Folgen der Pandemie Der private Wasserverbrauch steigt wegen Corona

Von Natalie Kanter 

Seit Corona sind die Menschen mehr zu Hause. Die Folgen: Die Spülung der Toilette läuft häufiger, und die EDV zieht ständig Strom. Auf den Fildern macht sich das veränderte Verhalten aber auch noch anderswo bemerkbar, berichten die Stadtwerke.

In den ersten Monaten der Pandemie wurde in reinen Wohngebieten von Leinfelden-Echterdingen fünf bis zehn Prozent mehr Wasser verbraucht. Foto: dpa/Oliver Berg
In den ersten Monaten der Pandemie wurde in reinen Wohngebieten von Leinfelden-Echterdingen fünf bis zehn Prozent mehr Wasser verbraucht. Foto: dpa/Oliver Berg

Leinfelden-Echterdingen - Die Berliner duschen morgens anderthalb Stunden später als früher, dies twitterten die Berliner Wasserbetriebe Anfang April – also mitten in der Hochphase des Lockdown. Auch die Menschen auf den Fildern haben aufgrund der Krise ihr Verhalten geändert. So haben sie mehr Wasser und Strom verbraucht, weil die meisten gezwungen waren zu Hause zu bleiben und nicht mehr täglich ins Büro gefahren sind.

Wann die Menschen in Leinfelden-Echterdingen nun immer so unter die Brause steigen, weiß Stadtwerke-Chef Peter Friedrich nicht. Er und sein Team konnten aber beobachten, dass der Wasserverbrauch in den ersten Monaten der Pandemie in reinen Wohngebieten, wie es sie beispielsweise in Stetten und Musberg gibt, um fünf bis zehn Prozent gestiegen ist. Friedrich sagt: „Wenn die Menschen mehr zu Hause sind, gehen sie dort auch öfters zur Toilette.“ Die Spülung läuft häufiger, die Hände werden häufiger gewaschen, was sich am Ende des Jahres wohl auch bei den Wasserkosten bemerkbar machen wird.

Weil die Menschen verstärkt im Homeoffice arbeiten und dort dann den ganzen Tag die EDV läuft, steige der Verbrauch von privatem Strom. Hierzu kann der Betriebschef keine Zahlen nennen. Aus Sicht der Stadtwerke ist der gestiegene Verbrauch erfreulich, denn so wird deren Bilanz für das Corona-Jahr 2020 etwas besser ausfallen als ohne diese Einnahmen. „Ich gehe weiter davon aus, dass wir am Ende des Jahres mit einer schwarzen Null rausgehen“, sagt Friedrich. Aktuelle Zahlen will er in der nächsten Sitzung des Stadtwerkeausschusses im Oktober liefern.

Verkauf von Strom und Gas wird zum Vorteil

„Unser Vorteil ist, dass wir die Netz- und Vertriebsgesellschaft haben, also auch Strom und Gas verkaufen“, sagt der Leiter der Stadtwerke. Denn: „Wir haben sehr viele private Kunden.“ Der Zugewinn in diesem Bereich könne nun fürs Gemeinwohl eingesetzt werden, also die Verluste in den defizitären, öffentlichen Bereichen etwas abmildern. Weil das gesellschaftliche Leben aufgrund der zunehmenden Ausbreitung des Corona-Virus zunächst in vielen Bereichen auf Null gefahren wurde, mussten auch die Stadtwerke auf etliche Einnahmen verzichten. Die Menschen waren und sind teils noch weniger unterwegs. Das macht sich bemerkbar: „Unsere Elektro-Ladesäulen werden weniger genutzt“, sagt Friedrich. Die Zahl der Urlaubsparker in den Parkhäusern, die von den Stadtwerken betrieben werden, steige zwar wieder, allerdings nur auf niedrigem Niveau. Seit März musste der Betrieb in diesem Bereich 100 000 Euro Verlust verkraften. Normalerweise kann er hier 25 000 Euro pro Monat einnehmen, aktuell sind es nur 5000 Euro.

Hinzu kommt: Dieses Jahr findet nur ein Bruchteil der Messen statt. Am Flughafen sind über Monate hinweg die großen Flieger ausgeblieben, noch immer zählt der Airport nur ein Drittel der sonst üblichen Passagierzahlen. Die örtlichen Hotels haben weniger Gäste. Friedrich geht davon aus, dass das Personal, zumindest zu Beginn der Krise, weitgehend nach Hause geschickt wurde. Infolgedessen gehen am Airport, auf dem Messegelände und in den Hotels weniger Menschen auf die Toilette, weniger Klimaanlagen laufen.

Wenn die Stadtwerke weniger Wasser verkaufen, müssen sie zwar auch weniger einkaufen, haben so weniger Ausgaben, aber eben auch weniger Einnahmen. Die Fixkosten bleiben derweil gleich. „Die Leitungen sind weiter da, das Personal muss weiter bezahlt werden, die Abschreibungen laufen weiter“, sagt Friedrich.

Von Vorteil in der Krise sei dagegen der Neubau der Stadtwerke an der Benzstraße. Weil dieser über eine komplett neue EDV und viele Räume verfügt, konnten die Mitarbeiter in Einzelbüros gesetzt werden und mussten nicht zwangsläufig ins Homeoffice wechseln. Die Mitarbeiter des Bauhofes sind derweil seit Anfang März in vier Teams aufgeteilt. Damit sich die einzelnen Gruppen nicht begegnen, arbeiten sie teils auch an provisorischen Standorten – beispielsweise im Alten Rathaus Stetten. Also dort wo die Stadtwerke eigentlich gerade ausgezogen waren.




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