Flexible Arbeitszeiten Einen Wandel einfordern

Von Heike Siegl 

Den Wunsch ihrer Mitarbeiter nach einem Familienleben können Firmen nicht ignorieren. Vor allem wenn Mütter und Väter an einem Strang ziehen und ihre Arbeitszeitmodelle gemeinschaftlich aufeinander abstimmen, meint STZ-Wirtschaftsjournalistin Heike Siegl.

Noch immer sind es meist die Mütter, für die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf die größte Herausforderung ist. Foto: dpa
Noch immer sind es meist die Mütter, für die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf die größte Herausforderung ist. Foto: dpa

Stuttgart - Familie und Beruf zu vereinbaren ist kein Zuckerschlecken. Der Alltag stellt jedes Arbeitszeitmodell, egal wie flexibel, auf die Probe. Kaum kommt der Anruf aus der Kita, dass das eigene Kind krank ist, bleibt Vätern und Mütter gar nichts anderes übrig, als alles andere hintanzustellen. Noch immer sind es meist die Frauen, die das tun. Auch deshalb haben Branchen, in der die Anzahl der weiblichen Beschäftigen hoch ist, schneller auf flexible und individuelle Arbeitszeitmodelle umgestellt. Sie fahren damit gar nicht schlecht. Betriebe, die das als Teil ihrer Unternehmenskultur begreifen, berichten von einer geringeren Fluktuation in der Belegschaft und einem niedrigen Krankenstand.

Doch es ist nicht allein Aufgabe der Firmen, diesen Wandel mitzugestalten. Väter wie Mütter müssen das dafür notwendige gesellschaftliche Umdenken selbstbewusst einfordern. Das fängt oft in der eigenen Familie an. Beide Elternteile sollten – am besten vor der Zeugung des Nachwuchses – miteinander besprechen, wie sie sich den Alltag mit Kind vorstellen. Festlegen, wer mit seinem Chef welches Arbeitszeitmodell aushandelt. Überlegen, wer einspringen kann, wenn das Kind krank ist. Dafür gibt es keine Lösungen auf Knopfdruck.

Bevor man gemeinsam Kinder bekommt, ist es wesentlich leichter, Gleichberechtigung zu leben – sich Haushalt und Miete zu teilen. Mit Kindern ist es oft noch zu selbstverständlich, dass die Mutter zur Hauptverantwortlichen für den Nachwuchs wird. Frauen, die mehr als 60-Prozent-Stellen übernehmen wollen, müssen einfordern, dass der Vater gleichberechtigt Verantwortung übernimmt. Dabei ist es keineswegs so, dass die Generation der jungen Väter nicht will. Sowohl die Statistiken der Krankenkassen als auch die Studie der Industrie- und Handelskammer zeigen, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch für Väter stärker Thema wird. Männer springen öfter ein, wenn das Kind krank ist, und fordern bei Personalgesprächen verstärkt individuelle Arbeitszeitmodelle. Diesen Wandel, je stärker er gelebt wird, kann kein Unternehmen ignorieren. In Zeiten, in denen es an Fachkräften fehlt, müssen Firmen ihre Attraktivität als Arbeitgeber auch unter dem Aspekt Familie und Beruf unter Beweis stellen.

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