E-Sports DOSB macht in Stuttgart den Zockern ein Angebot

Marcel Lutz bedient  für den VfB Stuttgart den   Controller. Foto: dpa
Marcel Lutz bedient für den VfB Stuttgart den Controller. Foto: dpa

Der Deutsche Olympische Sportbund könnte sich mit E-Sports arrangieren, wenn denn auf Ballerspiele verzichtet wird.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Peter Stolterfoht (sto)
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Stuttgart - In Stuttgart hat es eine überraschende Annäherung zwischen dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und den sogenannten E-Sportlern gegeben. Bisher war der DOSB so zu verstehen gewesen, dass sich die Computerspieler keine Hoffnung machen sollten, in einer eigenständige Sportart firmieren zu können. Das hörte sich bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Stuttgarter Sportgesprächs nun aber etwas anders an.

Bei der traditionellen Veranstaltung der Sportrechtskanzlei Wüterich/Breucker vor 300 Zuhörern machte die DOSB-Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker ein Angebot. Man werde sich als Dachverband für den E-Sport verwenden, unter der Bedingung, dass auf Brutalo- beziehungsweise Ballerspiele wie Counter- Strike verzichtet werde, sagte Rücker in diesem öffentlichen Gespräch. Mit großen Interesse vernahm dies Christian Ruf, der beim VfB Stuttgart den E-Sport-Bereich verantwortet. Er sei auch kein Freund von Schießspielen, sagte Ruf, der das DOSB-Angebot annehmen würde. Der VfB setzt allein auf das Fußball-Simulationsspiel Fifa, ganz im Gegensatz zum FC Schalke, der seine Computermannschaft auch in Wettkämpfen antreten lässt, die keinerlei Sportbezug aufweisen, wie in den brachialen Fantasy-Animationen League of Legends oder Dota.

Am liebsten sähe es der DOSB jedoch, wenn sich der E-Sport auf Wettbewerbe beschränken würde, die eine Symbiose aus körperlicher Betätigung und Computerspiel darstellen. Veronika Rücker führte das Beispiel einer Golfanimation an, in der Spieler einen richtigen Schläger schwingen und die Flugbahn des Balles virtuell auf einem Bildschirm erscheint. „Unabhängig von der Frage, ob E-Sports tatsächlich Sport ist, müssen die ethischen und gesellschaftlichen Anforderungen des DOSB erfüllt werden“, sagte Veronika Rücker. Mit einem abgespeckten Programm ohne Waffenspiele will sich der deutsche E-Sport-Bund bisher aber nicht einlassen.

Eine solche Ansage löst bei Manfred Spitzer eine sicht- wie hörbare Fassungslosigkeit aus. Dem Ärztlichen Direktor der Ulmer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie geht die Annäherung zwischen herkömmlichen Sport und E-Sport bei dieser vom Moderator Jens Zimmermann zielführend geleiteten Podiumsdiskussion schon viel zu weit.

Professor Spitzer versteht die Welt nicht mehr

„Es ist doch mittlerweile wissenschaftlich zur Genüge bewiesen, dass Computerspiele und Smartphones unsere Kinder krank machen und verblöden, dies soll jetzt auch noch staatlich gefördert werden, verrückt, das verstehe, wer will“, sagte der bekannte Digitalisierungs-Gegner. Es gehe seiner Ansicht nacht allein ums Geld „und um nichts anderes“. Eine Anerkennung als Sportart unter dem Dach des DOSB brächten vom Staat finanzielle Förderung sowie Steuererleichterung und der Computerspielindustrie ein so bestens vorbereitetes Absatzfeld.

Dies beackert Lars Lamadé als Chef für Sponsoring beim Walldorfer Software-Unternehmen SAP. „Für uns spielt es keine entscheidende Rolle, ob E-Sports als Sporart anerkannt wird“ sagt der vierte Teilnehmer der Podiumsrunde. Entscheidend sei, dass E-Sports eine gute – weil artverwandte – Plattform wäre, um für sein Unternehmen zu werben.

Christian Ruf wählte für den E-Sport als fahrenden Zug ein Bild, an dem die unterschiedlichen Ansichten dann bestens angehängt werden konnten. Der VfB-Vertreter will auf diesen Zug aufspringen, damit der Anschluss nicht verpasst wird. So sieht das auch der SAP-Mann Lars Lamadé. Die DOSB-Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker will aber erst einmal die Weichen stellen, während der wortgewaltige Professor Spitzer den digitalen Zug mit Höchstgeschwindigkeit gegen die Wand fahren sieht.




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