Einwohnerversammlung in S-West Bezirksvorsteher kündigt seinen Abschied an

Von Georg Linsenmann 

Bei der Einwohnerversammlung in der Stuttgarter Liederhalle verkündet Reinhard Möhrle, dass er nach der Wahl aufhört. Die Bürger spenden ihm lang anhaltenden Beifall.

Bezirksvorsteher Reinhard Möhrle  sitzt künftig nicht mehr neben OB Kuhn und den Bürgermeistern Pätzold und Fezer (von rechts nach links) auf dem Podium. Foto: Georg Linsenmann
Bezirksvorsteher Reinhard Möhrle sitzt künftig nicht mehr neben OB Kuhn und den Bürgermeistern Pätzold und Fezer (von rechts nach links) auf dem Podium. Foto: Georg Linsenmann

S-West - Rund 600 Bürger kamen zur Einwohnerversammlung in den Mozartsaal: von dieser starken Resonanz zeigte sich der Bezirksvorsteher Reinhard Möhrle in seiner Begrüßung sichtlich beeindruckt. Sie sei eine deutliche Steigerung im Vergleich zu jener vor fünf Jahren und unterstreiche „das starke Interesse an der Mitgestaltung im Stadtbezirk“, den Möhrle den „attraktivsten in der ganzen Stadt“ nannte. „Urbanität, Lebendigkeit und Vielfalt“, die sich in vielen Facetten zeige, seinen „das Markenzeichen des Westens“.

Sorgen machten ihm aber zwei Punkte: „Die Entwicklung am Wohnungsmarkt mit hohen Mietpreisen“ – wobei er das Olga-Areal als Beispiel dafür nannte, „wie die Stadt positiv Einfluss nehmen kann“. Der zweite Punkt war „die Auswirkung der Klimaerwärmung mit heißen Sommern als Belastung für die Stadtbewohner“. Möhrles Schlussfolgerung: „Zum Ausgleich brauchen wir im Westen deutlich mehr Grün“, wofür es starken Beifall gab. Wie ein Paukenschlag wirkte dann, dass Möhrle für die Zeit nach der Wahl seinen Abschied aus der Kommunalpolitik ankündigte: nach 15 Jahren im Amt als Bezirksvorsteher, die mit lang anhaltendem Beifall bedacht wurden.

Beifall für den OB

Auch Oberbürgermeister Fritz Kuhn unterstrich in seiner Rede die Stärken des Westens, „in den noch viele mehr hin wollten, wenn es ginge und bezahlbar wäre“. Überrascht schien der Saal bei der Feststellung, dass im Westen im Vergleich zur Gesamtstadt prozentual weniger Menschen mit Migrationshintergrund leben. Ein Raunen ging durch die Reihen beim Hinweis, dass 60 Prozent Einzelhaushalte deutlich über dem Stadtschnitt von 51 Prozent sind. Starken Beifall gab es für Kuhn, als er von der „unausweichlichen Notwendigkeit für mehr Grün in der Stadt“ sprach, mit Blick „auf unsere Kinder und Enkel“. Zugleich betonte Kuhn, dass es „bei vielen Themen Zielkonflikte“ gebe, die Politik aber trotzdem gefordert sei, „Prioritäten zu setzen“ Verkehr, bezahlbares Wohnen, Sorgen vor Strahlenbelastung durch neue Funkmasten fürs digitale Netz, Konflikte bei Nachverdichtungen, Motorräder auf Gehwegen oder Baumpflanzungen waren dann Themen, die aus dem Saal eingebracht und teils auch nachgehalten wurden. Auch die Nutzung der Bunkeranlagen unterm Diakonissenplatz wurde angesprochen oder die dringend nötige, verstärkte Unterstützung für den Abenteuerspielplatz. Auch die Müllproblematik oder der aktuell hohe Wellen schlagende Bäderplan.

Wenn viele der Themen für sich schon abendfüllend waren und auch sonst der ganze Horizont dessen ausgeschritten wurde, was die Bürgerschaft im Westen und die Stadtpolitik insgesamt beschäftigt, so war ein andere Aspekt nicht minder bemerkenswert: Die starke Präsenz der Bürgerschaft und die Art, wie sie sich vor Ort darstellte. So wurde mehrfach aus dem Saal heraus die gewachsene Beteiligungskultur im Stadtbezirk hervorgehoben und weiter eingefordert, mit der Initiative „Olga-Areal 2012“ als Meilenstein, bis hin zur Neugestaltung des Bismarckplatzes, die ein Beitrag „hervorragend und beispielhaft“ nannte, verbunden mit einem Lob an die Stadtspitze. Und weil dieser Beitrag ganz am Schluss kam, klang er mit Blick auf den Verlauf des Abends auch fast wie eine Art Kommentar dazu.

Engagiert vorgetragene Wortmeldungen

Die Einwohnerversammlung jedenfalls wirkte mit den eminent vielen, auch gut vorbereiteten und engagiert vorgetragenen Wortmeldungen und kritischen Interventionen der Bürgerinnen und Bürger selbst wie ein Bild für die Selbstverständlichkeit der Einmischung ins Stadtgeschehen – und im zivilisierten Wechsel zwischen Podium und Plenum wie ein starkes Stück ganz normaler, ziviler städtischer Diskussionskultur. Just deren Selbstverständlichkeit fand eine Frau beim Hinausgehen „bemerkenswert“. Sie fügte hinzu: „In diesen verrückten Zeiten sollte man das einmal betonen, denn das ist ein Wert an sich. Den müssen wir uns unbedingt erhalten.“

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