im Papstflieger Stellung zu dem aktuellen Finanzskandal im Vatikan. Foto: dpa/Remo Casilli
Während der Rückreise aus Japan nimmt Papst Franziskus im Papstflieger Stellung zu dem aktuellen Finanzskandal im Vatikan. Foto: dpa/Remo Casilli

Rom/Vatikanstadt - Auch wenn im Vatikan die Uhren anders gehen als im Rest der Welt: Der gute alte Sparstrumpf ist auch hier nicht mehr im Einsatz. „Es ist kein Zeichen guter Verwaltung, das Geld aus dem Peterspfennig zu nehmen und in die Schublade zu legen“, sagt Papst Franziskus. Er habe also prinzipiell nichts gegen Investitionen, aber „eine gute Verwaltung muss Geld vernünftig anlegen“. Der Kauf einer Luxusimmobilie im Londoner Nobelviertel Chelsea dürfte auch nach Meinung des Kirchenoberhaupts nicht in diese Kategorie gehören. Am Dienstagabend hat Papst Franziskus den neuerlichen Finanzskandal im Vatikan erstmals persönlich eingestanden. Auf dem Rückflug von seiner Asienreise sagte er vor den mitreisenden Journalisten: „Es gab Fälle von Korruption.“ Und weiter: „Sie haben Dinge getan, die nicht sauber erscheinen.“

Der Papst findet deutliche Worte, betont aber die Unschuldsvermutung

Sie, damit meint Franziskus die fünf teils hochrangigen Mitarbeiter des Staatssekretariats und der Finanzaufsicht Autorità di Informazione Finanziaria (AIF), die im Fokus der Ermittlungen stehen. Unter ihnen ist auch der AIF-Direktor Tommaso Di Ruzza. Sie sollen in den Kauf einer Immobilie in London verwickelt sein, der aus Geldern des Peterspfennigs finanziert worden und nicht ganz mit rechten Dingen zugegangen sein soll. Laut italienischen Medienberichten sollen so vor rund fünf Jahren zwischen 150 und 200 Millionen Euro investiert worden sein. Auch soll der Deal in Zusammenarbeit mit Personen erfolgt sein, die einen zweifelhaften Ruf genießen. Mit dem Wort Korruption bekräftigt Franziskus nun selbst diesen Verdacht. Er betonte aber auch, noch gelte die Unschuldsvermutung. Die Anhörung der Beschuldigten werde allerdings noch in diesem Jahr beginnen.

Wegen des Skandals hatte Franziskus Mitte November bereits auf die Verlängerung der Amtszeit des AIF-Präsidenten René Brülhart verzichtet. Der Schweizer, der eigentlich als Experte für die Bekämpfung von Geldwäsche gilt, hatte Behördendirektor Di Ruzza in Schutz genommen. Es scheint, als habe die AIF die Straftaten anderer nicht kontrolliert, kritisierte der Papst. Am Mittwoch schließlich gab der Vatikan die Nachfolge Brülharts bekannt: Die AIF wird künftig von dem Italiener Carmelo Barbagallo geleitet, einem einstigen Führungsmitglied der italienischen Zentralbank. Das Problem ist aber nicht nur, dass der Immobilienkauf von Korruption überschattet und am Ende verlustreich gewesen sein soll. Für das Geschäft sollen Teile des Peterspfennigs zweckentfremdet worden sein. Die jährliche Kollekte der katholischen Kirche anlässlich des Fests Paul und Peter am 29. Juni ist für die Armenhilfe des Papstes gedacht. Im Jahr 2016 sollen so weltweit insgesamt 78 Millionen Euro zusammengekommen sein.

Peterspfennig zweckentfremdet?

Dass dieses Geld investiert werde, dagegen hat der Papst nichts einzuwenden. Er verlangt aber, dass sichere und moralische Investitionen getätigt würden. Eine Investition in eine Waffenfabrik beispielsweise verbiete sich. Auch der Immobilienkauf in London sei kein gutes Geschäft gewesen, so der Papst.

Dass der neuerliche Finanzskandal diesmal von innen aufgedeckt worden sei, bewertet der Papst positiv. Der Fall habe gezeigt, dass die internen Mechanismen im Vatikan zur Aufdeckung solcher Skandale greifen: „Ich danke Gott, dass das Kontrollsystem im Vatikan gut funktioniert.“ Er sei „zufrieden, dass die Verwaltung im Vatikan die Fähigkeit hat, hässliche Sachen wie diese aufzuklären“. Dies hätten die Reformen seines Vorgängers ermöglicht. Papst Benedikt XVI. hatte nach dem großen Vatileaks-Skandal um Vetternwirtschaft und Korruption umfangreiche Reformen in die Wege geleitet. Franziskus hatte zu Beginn seines Pontifikats versprochen, diesen Prozess weiterzuführen und undurchsichtigen Finanzgeschäften ein Ende zu bereiten. Die Erlaubnis für die aktuellen Ermittlungen habe er höchstpersönlich erteilt.