Ferienprogramm in Reichenbach Hilfssheriffs jagen Pferdedieb

Von Julia Theermann 

Die Ganztagesschule (GTS) in Reichenbach hat im Corona-Sommer gleich drei Ferienprogramme gestartet. In der letzten Ferienwoche halfen die Kinder Sheriff Louis bei der Jagd auf einen Pferdedieb.

Die Rancherin erstattet Anzeige beim Sheriff. Foto: Ines Rudel 4 Bilder
Die Rancherin erstattet Anzeige beim Sheriff. Foto: Ines Rudel

Reichenbach - Kaum haben die 35 Teilnehmer des Ferienprogramms den Klassenraum der Ganztagesschule Reichenbach (GTS) betreten, bemerken sie einen Sheriff, der mit hochgelegten Füßen und dem Cowboyhut im Gesicht zu schlafen scheint. Nachdem die Jungen und Mädchen sich gesetzt haben, führt Schulleiterin Elke Stockburger in das Thema der Woche ein: der Wilde Westen. Unterbrochen wird sie dabei nach kurzer Zeit von einer jungen Frau, die – in Flanellhemd, Latzhosen und Hut gekleidet und mit einer Mistgabel in der Hand – ins Klassenzimmer stürzt. „Meine Pferde sind weg“, ruft sie aufgebracht und weckt damit auch den Sheriff auf. Der nimmt den Tathergang und die Täterbeschreibung auf. Der Nachbar der Rancherin, vermutet diese, soll der fiese Halunke sein, der ihre Pferde gestohlen hat. Am Vortag habe man sich noch gestritten. Der Sheriff soll die Tiere wieder auftreiben und den Gauner dingfest machen.

„Aber das schaffe ich unmöglich alleine“, sagt er. Kurzerhand schlägt er vor, die Kinder zu Hilfssheriffs auszubilden, die ihm dabei helfen können, die vermissten Pferde zu finden. In sechs Gruppen müssen die Jungen und Mädchen in den kommenden zwei Tagen zahlreiche Prüfungen bestehen. Beim Cowboy-Roulette, Pferdepuzzle, Pferdequiz und bei weiteren Geschicklichkeits- und Wissensspielen können die Kinder sich beweisen. Dabei kommt es weniger auf die Leistungen des Einzelnen an – wichtiger ist die Zusammenarbeit in der Gruppe. Die angehenden Hilfssheriffs stammen allesamt aus Reichenbach, die Ältesten kommen am Montag in die vierte Klasse. Andere kommen in diesem Jahr erst in die Schule. „Es ist sinnvoll, die Schulanfänger bei dem Programm anzumelden, damit sie die Schule schon kennenlernen können“, sagt die Schulleiterin. Im Schulalltag könne man sich nicht so viel Zeit für den Einzelnen nehmen wie im Ferienprogramm.

„Kinder sind vom Rollenspiel verzaubert“

In diesem Corona-Sommer hat die GTS gleich drei Sommerferienprogramme mit einer Dauer von insgesamt dreieinhalb Wochen organisiert. Normalerweise gibt es an der Schule zwei Programme. „Wir haben einfach gemerkt, dass viele Eltern ihren Urlaub schon in der Zeit verbraucht haben, in der die Schulen geschlossen waren“, begründet Stockburger die Entscheidung. In den ersten eineinhalb Wochen ging es unter dem Thema „Und das Rad dreht sich“ schwerpunktmäßig um das Thema Automobilität. Aber auch andere Räder – zum Beispiel Wasser- oder Mühlräder – wurden behandelt. 25 Kinder haben dabei mitgemacht. Das eingeschobene Corona-Programm in der vorletzten Ferienwoche stand unter dem Motto „Kids’ Time“. Kreativangebote, Spiele, ein Kinotag, ein Quiz und ein Ausflug standen auf dem Programm.

Rancher und Sheriff sind in Wirklichkeit als FSJler oder Jugendbegleiter am Ferienprogramm beteiligt. Aber in diesem Moment ist das unwichtig. „Der Sheriff bleibt für die Kinder die ganze Woche der Sheriff. Sie werden von dem Rollenspiel verzaubert und lassen sich ganz konzentriert auf die andere Situation ein“, erklärt Stockburger. Das Wildwest-Rollenspiel geht über fünf Tage. An den ersten beiden Tagen stehen die Hilfssheriff-Prüfungen. An einem Kinotag schauen die Kinder am dritten Tag einen Lucky-Luke-Film. Am Donnerstag und Freitag geht es dann für je die Hälfte der Gruppe auf den Pferdehof Reichenbach. „Bei der Planung des Ferienprogramms war es die größte Herausforderung, ein Ausflugsziel zu finden, wo man aktuell mit so vielen Kindern hinfahren kann“, sagt die Schulleiterin. Die gestohlenen Pferde werden am Ende des zweiten Tages wieder auftauchen.




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