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Ferienhaus Weit weg, aber wie zu Hause

Von Gabriele Kiunke 

Urlaub im Ferienhaus wird immer beliebter, doch Ansprüche steigen. Mehr als der Preis zählen inzwischen ansprechende Fotos im Internet.

Ob Reetdachhaus in Westjütland, Gutshof in Istrien oder eine Finca auf Mallorca - die Auswahl an Ferienhäusern ist so riesig wie nie. Die großen Internetportale wie Fewo- direkt oder Casamundo haben in den vergangenen Jahren ihr Angebot kräftig ausgebaut. Rund 670 000 Objekte weltweit stehen heute allein bei Fewo-direkt zur Auswahl. Das Unternehmen war 1997 von der Berliner Betriebswirtin Kerstin Führer gegründet worden, als erstes dieser Art in Deutschland. Mit 80 Testobjekten in zehn Ländern. 18 Jahre später, 2005, schluckte die amerikanische Homeaway-Gruppe das Portal.

Sie ist in 68 Ländern vertreten und bezeichnet sich als weltweit größtes Vermarktungsunternehmen für Ferienresidenzen. Auch Casamundo steigerte sein Angebot erheblich: in den vergangenen fünf Jahren um rund 100 000 Objekte auf jetzt über 300 000 weltweit. Erfolgreich auf Europa spezialisiert hat sich Novasol. Die Zahl seiner Domizile erhöhte sich seit 2010 um 20 Prozent auf jetzt 33 000. Das schlichte Ferienhäuschen mit Stockbetten und Kochplatte war gestern - heute hat es der Urlauber gern luxuriös und komfortabel. „Das Angebot hat in den letzten Jahren einen deutlichen Qualitätssprung erfahren“, sagt Fewo-direkt-Geschäftsführer Tobias Wann.

Besonders gefragt sind Chalets mit zwei Schlafzimmern

Ein Grund dafür sind die gestiegenen Ansprüche der Urlauber. Für weit mehr als die Hälfte ist die Optik inzwischen wichtiger als der Mietpreis, so das Ergebnis einer Befragung von Fewo-direkt. Besonders gefragt sind Chalets mit zwei Schlafzimmern, einer voll ausgestatteten Küche und Internetanschluss. Ebenso geschätzt werden eine liebevolle Gestaltung und Zusatzleistungen wie Brötchen- und Einkaufsservice. In der Nebensaison punkten Vermieter, die auch eine luxuriöse Wohlfühlausstattung anbieten wie Kaminofen, Sauna oder Whirlpool. Auch an ausgefallenen Unterkünften herrscht kein Mangel. Vom Hausboot bis zum Baumhaus ist alles buchbar.

Es gibt komplette Schlösser, restaurierte Windmühlen, Landhäuser mitten im Weinberg oder exklusive Design-Villen. In „Spezial-Kollektionen“ finden zudem Angler, Reisende mit Haustier, preisbewusste Familien oder große Gruppen eine genau auf sie zugeschnittene Auswahl. Sehr angenehm: Viele Objekte sind nicht nur für die klassische Ferienhauswoche, sondern auch für einen Kurzurlaub buchbar. Wer sich für eine Finca oder eine Villa entscheidet, will vor allem eines: sich auch im Urlaub „wie zu Hause“ fühlen - an einem schönen, überschaubaren Ort, der Gemütlichkeit, Vertrautheit und Harmonie verspricht. Diese Bedürfnisse sehen die meisten eher in einer Wohnung auf Zeit als in einem Hotel erfüllt. Und weil man unabhängig ist von Essenszeiten und Zimmerservice, wird der Alltag im Ferienhaus auch als unkomplizierter empfunden. Argumente, die vor allem Familien zu einer Hauptzielgruppe dieser Urlaubsform machen.

Für sie spielt auch eine Rolle, dass man durch die Selbstversorgung am Urlaubsbudget sparen kann. Doch auch immer mehr sogenannte Best Ager bevorzugen Haus statt Hotel. „Der Anteil der Ferienhausurlauber über 50 hat in den letzten fünf Jahren deutlich zugenommen“, so Wann. Wie kann der Urlauber aber sicher sein, dass sein Wunschdomizil hält, was es verspricht? In Deutschland gibt es mit den Sternen des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) ein unabhängiges Gütesiegel. Dafür müssen Vermieter ihr Domizil einer Überprüfung durch einen DTV-Gutachter unterziehen. Über 60 000 Ferienhäuser und -wohnungen in Deutschland tragen eine solche Auszeichnung.

Bis zu fünf Sterne sind möglich, fast 90 Prozent der Objekte haben drei oder vier Sterne. Der Vorteil: Wer eine Vier-Sterne-Wohnung bucht, kann also sicher sein, dass die Ausstattung einen gewissen Standard erfüllt. Zwingend sind beispielsweise eine Stereoanlage, eine Spülmaschine, getrennte Wohn- und Schlafzimmer. Bei fünf Sternen müssen zudem eine Waschmaschine und ein fest installierter Safe vorhanden sein. Doch solche Vorgaben stoßen auch auf Kritik. „Die regionalen Besonderheiten werden in dem DTV-Katalog nicht berücksichtigt“, kritisiert DTV-Prüferin Sabine Bauder aus Ihringen/Kaiserstuhl, die auch Leiterin der örtlichen Tourist-Info ist. Im Kaiserstuhl gebe es viele Winzerhöfe mit schönen Innenhöfen. Doch wenn eine Ferienwohnung sich zum Innenhof ausrichte, führe das zu Minuspunkten.

