Fantasyserie: „His dark Materials“ Immer Ärger mit diesen fantastischen Tierwesen

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Zwischen „Harry Potter“, Steampunk und Religionskritik: Philip Pullmans widerspenstiges, magisches Epos „His dark Materials“ startet jetzt als TV-Serie bei Sky.

Lyra (Dafne Keen) begutachtet zusammen mit ihrem Dæmon Pantalaimon den Goldenen Kompass, den ihr der Rektor des Jordan College in Oxford geschenkt hat. Foto: HBO/Sky 9 Bilder
Lyra (Dafne Keen) begutachtet zusammen mit ihrem Dæmon Pantalaimon den Goldenen Kompass, den ihr der Rektor des Jordan College in Oxford geschenkt hat. Foto: HBO/Sky

Stuttgart - Fantasie halten alle für eine tolle Sache. Aber nur, solange sie sich zu benehmen weiß. Solange sie nicht alles durcheinanderbringt. Solange sie sich damit zufriedengibt, sich auf dem Kinderspielplatz auszutoben und die Welt der Erwachsenen in Ruhe zu lassen. Weil fantastische Ideen immer auch die bestehende Ordnung herausfordern, sind sie gefährlich. Erst recht, wenn sie behaupten, wissenschaftlich begründet zu sein. Das bekam schon Nikolaus Kopernikus zu spüren, der Anfang des 16. Jahrhunderts auf die verrückte Idee kam, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Universums sei. Das musste Galileo Galilei lernen, der im 17. Jahrhundert so tollkühn war zu glauben, dass eine experimentelle Naturwissenschaft und kirchlicher Glaube kein Widerspruch sein müssen. Und das erfuhr Charles Darwin, der die fantastische Behauptung aufstellte, dass der Mensch vom Affen abstammt.

Eine Steampunk-Parallelwelt

In Philip Pullmans Fantasy-Romanreihe „His dark Materials“, die von diesem Montag an als TV-Serie bei Sky zu sehen ist, heißt der Verwandte von Kopernikus, Galilei und Darwin Lord Asriel Belacqua (James McAvoy). Er ist ein zum Größenwahn neigender Forscher, der ein kosmisches Phänomen namens Staub untersucht und dabei ein Tor zu einer anderen Welt entdeckt und sich damit mit der allmächtigen orthodoxen Kirche anlegt.

Eine der hinterhältigsten Ideen, die Philip Pullman in die drei „His dark Materials“-Bücher gepackt hat, ist die, dass er aus einer fantastischen Welt erzählt, die jede Form von Fantasie unterdrückt und als Blasphemie verurteilt, wenn sie nicht in das bestehende Weltbild passt. „Der Goldene Kompass“, „Das Magische Messer“ und „Das Bernstein-Teleskop“ spielen in einer Steampunk-Parallelwelt, in der jeder Mensch einen tierischen Begleiter und Seelenverwandten hat, einen sogenannten Dæmon, der seine Gestalt wechseln kann und erst nach der Pubertät seine feste Form findet – etwa als Tiger, Falke oder Affe. Die zwölfjährige Lyra (Dafne Keen), die als Kleinkind von Lord Asriel nach Oxford gebracht wurde, wird von dem Dæmon Pantalaimon begleitet, der die meiste Zeit die Gestalt eines Frettchens annimmt. Lyra träumt davon, mit Lord Asriel die Welt zu erkunden. Doch stattdessen wird sie von der kühlen Mrs. Coulter (Ruth Wilson) nach London gebracht, wo sie lernen soll, sich zu benehmen.

Dæmonen und Gobbler, Hexen und Geister

Wie Lord Asriel, der sich mit seiner Forschung in klerikalen Kreisen unbeliebt macht und sich den Vorwurf der Ketzerei einhandelt, hat auch der britische Autor Philip Pullman reaktionäre religiöse Kreise mit seinen Büchern gegen sich aufgebracht. Die katholische Liga der USA rief 2007 zum Boykott des Films „Der Goldene Kompass“ auf, der Adaption des ersten Bands der „His dark Materials“-Trilogie: Er könnte Menschen dazu bringen, die antireligiösen Bücher des Autors zu lesen, der die Romanreihe als humanistischen Gegenentwurf zu C. S. Lewis’ von christlicher Mythologie durchdrungenen „Chroniken von Narnia“ versteht.

Zumindest in den USA war die 180 Millionen Dollar teure Produktion mit Nicole Kidman und Daniel Craig in Hauptrollen, die sich eigentlich an den Kinokassen mit „Harry Potter“ anlegen sollte, ein Flop.

Vielleicht lag es am Boykottaufruf. Es könnte aber auch damit zu tun haben, dass die Welt, in die uns die Geschichte zerrt, sehr verwirrend, widerspenstig und trotz der vielen Tierwesen überhaupt nicht flauschig-kuschelig ist. Neben den Dæmonen gibt es eben auch das Magisterium, das alles Geistliche überwacht, das reisende Volk der Gypter, die Gobbler, die Kinder entführen, Hexen. Geister und Panzerbären. „His dark Materials“ macht es einem auch als TV-Serie nicht leicht. Es dauert zwei bis drei Episoden, bis man sich in dieser magischen Welt zurechtfindet. Doch es lohnt sich unbedingt, diesen unbequemen Fantasien eine Chance zu geben.

Die Fantasy-Reihe „His dark Materials“

Autor Der Brite Philip Pullman wurde 1946 geboren. Er studierte Anglistik in Oxford und hat neben „His dark Materials“ einige weitere Romane und Kinderbücher geschrieben.

Buch Die Trilogie „His dark Materials“ erschien zwischen 1995 und 2000. Die drei Bände „Der Goldene Kompass“, „Das Magische Messer“ und „Das Bernstein-Teleskop“ haben sich bisher 15 Millionen Mal verkauft. Eine Trilogie, die Pullman 2017 begonnen hat, erzählt, was vor und nach dem Originalromanen passiert ist.

Film 2007 kam „Der Goldene Kompass“, die Verfilmung des ersten Teils, ins Kino. Nachdem der Film vor allem in den USA floppte, wurden Teil zwei und drei nicht mehr umgesetzt.

TV-Serie Den Achtteiler „His dark Materials“ zeigt Sky von Montag, 25. November, an wöchentlich gegen 21.10 Uhr. Zudem ist die von der britischen BBC und dem US-Bezahlsender HBO produzierte Serie auf Abruf verfügbar.