Seinen 80. Geburtstag feiert Frank Elstner im kleinen Kreis. Auch wenn es ihm an Ideen zu neuen Projekten nicht fehlt, will der Fernsehmoderator fortan kürzertreten.

Frank Elstner ist ein Gigant der Radio- und Fernsehunterhaltung. Zu seinem 80. Geburtstag an diesem Dienstag feierten ihn ARD und SWR mit Überraschungsshows und Highlightnächten. Im Interview äußert sich der „Wetten, dass ..?“-Erfinder über das heutige Unterhaltungsfernsehen, seine Parkinson-Erkrankung und den Krieg.

Herr Elstner, Sie sind 1942 geboren. Wie erleben Sie die Zeit, in der wieder Krieg in Europa herrscht?

Wie jeder, der im Krieg geboren ist: mit Entsetzen. Wir haben natürlich alle geglaubt, dass so etwas nie wieder passiert. Ich träume schlecht, und mir tun die Ukrainer wahnsinnig leid. Es ist furchtbar, was gerade in der Welt passiert. Natürlich kommen Kindheitserinnerungen wieder hoch, aber nicht permanent. Ich hatte fast 80 Jahre Zeit, das zu verarbeiten, und bin eher jemand, der lieber nicht in Erinnerungen wühlt.

Wie feiern Sie Ihren 80. Geburtstag?

Ich habe schon vor ein paar Jahren die Entscheidung getroffen, meinen 80. überhaupt nicht zu feiern. Ich gehe mit meinen Kindern und meinen Enkelkindern essen. Dann werden wir uns darüber unterhalten, dass der Vater und der Opa in seinem Leben ein bisschen zu wenig Zeit für sie hatte.

Sie sind mit Ihrer Parkinson-Diagnose sehr offen umgegangen. War das nicht manchmal auch anstrengend?

Nein, überhaupt nicht. Ich empfehle das jedem. Denn all diejenigen, die ein Geheimnis daraus machen und trotzdem erwischt werden, müssen sich mit komischen Kommentaren auseinandersetzen. Beim Parkinson kommt es oft vor, dass man das Gleichgewicht verliert, und dann wird schnell gesagt: Guck mal, der hat gesoffen.

Wir haben gerade über den Krieg gesprochen. Welche Funktion hat TV-Unterhaltung in einer solchen Zeit, wie politisch sollte sie sein?

Das Bedürfnis, Freude und Ablenkung zu erfahren, ist natürlich riesengroß. Seit es Kriege gibt, gibt es auch Clowns, die in dieser Zeit herumreisen, um Kindern Freude zu bereiten. Ich mag das nicht, wenn man Politik und Unterhaltung zusammenbringt. Das passt einfach nicht zusammen. Die Unterhaltung sollte nicht verletzend sein, sie sollte aufbauend sein, das reicht schon.

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Das Unterhaltungsfernsehen kam in Ihrer Autobiografie „Wetten Spaß“ 2012 nicht unbedingt gut weg. Hat sich daran etwas geändert?

Wenn ich sehe, was Joko und Klaas auf den Bildschirm bringen oder was Stefan Raab alles erfunden hat, dann ist das eine Renaissance der Kreativität. Aber wenn ich auf der anderen Seite sehe: Jeder macht in der Zwischenzeit ein Quiz, jeder schickt irgendwelche Leute in irgendeinen Dschungel, dann habe ich die Sorge, dass man zu schnell mit Allgemeinplätzen den Erfolg suchen will.

Welche Pläne liegen bei Frank Elstner noch in der Schublade?

Pläne liegen bei einem Kreativen immer in der Schublade. Es gibt allein fünf Schubladen voll mit Ideen, die ich nicht losgeworden bin. Ich habe fünf Kinder und vier Enkelkinder. Wenn ich die sehe, fallen mir schon wieder zehn Sendungen ein. Das Artenschutzformat „Elstner auf Reisen“ wird es weiter geben, aber sonst will ich meine Aktivitäten reduzieren. Ich möchte jetzt endlich mal die vielen Bücher lesen, die in meinem Zimmer stehen, und auch etwas mehr Freizeit haben.

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