Fredi Bobic „Die Färöer sind nicht Andorra“

Verzweifelt in Torshavn: Fredi Bobic 2003 beim knappen 2:0 auf den Färöern. Foto: dpa
Verzweifelt in Torshavn: Fredi Bobic 2003 beim knappen 2:0 auf den Färöern. Foto: dpa

Stuttgart - Wenn Sami Khedira und Co. am Freitagabend in Hannover auf die Färöer treffen, sollten sie gewarnt sein. Denn in den zwei bisherigen Spielen gegen das Team aus dem Nordatlantik hat Deutschland sich sehr schwer getan. Beim letzten Aufeinandertreffen am 11. Juni 2003 auf den Färöern ging es besonders knapp zu – und Fredi Bobic war dabei. Der heutige VfB-Manager erzielte damals in der 92. Minute das 2:0, erst drei Minuten vorher hatte Miroslav Klose das 1:0 geschossen. „Wir haben alles getroffen – nur das Tor nicht“, sagt der ehemalige Stürmer und spricht im Brustringer-Interview auch über die abenteuerliche Anreise und die komische Helligkeit in Torshavn.


Herr Bobic, Sie sind der letzte Deutsche, der gegen die Färöer ein Tor geschossen hat.
Stimmt, das war mir gar nicht mehr so bewusst. Aber seit 2003 hat Deutschland ja auch nicht mehr gegen die Färöer gespielt.

Es war damals eine sehr zähe Partie. Das 1:0 schoss Miroslav Klose erst in der 89. Minute, Sie trafen dann drei Minuten später.
Zum Glück haben wir das Spiel gewonnen. Die Jungs von den Färöern haben wahnsinnig gekämpft und taktisch klug die Räume eng gemacht.

Sie haben nach der Partie gesagt: „Daran werde ich mich in 20 Jahren noch erinnern und es meinen Enkeln erzählen.“ Warum?
Wir haben so klar dominiert und wir haben alles getroffen – nur das Tor nicht.

Woran erinnern Sie sich noch bei dieser Partie?
Dort auf den Inseln Fußball zu spielen, war ganz anders, wie man sich das vorstellt. Noch fünf Stunden vor dem Anpfiff konnte man wegen des Nebels keine zwei Meter weit sehen. Doch dann riss der Himmel auf. Es gab damals auch nur ein großes Hotel. Wir waren im Westflügel und der Gegner im Ostflügel. Das hatte was von einer Jugendherberge – und war irgendwie toll.

Die Anreise war sicher auch nicht die einfachste.
Es war schon eine abenteuerliche Reise zu 150.000 Schafen und vielen grünen Inseln. Beim Anflug der Landebahn hat man eigentlich nur Wasser gesehen – und plötzlich setzten wir auf. Wegen der speziellen Winde dort brauchte man auch einen erfahrenen Piloten. Und als wir dann zum Hotel gefahren sind, mussten wir durch einen Tunnel, der die Inseln miteinander verbunden hat. Es ging zunächst nur bergab. Wir sind da also unter dem Wasser durchgefahren.

Weil es im Sommer auch fast nicht dunkel wird, wurde auch kein Flutlicht benötigt. Obwohl das Spiel erst um 19.45 Uhr Ortszeit begann.
Ja, aber es war so komisch hell. Eher grau und diesig.

Werden die Färöer auch am Freitag in Hannover ein unbequemer Gegner sein?
Es wird auf jeden Fall nicht leicht. Die Färöer sind nicht Andorra, die sind taktisch gut geschult. Und sie haben ja schon in früheren Länderspielen gezeigt, dass sie immer einem großen Team ein Bein stellen können. Aber wenn Deutschland schnell ein Tor schießt, werden sie es gut hinkriegen. Auf den Färöern wird es dann jedoch nicht so einfach.