Filder Alternativen zur jetzigen Landwirtschaft

Von Philipp Braitinger und  

Die Kommunen auf den Fildern wollen ein gemeinsames Projekt entwickeln. Die Ergebnisse werden bei der Internationalen Bauausstellung 2027 gezeigt. Die Ideen stoßen jedoch nicht nur auf Wohlgefallen.

Heute ist der Traktor das wichtigste Arbeitsgerät zur Bewirtschaftung der Felder, nicht nur auf den Fildern. Aber bleibt das auch in Zukunft so? Foto: Philipp Braitinger
Heute ist der Traktor das wichtigste Arbeitsgerät zur Bewirtschaftung der Felder, nicht nur auf den Fildern. Aber bleibt das auch in Zukunft so? Foto: Philipp Braitinger

Filder - Es ist eine schwierige Gemengelage, der sich die Filderkommunen schon seit Jahrzehnten stellen müssen. Neben der hohen Verkehrsbelastung sorgt der stetig wachsende Bedarf an neuen Gewerbe- und Wohnflächen immer wieder dafür, dass Äcker zu Bauland werden. Der Landwirtschaft werden dadurch die Produktionsflächen entzogen. Deshalb möchte der Kommunale Arbeitskreis Filder (Kaf) im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA) ein Projekt präsentieren, das Alternativen zur bisherigen Landwirtschaft vorstellt.

Worum geht es bei dem Projekt?

Es ist daran gedacht, entlang des Filderradwegs Stationen aufzubauen, an denen gezeigt wird, welche neuartigen Produktionsmethoden möglich wären. Dabei werden verschiedene Systeme präsentiert, die als ressourcenschonend gelten und auch widerstandsfähig gegenüber Starkregen und Hitze sind.

Als eine dieser alternativen Anbaumethoden gilt das sogenannte Vertical Farming, bei dem in Hochhäusern Gemüse und andere Früchte auf mehreren Stockwerken produziert werden. Der Vorteil dabei ist, dass Anbaufläche gespart wird. Außerdem kann auf Spritzmittel verzichtet werden – Der Wasserverbrauch wird offenbar um 90 Prozent gesenkt. Gleichzeitig wird aber viel Energie gebraucht, die nicht nur für künstliches Licht, sondern auch für Wärme sorgt und so die Sonne ersetzen soll.

An weiteren Stationen des Rundwegs sollen Permakulturen erklärt werden. Bei ihnen wird der ökologische Kreislauf zwischen Pflanzen und Tieren so ausgenutzt, dass Mischkulturen entstehen, die im Gegensatz zu Monokulturen schädlingsresistenter sind. Außerdem ist daran gedacht, an einer Station aufzuzeigen, wie die pflegebedürftigen Streuobstwiesen in Zukunft bewirtschaftet und dadurch erhalten werden können.

Was bringt das Projekt L.-E.?

Für die Erste Bürgermeisterin von Leinfelden-Echterdingen, Eva Noller, hat eine Teilnahme ihrer Stadt an dem Projekt gleich drei Vorteile, wie sie in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses erklärte. Erstens könnten die Ideen aus den Reallaboren ein wenig Druck aus der zunehmenden Flächenkonkurrenz nehmen. Zweitens sei es eine „tolle Chance“ als Kaf mit der benachbarten Uni Hohenheim zusammenzuarbeiten. Und drittens werde durch die Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen der interkommunale Zusammenhalt gestärkt.

Klar ist aber auch, dass für die Versuche Flächen benötigt werden. Die Stadt sei diesbezüglich aber bereits in Gesprächen mit örtlichen Landwirten, die sich eine Unterstützung der Versuche vorstellen könnten, versicherte die Bürgermeisterin. Direkte Kosten entstünden den beteiligten Kommunen Denkendorf, Filderstadt, L.-E., Neuhausen, Ostfildern, Steinenbronn und Stuttgart zunächst nicht. Für das Planerauswahlverfahren würden rund 30 000 Euro gebraucht, die aus der Kaf-Umlage finanziert würden.

Die Kosten für die Umsetzung könnten erst benannt werden, wenn die Projekte feststehen und durchgeplant sind. Über ein europäisches Förderprogramm sind zusammen mit der Uni Hohenheim 800 000 Euro dafür beantragt.

Was bringt das Projekt Filderstadt?

Auch die Bürgermeisterin von Filderstadt, Susanne Schreiber, ist voll des Lobes für das interkommunale Projekt. Sie möchte außerdem, dass die Landwirte frühzeitig in die Planung einbezogen werden. „Zusätzlich kann Filderstadt sich mit einem eigenen Projekt für die IBA bewerben“, sagte sie im Gemeinderat.

Dies kam dem Wunsch des SPD-Fraktionschefs Walter Bauer sehr entgegen. Er hält es weiterhin für wichtig, dass Firmen, die sich in Bernhausen und Sielmingen an der künftigen S-Bahnstrecke befinden, umgesiedelt werden. An deren Standorten könnten dann ökologische Wohnprojekte mit Anschluss an die S-Bahn entstehen. Eine Idee, die seiner Meinung nach auf der IBA präsentiert werden sollte.

Welche Kritik gibt es am Projekt?

Das IBA-Projekt des Kommunalen Arbeitskreises ist dem SPD-Fraktionschef dagegen zu realitätsfremd. „Das ist alles viel zu wolkig“, sagte er. Es sei widersinnig, für die jetzige Landwirtschaft, die auf sehr guten Böden arbeite, Alternativen zu suchen. Dies treffe insbesondere auf das Vertical Farming zu. Zum Glück seien die ursprünglich ebenfalls angedachten Grünbrücken über die Autobahn vom Tisch. Es gebe entlang der A 8 keine Anschlussmöglichkeiten an die Landschaft, sagte er. Filderstadt solle ein eigenes Projekt einreichen, zumal L.-E. und Ostfildern dies auch tun würden. Bei der Abstimmung im Gemeinderat votierten lediglich 17 Stadträte für das IBA-Projekt des Kaf, zehn sprachen sich dagegen aus, einer enthielt sich der Stimme.




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