Filmkritik: „Arrival“ Koexistenz statt Krieg der Welten

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Eine erste Irritation, der weitere folgen werden. Denn obwohl es auch um eine klassische Begegnung der dritten Art geht, liegt Villeneuves Schwerpunkt woanders. Kein „Krieg der Welten“, sondern eher „Contact“, keine „Starship Troopers“, sondern der Versuch friedlicher Koexistenz. Soweit der Plot. Im Subtext werden die wahren Themen abgehandelt: Verlust und Trauer, Vergangenheit und Zukunft, Kommunikation und Nicht-Kommunikation. Banks und der Physiker Ian Donnelly (Renner) sollen in Montana herausfinden, was die Außerirdischen planen, sollen deren Sprache enträtseln – kurz: eine friedliche Lösung suchen. Kein probates Mittel für Russland, China und andere Nationen, die militärische Erstschläge fordern. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Science Fiction im Wortsinn

Derweilen schlüpfen Banks und Donnelly in ihre orangefarbenen Schutzanzüge. Nehmen Kontakt auf. Grandios jene Szene, in der die beiden erstmals ins Innere des Ufos vordringen. Der vorzügliche Kameramann Bradford Young („A Most Violent Year“) hebt die Gesetze der Schwerkraft und damit auch jene der für uns gültigen Logik auf. Immer wieder wird die Perspektive gewechselt. Man tut sich schwer, sich zu orientieren – und muss sich sein eigenes Bild der Aliens machen, die keine wirklich (be-)greifbare Form besitzen, nur irgendwie an Kraken erinnern. Ein brillanter Kniff, der einen die Neuankömmlinge quasi mit den Augen von Banks sehen lässt. Der Begriff Science Fiction ist hier wortwörtlich zu nehmen, der Zuschauer muss eigene Schlüsse aus dem Beobachtbaren ziehen.

Erwachsenes Kino also, forderndes Kino. Wobei Denis Villeneuve nie vergisst, dass Kino auch unterhalten soll. Kontinuierlich steigt die Spannung. Diffus ist das Licht, wuchtig die Optik, imposante Totalen wechseln sich mit eindringlichen Nahaufnahmen ab. An visueller Brillanz herrscht kein Mangel. Das Drehbuch von Eric Heisserer („Lights Out“), das auf einer Kurzgeschichte des vielfach preisgekrönten SF-Autors Ted Chiang fußt, ist von schlüssiger Konsequenz. Sphärisch wirken die Klangwelten von Jóhann Jóhannsson („Die Entdeckung der Unendlichkeit“). Ein schwebender, sinnlicher und kluger (Alb-)Traum mithin, streckenweise durchaus vergleichbar mit Andrej Tarkovskijs Kinomeilenstein „Solaris“.

Arrival. USA 2016. Regie: Denis Villeneuve. Mit Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker, Michael Stuhlbarg, Mark O’Brien. 116 Minuten. Ab 12 Jahren.




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