Für fragwürdig hält Bauder auch, dass eine separate Küche höher bewertet werde als eine offene. „Dabei sind offene Küchen heute doch viel beliebter.“ Um regionale und nationale Besonderheiten stärker zu berücksichtigen, hat Novasol deshalb eine eigene Sterne-Klassifizierung entwickelt. „Eine einheitliche Klassifizierung in ganz Europa würden den Gästeansprüchen nicht Rechnung tragen, denn die Erwartungen an ein Ferienhaus sind von Land zu Land sehr verschieden“, so Novasol-Geschäftsleiter Kai-Uwe Finger. In Dänemark legt kaum jemand Wert auf eine Klimaanlage, in Frankreich dagegen schon.

„Wer keine Sterne hat, muss sich durch andere Dinge hervorheben“

Doch spielen Sterne bei der Wahl des Urlauschalets wirklich eine so große Rolle? „Ich kenne keinen, der sich nach Sternen richtet“, sagt Tilo Boy, Fachmann für Ferienimmobilien und Vermieter von Ferienwohnungen. Über seine Erfahrungen schreibt er in einem Blog (www.erfolg-mit-ferienwohnungen.de). „Zwei oder drei Sterne bringen gar nichts, denn damit setzt man sich nicht von Wettbewerbern ab“, so seine Beobachtung. Investieren, nur um vier oder fünf Sterne zu erhalten, sei jedoch sehr teuer. Sein Tipp: „Wer keine Sterne hat, muss sich durch andere Dinge wie einen guten Internetauftritt mit aussagekräftigen Fotos hervorheben.“

Eine umfangreiche Fotogalerie in guter Qualität hält auch Fewo-Geschäftsführer Wann für entscheidender als eine Sterne-Auszeichnung. Nur ein Bruchteil der Mietobjekte sei bei ihnen zertifiziert. Seiner Ansicht nach zählen für die Kunden neben Fotos vor allem die Bewertungen anderer Urlauber: „Wir haben rund zwei Millionen Bewertungen, das ist eine gigantische Quelle.“ Beliebtestes Reiseland für Ferienhausurlauber ist laut der Homeway-Studie Deutschland. Ein Drittel buchte 2012 ein Objekt im Inland. Beliebteste Regionen sind Ost- und Nordsee. Für deutsche Vermieter könne sich die Sterne-Auszeichnung deshalb lohnen, findet Sabine Bauder. „Der Deutschland-Tourismus kann sich nur über Qualität verkaufen.“ Das DTV-Gütesiegel gebe den Vermietern Orientierung für eine zeitgemäße Einrichtung und sorge dafür, dass die Ausstattung auch regelmäßig erneuert werde. Unter den Top-5-Destinationen in Europa rangiert Spanien auf Platz zwei, gefolgt von Italien und Frankreich. Im Aufwind befinden sich Kroatien und Mallorca.

Als einziges Fernreiseziel entwickelt sich Florida immer mehr zu einer beliebten Destination für Ferienhausurlauber. Aber auch für einen Städtetrip schätzen immer mehr Reisende laut Fewo-direkt-Studie den Komfort einer Ferienwohnung. Das kommt Plattformen wie Wimdu, Airbn und Housetrip zugute, deren Schwerpunkt auf der Vermittlung einer privaten Unterkunft liegt. Sie haben in wenigen Jahren einen enormen Zulauf bekommen. Auf Wimdu, im März 2011 gegründet, finden sich inzwischen mehr als 300 000 Unterkünfte in 100 Ländern. Ähnlich erfolgreich ist auch Housetrip. Die Plattform hat in den vergangenen vier Jahren ihr Wachstum jedes Jahr verdrei- oder vervierfacht. Rund 260 000 Objekte werden dort vermittelt. Da viele Vermieter allerdings auf mehreren Plattformen inserieren, finden sich manche Angebote mehrmals.

Dass Privatleute ihre eigenen vier Wände an Touristen untervermieten, wird in den großen Städten, wo Wohnraum eh knapp ist, ungern gesehen. Nach Angaben von Housetrip wird in Montreal, Malta und Vancouver diskutiert, die kurzzeitige Vermietung zu verbieten. Die Franzosen wollen speziell der Vermietung von Privatwohnungen an Touristen per Gesetz einen Riegel vorschieben. Amsterdam zeigt dagegen, dass es auch anders geht: Die Stadt hat einen Spezialisten eingestellt, der die Vermietung von Privateigentum lizenziert und reguliert, so dass durch zusätzliche Steuereinnahmen sowohl die Besucher als auch die Einwohner profitieren.

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