„Feuriger Elias“ in Weissach Ein seltener Blick hinter die Kulissen

Von Stefanie Keinath-Berk 

Nicht nur Kinder zeigen sich begeistert beim Tag der offenen Lokschuppentür des „Feurigen Elias“ in Weissach.

Nostalgie pur – das freut Groß und Klein. Foto: factum/Jürgen Bach 14 Bilder
Nostalgie pur – das freut Groß und Klein. Foto: factum/Jürgen Bach

Weissach - Ein 50 Tonnen Stahlkoloss, eingehüllt in Dampf und Rauch. Ein schriller, durchdringender und lang anhaltender Pfeifton durchschneidet die Luft und schnaubend setzt sich das schwarze Ungeheuer mit dem Namen „Feuriger Elias“ in Bewegung. Im Stakkato ratternd, bahnt sich die Lok 16 ihren Weg über die Schienen.

Eigentlich eine ökologische Katastrophe, was der „Feurige Elias“ da an Feinstaub rausbläst, aber es sei ihm verziehen. Zu faszinierend ist der Museumszug und zu wichtig in der lebendigen Geschichte der Industriedenkmäler.

Viele neugierige Besucher hatten sich in Weissach eingefunden. Nicht nur, um mit der historischen Lok zu fahren, ­sondern auch, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Die Gesellschaft zur Erhaltung von Schienenfahrzeugen – kurz GES – lud zur offenen Lokschuppentür ein. Eine ausgezeichnete Gelegenheit, den sonst für die Öffentlichkeit nicht zugäng­lichen Lokschuppen zu inspizieren.

Mehrere Kirchenbänken im Lokschuppen?

Mit den vielen Kirchenbänken in dem Schuppen hätten jedoch wohl die wenigsten gerechnet. Da die Weissacher Kirche momentan renoviert wird, ist dieses ­Mysterium allerdings schnell geklärt. Zu den Bänken gesellen sich eine alte Feuerwehrleiter und etliche ältere landwirtschaftliche Gerätschaften. „Keine Ahnung, wer die hier hereingestellt hat“, meint der Ditzinger Wolfgang Steiger. Er ist einer von den 30 bis 40 aktiven und ehrenamt­lichen Mitarbeitern der GES.

Der Lokschuppen birgt wirkliche Schätze. Eine ganz besondere Dampflok hat hier ihren sicheren Unterstand gefunden – die Margarete, benannt nach der Fürstin von Hohenzollern. 20 Tonnen bringt die zweiachsige Tenderlok aus dem Jahr 1920 auf die Schienen. Im Einsatz ­befand sie sich von 1921 bis 1976 bei den    Fürstlich Hohenzollerschen Hütten­werken im Laucherthal.

Neben der Lok 6 stehen noch etliche zwei- und und vierachsige Personenwagen und Güterwaggons sicher vor der Witterung geschützt in dem Schuppen. Diese haben teilweise 120 Jahre auf dem Buckel.

Die Personenwagen des „Sofazügles“, die auf der Strecke zwischen Nürtingen und Neuffen unterwegs waren, stehen ebenfalls im Lokschuppen. Zuletzt waren sie 2006 im Einsatz.

Die Frist, eine Art Tüv, ist abgelaufen und muss erst wieder erneuert werden. „Dazu muss das komplette Inventar ­herausgebaut und nach verfaultem Holz geschaut werden“, so Steiger. Viele Zwischenschritte sind für den Tüv notwendig. Die Bremsen müssen funktionieren, der Rahmen muss in Ordnung sein, das Fahrwerk vermessen werden und bei der Lok kommt sogar ein staatlich vereidigter Kesselprüfer zum Einsatz. Eine richtige Herkulesarbeit. Auf die Frage, ob die ­Waggons denn auch in diesem Lokschuppen restauriert werden, antwortet Steiger: „Wenn wir zu einem Abschluss kommen, diesen Standort beziehen zu können, dann wird hier auch gearbeitet und restauriert. Das hängt jedoch von den Finanzen und dem Verhandlungsgeschick mit der Gemeinde Weissach ab. Welches Modell dabei zum Tragen kommt, ist noch ungewiss. Im ­Gespräch sind unter anderem Erbpacht oder Kauf.“ Ziel ist es auf jeden Fall, dass bis Sommer eine Entscheidung getroffen wird.

Baden-Württemberg war schon immer eng mit der Bahn verbunden und hat die meisten Museumsbahnen in Deutschland. „Begründet ist es darin, dass wir zwei Wurzeln haben. Einmal die Königlich Württembergische und die Großherzoglich Badische Staatseisenbahnen. Eine Vielfalt von Lokomotiven wurde von Ingenieuren entwickelt, um möglichst viel Kraft auf die Schiene zu bringen, damit die Strecken über die Schwäbische Alb und den Schwarzwald bewältigt werden konnten. Dadurch ist die Geschichte der Eisenbahn in Baden-Württemberg so einmalig und interessant“, doziert Steiger.

Jeder Wagen musste einst separat gebremst werden

Voller Interesse wird auch das Bremserhäuschen begutachtet. Steiger erklärt, dass früher der Zug keine durchgehende Bremsleiter hatte. Jeder Wagen musste separat gebremst werden, sobald die Lok gepfiffen hat. Die Bremser waren dabei Wind und Wetter ausgesetzt. Unvorstellbar in der heutigen Zeit.

Sehr zur Freude der Besucher, stehen im Lokschuppen die meisten Personenwagen offen. Kleine Kinder rennen durch die relativ großzügigen Gänge der Waggons. Viele ältere Besucher schwelgen in Erinnerungen, wenn sie die hölzernen Bänke und eisenverzierte Halterungen der Kofferablagen sehen. Nostalgie pur.

Vereinsintern steht in der Diskussion die Befürchtung, dass bis Mai vielleicht ein Veranstaltungsverbot wegen des ­Corona-Virus kommen könnte. Die GES fällt unter den Begriff Touristik und wäre in diesem Fall massiv davon betroffen. Schließlich liegt deren Haupteinnahmequelle bei den Fahrgästen.

Auf die Frage, was ihn antreibt, meint Steiger augenzwinkernd, dass es wie ein Virus sei, das rollende Museum mit solch historischen Fahrzeugen am Leben zu ­erhalten und den Menschen zu zeigen, wie  die Großeltern damals gefahren seien.




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