InterviewDürr-Chef Ralf Dieter VW und der Abgasskandal

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Welche Firmen sind interessant für Sie?
Wir haben das genau definiert: Es muss sich um einen Maschinen- und Anlagenbauer handeln. Dabei ist es egal, ob er Holz bearbeitet wie die Homag, oder Metall. Er darf kein Sanierungsfall sein. Und die Firma sollte ihr Potenzial noch nicht vollständig entwickelt haben. Bei Homag sind wir eingestiegen, als das Unternehmen eine Umsatzrendite von drei bis vier Prozent hatte; nun streben wir acht bis zehn Prozent an und sind auf einem gutem Weg. Darüber hinaus muss das Unternehmen kulturell zu uns passen; daher suchen wir eher im deutschsprachigen Raum.
Steht 2017 der nächste Zukauf an?
Ob schon nächstes Jahr, das kann ich Ihnen nicht versprechen. Aber es wird weitere Übernahmen geben. Unser Ziel ist, bis 2020 einen Umsatz von fünf Milliarden Euro zu erzielen; jetzt sind wir bei rund 3,6 Milliarden. Doch noch wichtiger als Wachstum ist unsere finanzielle Unabhängigkeit. Wir werden nichts tun, was uns übermäßig verschuldet. Wir wollen ganz solide schwäbisch vorgehen.
VW ist Ihr Kunde. Spüren Sie den Abgasskandal?
Das spüren wir schon. VW ist mit einem Umsatzanteil von zehn Prozent unser größter Einzelkunde. VW stoppt die Investitionen aber nicht komplett, sie wägen ab, welche Investitionen getätigt werden und welche nicht. Unser Volumen mit VW ist geringer als vor dem Abgasskandal. Weggebrochen sind Aufträge bisher aber nicht.
Von welchem Volumen sprechen wir?
Das ist nichts, was uns umwirft.
Der Abgasskandal hat der Elektromobilität einen Push versetzt. Eine Bedrohung für Sie?
Für uns ist das keine Bedrohung, sondern eher eine Chance, da neue Automobilhersteller in den Markt eintreten und Produktionsanlagen benötigen. Das Elektroauto ist ein normales Auto. Auch die Tesla-Modelle haben eine Blechkarosse, die lackiert wird. Und eine Endmontagelinie wird auch benötigt. Für unser Geschäft ist entscheidend, dass in Summe weltweit mehr Autos auf die Straße kommen. Die nächsten 15 bis 20 Jahre sehe ich keine Probleme.
Dürr braucht einen neuen Finanz-Vorstand. Wie weit sind Sie mit der Suche?
Herr Heuwing ist noch bis Mai da. Die Suche läuft. Es gibt eine große Zahl von Bewerbungen. Die Gespräche laufen. Bis Dezember, spätestens Januar soll die Entscheidung gefallen sein.

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