Exotische Pflanzenarten in Stuttgart Warum Bambus der Stadt großen Ärger macht

Hier ist zu viel Bambus im Zuffenhausener Stadtpark Foto: Stadt Stuttgart 5 Bilder
Hier ist zu viel Bambus im Zuffenhausener Stadtpark Foto: Stadt Stuttgart

Das Gartenamt mäht künftig sechs Mal im Jahr im Zuffenhausener Stadtpark Bambuspflanzen, die den heimischen Pflanzenwuchs bedrohen. Doch der Bambus ist nicht die einzige Problempflanze.

Lokales: Armin Friedl (dl)
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Stuttgart - Am liebsten mögen die Pandabären bekanntlich den Bambus. Aber wie viele Pandas leben in Stuttgarts Wälder und Auen? – Bambus gibt es dort jedenfalls reichlich. So viel jedenfalls, dass das städtische Gartenamt jetzt zu einer Gegenmaßnahme greift: Jährlich sechs Mal wird künftig ausgerückt zum Bambus mähen. Ein Schwerpunkt in Sachen Bambuswuchs ist da übrigens der Zuffenhausener Stadtpark.

„Im Zuffenhausener Stadtpark hat sich der Bambus über die Jahre beträchtlich ausgebreitet und beeinträchtigt Vorkommen von zweiblättrigem Blaustern und breitblättriger Stendelwurz. Blausterne sind gerade jetzt eine wichtige Bienenweide. Das Überwachsen durch den Bambus führt zum Verschwinden der Pflanze“, erklärt das Gartenamt: „Die Beseitigung des Bambusses ist daher aus Forst- und Naturschutzgesichtspunkten notwendig. Auf den Einsatz von Herbiziden wird bewusst verzichtet, auch wenn dadurch höhere Kosten entstehen.“

Grüngut kostenlos abgeben

Eigentlich wären solche Einsätze nicht notwendig, denn für Grüngut-Abfälle gibt es städtische Kompostieranlagen, Häckselplätze, Wertstoffhöfe und die Biomüll-Tonnen. Das wäre ein einfacher und kostengünstiger Weg, um die heimische Pflanzenwelt zu schonen.

Doch die Realität sieht anders aus, auch die drohende Geldbuße von bis zu 1500 Euro bei illegal entsorgten pflanzlichen Abfällen reicht offensichtlich nicht als Abschreckung. Deshalb muss das Gartenamt bedauernd feststellen: „Schwerpunktmäßig finden wir Ablagerungen vor allem dort, wo Waldränder gut erreichbar sind und zugleich ein gewisser Sichtschutz gegeben ist.“ Deshalb muss es unter anderem zu Abholzaktionen greifen, nicht nur im Zuffenhausener Stadtpark, sondern auch im Bürgerwald.

Geißblatt und Knöterich

Bambus ist da nicht die einzige Problempflanze. Annette Hasselwander, Sprecherin des Gartenamts, nennt noch den japanischen und den Sachalin-Staudenknöterich oder Henrys Geißblatt, eine asiatische Schlingpflanze, die in der Stadt hier häufig vorkommen. Für diese hat die Fachwelt den Begriff Neophyten parat. Damit sind Pflanzen gemeint, die in einer Region heimisch geworden sind und sich dort ausbreiten, aus der sie ursprünglich nicht stammen. Alle anderen sind Archäophyten. Und welche Pflanze nun zur einen oder zur anderen Sorte gehört, dafür gibt es ein konkretes Unterscheidungsjahr: 1492. Oder noch konkreter: Der Tag in diesem Jahr, an dem Kolumbus erstmals amerikanischen Boden betreten hat. Oder jenen Tag, an dem Kolumbus erstmals wieder heimischen Boden betreten hat mit vielen Kulturzeugnissen aus einem bis dato fremden Kontinent im Reisegepäck.

