Finanztest zu Krediten Abrufkredit als günstige Alternative zum teuren Dispo

Wohl dem, der nicht allzu hohe Zinsen zahlen muss, wenn er knapp bei Kasse ist. Foto: dpa
Wohl dem, der nicht allzu hohe Zinsen zahlen muss, wenn er knapp bei Kasse ist. Foto: dpa

Bankkunden, die knapp bei Kasse sind und das Konto überziehen, befinden sich in einem Dilemma: Sie müssen auch noch teure Dispozinsen zahlen. Eine Alternative ist der deutlich günstigere Abrufkredit.

Korrespondenten: Thomas Wüpper (wüp)
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Berlin - Bis zu 13 Prozent Zinsen – das bezahlen Bankkunden, die ihr Girokonto überziehen. Dabei geht es viel günstiger. Wer einen Abrufkredit, auch Rahmenkredit genannt, mit der Bank vereinbart, bekommt das Geld meist für weniger als die Hälfte und kann so mächtig sparen. Das empfiehlt die Stiftung Warentest in einem aktuellen Vergleich ihrer Zeitschrift „Finanztest“ (Ausgabe Mai 2019).

Die Verbraucherschützer haben 26 Abrufkredite verglichen. Das bundesweit günstigste Angebot gibt es bei der Oyak Anker Bank mit nur 3,33 Prozent Effektivzins. Ein Gehaltskonto bei dieser Bank ist dafür wie in vielen anderen Fällen nicht nötig. Der Kreditrahmen liegt zwischen 2500 Euro Minimum und maximal 50 000 Euro.

Noch günstiger gibt es den Abrufkredit bei der VW Bank, allerdings gilt der Effektivzins von 2,99 Prozent nur im ersten Jahr. Danach werden dann 6,65 Prozent fällig. Bei allen Angeboten empfiehlt es sich daher, die Zinssätze regelmäßig zu überprüfen und eventuell bei starken Erhöhungen zu günstigeren Anbietern zu wechseln. Auch einige andere Banken locken mit sehr günstigen Zinsen zu Beginn. Bei der Ikano Bank gibt es den Abrufkredit für 4,99 Prozent nur die ersten drei Monate, dann werden 7,99 Prozent berechnet.

Nicht alle Banken bieten Abrufkredite

Dennoch empfiehlt sich besonders für Bankkunden, die oft ihr Girokonto überziehen, diese meist günstigere Alternative. Allerdings sind die Angebote nicht so einfach zu finden. Nur 26 von 148 Anbietern, die Finanztest befragt hat, haben einen Abrufkredit im Programm. Darunter auch die Deutsche Bank, die als einziges Institut die Zinshöhe von der Bonität des Kunden abhängig macht und je nach Ergebnis zwischen 3,99 und 10,85 Prozent Zinsen verlangt.

Von einem Abrufkredit beim Fintech-Unternehmen Cashpresso rät Finanztest ab. Das Unternehmen verlange mit knapp 14 Prozent die höchsten Zinsen, das sei teurer als jeder Dispokredit. Die ING bietet dagegen den Abrufkredit schon für 5,83 Prozent und akzeptiert auch Selbstständige und Freiberufler, ähnlich wie die Ikano Bank und die VW Bank.

Abrufkredite sind bisher vielen Kunden kaum bekannt. Dabei wird ein Kreditkonto eröffnet und ein Kreditrahmen vereinbart, über den man wie beim Dispo frei verfügen kann. Zinsen werden nur auf den in Anspruch genommenen Betrag fällig. Der Kredit hat keine feste Laufzeit. Die Höchstsumme ist begrenzt, wird vorher festgelegt und ist meist vom Einkommen abhängig. Die meisten Banken verlangen eine monatliche Mindestrückzahlung, häufig zwei Prozent des Kreditbetrags.

Zinsen können auch steigen

Wichtig: Die Bank kann den Zins des Abrufkredits wie beim Dispo jederzeit erhöhen. Bei Ratenkrediten dagegen steht der Zins für den gesamten Zeitraum fest, in dem das Darlehen mit festen Monatsraten zurückgezahlt wird. Eine weitere Alternative bei kurzfristigem Geldbedarf sind Kreditkarten, bei denen aber meist noch höhere Schuldzinsen als beim Dispo fällig werden, im Extremfall bis zu 20 Prozent. Deshalb rät die Stiftung Warentest, generell solche kurzfristigen Kredite wenn möglich zu vermeiden und auch Abrufkredite nicht dauerhaft zu nutzen.

Die Höchstbeträge liegen meist bei 50 000 Euro. Voraussetzung sei immer ein regelmäßiges Einkommen, so die Tester. Ein Vorteil der Abrufkredite sei auch, dass über die Zinsen hinaus keine zusätzlichen Kreditkosten anfallen. So gebe es keine Bearbeitungsgebühr und auch keine Bereitstellungsprovision oder Kontoführungsgebühr, die Banken sonst häufig berechnen.

Einige Bankengruppen bieten sogar ganz eigene Varianten von Abrufkrediten. Bei den Volks- und Raiffeisenbanken beispielsweise gibt es die Easy-Credit-Finanzreserve der Team Bank für Kunden, bei denen ein Ratenkredit läuft. Je nach Bonität werden bis zu knapp elf Prozent für eine Aufstockung um bis zu 15 000 Euro fällig. Viele Sparkassen dagegen bieten über die Sparkassen-Card plus einen Abrufkredit an, der deutlich niedriger ist als der Dispo. Hier lohnt es sich für Kunden mit Geldbedarf, einfach mal nachzufragen.

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