FC Bayern München Wird Trainer Carlo Ancelotti entlassen?

Von red/sid 

Das 0:3 in der UEFA Champions League bei Paris St. Germain war womöglich des Schlechten zuviel: Nun hat der FC Bayern München eine Krisensitzung einberufen – Trainer Carlo Ancelotti droht die Entlassung.

Carlo Ancelotti ist nicht mehr Trainer des FC Bayern München. Foto: AP
Carlo Ancelotti ist nicht mehr Trainer des FC Bayern München. Foto: AP

München - Nach der Schmach von Paris und der Ankunft am Flughafen München ging Carlo Ancelotti scheinbar unbeeindruckt zum Bus, der vor dem Terminal auf ihn und die Mannschaft wartete. Auf Fragen zu seiner Zukunft als Trainer des FC Bayern brummte er nur: „Kein Kommentar.“ Eine vielsagende Äußerung - unmittelbar vor einer Krisensitzung der Verantwortlichen, die für den Nachmittag anberaumt war.

Noch vor der Landung der Münchner machten Gerüchte die Runde, Ancelotti werde noch am Donnerstag abgelöst und vorerst durch seinen Assistenten Willy Sagnol ersetzt werden. Am Samstag ist der FC Bayern bei Hertha BSC zu Gast, danach ist Länderspielpause. Als Kandidat für die Zukunft gilt in München Julian Nagelsmann, doch nun wird für eine längerfristige Nachfolge bereits Thomas Tuchel gehandelt - er wohnt in München, Nagelsmann baut dort gerade.

Mit seiner Taktik und Aufstellung beim 0:3 (0:2) in Paris hatte Ancelotti die Zweifel an seiner Arbeit dramatisch verstärkt. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge konnte seinen ganzen Frust und seine Wut kaum verbergen, als er beim Bankett im noblen L’Hotel du Collectionneur mit schneidender Stimme zu den Ehrengästen, aber selbstverständlich auch zur Mannschaft und zu Ancelotti sprach. „Es war“, sagte Rummenigge in seiner kurzen Rede, „eine ganz bittere Niederlage, eine Niederlage, die es zu analysieren gilt, nach der wir auch Klartext reden und Konsequenzen ziehen müssen. Denn das, was wir gesehen haben, war nicht Bayern München.“

Ancelottis Aufstellung sorgt für Unmut

Ancelotti saß zu mitternächtlicher Stunde am Vorstandstisch direkt daneben, kaute mit betretener Miene auf einem Stück Brot herum und nippte an seinem Wein. Der Italiener (58) dürfte sich nach der Demütigung durch die überragenden Millionen-Stars Neymar und Kylian Mbappe von Rummenigge angesprochen gefühlt haben, nachdem er sich mit seiner „Harakiri“-Aufstellung völlig verzockt und wichtige Spieler wie Mats Hummels, Arjen Robben oder Franck Ribery damit wohl nachhaltig verärgert hatte. Zumal er sie angeblich vorab nicht über seine Pläne informierte.

Der FC Bayern habe einen „historischen Schlag auf den Hintern“ eingesteckt, schrieb Le Parisien. Ancelotti steht ein heißer Herbst bevor - sofern er ihn überhaupt als Bayern-Trainer erlebt. Sollte er vorerst bleiben dürfen, wäre er zum Siegen verdammt - nicht nur in der Champions League. Das machte Rummenigge deutlich. Es sei wichtig, „dass wir schnell wieder die Kurve kriegen und uns als Bayern München präsentieren und dann eben auch zeigen, dass wir eine Mannschaft sind, die in Europa, aber auch national für Furore gesorgt hat“.

Die Zweifel der Verantwortlichen an Ancelotti aber sind allem Anschein nach groß. Zu eklatant waren die Unterschiede im Duell gegen das mit Scheich-Milliarden finanzierte PSG. Und umso tiefer saß der Stachel, dass es ausgerechnet der neureiche französische Vizemeister war, der neue Lieblingsfeind der Münchner, der ihnen deutlich vor Augen führte, wie weit sie derzeit vom europäischen Fußball-Thron entfernt sind. Anstatt mit einer runderneuten Mannschaft und einem neuem 4-3-2-1-System Paroli bieten zu können, wurden den überforderten Bayern schonungslos die Grenzen aufgezeigt.

Schlechte Stimmung im Bayern-Kader

Gegen Neymar und Mbappe sahen Arturo Vidal, Niklas Süle oder David Alaba wie Schulbuben aus. Hummels, Ribery und Robben (bis zur 68. Minute) saßen derweil auf der Bank, Jerome Boateng sogar nur auf der Tribüne. Die Spieler bissen sich anschließend auf die Zunge, hielten sich mit offener Kritik an Ancelotti zurück. „Es ist besser, wenn ich dazu nichts sage. Ich muss erst darüber nachdenken“, sagte Ribery am Donnerstag. „Das Wichtigste ist, dass wir jetzt als Mannschaft zusammenhalten. Wir brauchen Ruhe. Jeder, der jetzt seine Unzufriedenheit nach außen trägt, hilft der Mannschaft nicht“, meinte Robben.

Die Gründe für das Debakel waren schnell gefunden. Vor allem das frühe 0:1 durch Dani Alves (2.) habe den PSG-Weltklassespielern in die Karten gespielt, meinte Robben. Thomas Müller vermisste „Mut“. Joshua Kimmich sprach von fehlender Körperspannung, die Edinson Cavani (31.) und Neymar (63.) zu weiteren Treffern nutzten. Dass seine Aufstellung zu riskant gewesen sei, schloss Ancelotti aus. Er „bedauere nichts“.




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