Seitdem werden Neophyten entweder importiert meist als Zierpflanzen oder sie reisen heute mit im großen globalen Güter- und Containerverkehr. Inzwischen sind es auch die vielen Pflanzen, die vor allem aus ästhetischen Aspekten selbst in Discountern angeboten werden. Wer sich da im Sinne der heimischen Pflanzenwelt verhalten will, muss sich schlau machen. Auch die Fachleute haben da keine Faustregeln parat. Hasselwander: „Wenn Verbraucher sicher gehen wollen, dass sie nur heimische Pflanzen für ihre Wohnungen und Gärten kaufen und anpflanzen, helfen Bestimmungsbücher weiter. Oder Apps. Oder der Gang zu einem Fachhändler.“

Die meisten Pflanzen sind harmlos

Die meisten Neophyten schaffen es übrigens nicht, sich hier durchzusetzen, sind in der Regel auch harmlos. Einige wenige aber breiten sich massiv aus und erobern schnell beachtliche Areale. Deutschlandweit zählen die Biologen heute 393 fest eingebürgerte Pflanzenarten, weitere 51 gelten als sehr lokal eingebürgert. Bei einigen weiteren wie der Nachtkerze ist die Einschätzung nicht einheitlich.

Auf Landesebene wird pragmatisch festgestellt: „Eine Reihe von invasiven Arten sind weit verbreitet und lassen sich nicht mehr beseitigen. Diese Arten wie das indische Springkraut werden nur noch gezielt in Schutzgebieten bekämpft, insbesondere wenn sie dort auf naturschutzfachlich wertvollen Flächen wachsen.“ Deshalb werden solche Pflanzenarten individuell bewertet: „Bislang wurden solche Pflanzen von der Naturschutzverwaltung dort bekämpft, wo sie einheimische, seltene Arten verdrängen, insbesondere in Naturschutzgebieten. Die Ambrosia etwa stellt kein Problem im Sinne des Verdrängens von Arten dar, ist jedoch wegen ihres hohen allergieauslösendenden Potenzials ein Gesundheitsproblem. Deshalb wird auch diese Art gezielt bekämpft.“

Eine EU-Verordnung mit vielen Merkblättern

Was im Einzelnen zu tun ist, wird von einer EU-weiten Verordnung geregelt, die am 1. Januar 2015 in Kraft getreten ist. Dazu gibt es ein Dutzend Merkblätter zu einzelnen Arten, sowohl Pflanzen als auch von entsprechenden Tieren. Hier wird ausführlich dargestellt, welche Vorgehensweisen gegen welche Spezies zu empfehlen sind. „Bei der Umsetzung dieser Maßnahmen müssen die naturschutzfachliche Notwendigkeit, Erfolgsaussichten, der Ressourcenumfang und das Kosten-Nutzen-Verhältnis beachtet werden.“

Da gibt es aber auch noch den grundsätzlichen Blick auf die Dinge: Die Natur, wie sie uns umgibt, ist hier ganz prinzipiell durch Menschenhand erstanden. Ob Gebiete genutzt werden oder nicht mehr – so entstehen unter anderem schützenswerte Biotope, etwa eine blühende Wiese oder eine Wacholderheide.

Zurück nach Stuttgart: Das Traubenkraut Ambrosia wird hier nicht als Problem gesehen, da es hier weniger im Wald vorkommt, sondern eher an Straßenrändern, Kiesgruben oder Bahndämmen. Anders ist es beim Riesen-Bärenklau, der dem heimischen Wiesen-Bärenklau ähnelt, im Gegensatz dazu aber giftig ist. Und die Schlingpflanze Henrys Geißblatt, die sowohl Baumstämme mit einem dichten Geflecht umgibt als auch den Bodenwuchs verhindert mit ihrem Lianenbewuchs. „Beide wurden und werden bekämpft“, so Hasselwander vom Gartenamt, konkrete Einsätze gibt es dazu derzeit aber nicht. Mit einmal Mähen ist meist nicht getan, Erfolgskontrollen sind notwendig oft über mehrere Jahre hinweg.




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