Fußball-Historie: Serie Ein Arbeitertyp mit Torinstinkt

Klaus Hemminger sitzt auf der Tribüne des Max-Graser-Stadions in Fellbach, wo er als Spieler Foto: Maximilian Hamm
Klaus Hemminger sitzt auf der Tribüne des Max-Graser-Stadions in Fellbach, wo er als Spieler Foto: Maximilian Hamm

Der Fußball fasziniert auch in Fellbach und Kernen: Wir stellen in dieser Serie Akteure vor, die besondere Momente und besondere Erfolge erlebt haben. Heute: Klaus Hemminger, 62, der in den 1980er Jahren beim SV Fellbach wirbelte.

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Fellbach - Erst kürzlich haben sich die ehemaligen Fußballer Klaus Hemminger, 62, und Jochen Pflüger, 59, – in Vorbereitung auf diese Geschichte – auf dem Rasenplatz des Max-Graser-Stadions in Fellbach getroffen. Sie haben mit dem Ball jongliert, Doppelpässe gespielt und ab und an auch zu einer vergnügten Grätsche angesetzt. Sie fühlten sich zurückversetzt in eine Zeit Mitte der 1980er Jahre, als sie gemeinsam im Trikot des SV Fellbach in eben diesem Stadion in der Landesliga spielten. Schöne Erinnerungen, wie sie unisono sagen. Doch sie standen sich auch mal gegenüber; in einem Spiel, das ihnen bis heute besonders in Erinnerung geblieben ist. In der Saison 1985/1986 – Jochen Pflüger hatte damals einen Abstecher zur Spvgg Rommelshausen gemacht – verlor die Mannschaft des SV Fellbach während des Fellbacher Herbsts die Begegnung mit dem Nachbarn vor etwa 800 Zuschauern mit 3:4. Klaus Hemminger, der für gewöhnlich im Mittelfeld agierte, erzielte an jenem Abend drei Treffer; auf der anderen Seite war Klaus Zinser dreimal erfolgreich. Am Ende der Saison stieg der Verbund des SV Fellbach aus der Landesliga ab. „Wenn Jochen bei uns gewesen wäre, hätten wir das Spiel gewonnen“, sagt Klaus Hemminger über seinen ehemaligen Mitspieler, der heute stellvertretender Abteilungsleiter des SV Fellbach ist.

Ein Auslandsstudium unterbrach die sportliche Laufbahn

Angefangen hatte die Karriere von Klaus Hemminger beim TSV Wäldenbronn in Esslingen, wo er geboren und aufgewachsen ist. Bereits im Alter von vier Jahren hat er auf der Straße gekickt. Wenig später schloss er sich dem Jugendteam des Vereins an und blieb dort, bis er zu den Männern in die Kreisliga A wechselte. Lediglich zweimal probierte er in dieser Zeit kurzweilig etwas anderes – beim TV Nellingen und beim SV Stuttgarter Kickers. Doch ein Auslandsstudium in Südamerika unterbrach seine sportliche Laufbahn. Für sein Studium in der Landwirtschaft war Klaus Hemminger ein Jahr lang in Argentinien, Paraguay und Uruguay unterwegs. Heute arbeitet er als Geschäftsführer bei einem Entsorgungsunternehmen in Berglen.

Nach seiner Rückkehr aus Südamerika machte ihm der damalige SVF-Abteilungsleiter Manfred Will ein Angebot, das er auch annahm. Und so begann seine Fußballzeit beim SV Fellbach in der Landesliga. „Da waren tolle Typen mit dabei“, sagt Klaus Hemminger und nennt unter anderen Thomas Lösch, Dieter Reichmann oder auch die Trainer Karlheinz Schlotterbeck und Roland Sandmeyer. Über Erstgenannten weiß er noch eine besondere Anekdote aus dem Training: „In der Vorbereitung hat er uns erst einmal den Ball weggenommen, da ging es nur um Ausdauer. Wie Quälix ohne Medizinball“, sagt Klaus Hemminger und lacht. Schnell war ihm damals die Absicht klar: „Er wollte, dass wir im Spiel noch gieriger auf den Ball sind, deshalb hat er ihn uns im Training weggenommen.“

Warum Karlheinz Schlotterbeck den Ball wegnahm

Die Zeit beim SV Fellbach hat bleibenden Eindruck hinterlassen beim heute 62-Jährigen – so wie er selbst bei seinen Mitspielern. „Klaus war eine Maschine, unfassbar durchtrainiert. Sein Körper war seine Stärke. Er war eine Persönlichkeit auf dem Platz“, sagt Jochen Pflüger. Klaus Hemminger hat sich eher als „Arbeitertyp“ gesehen, der zwar öfter mal die Rote Karte sah, aber nach eigener Aussage kein unfairer Fußballer war. „Ich hatte nie die perfekte Technik wie zum Beispiel Jochen Pflüger“, sagt er. „Es war eine schöne Zeit beim SV Fellbach, auch wenn ich mich nicht mehr an alles so genau erinnern kann.“ Diese Zeit endete nach dem Abstieg im Jahr 1986. Anschließend wechselte Klaus Hemminger zurück zu seinem Heimatverein TSV Wäldenbronn, er blieb dort zunächst in der Landesliga.

Klaus Hemminger war eine Persönlichkeit auf dem Platz

Dann ging es für ihn sportlich in die andere Richtung. Mit der Mannschaft um den Trainer Martin Hägele, der das Team von der Kreisliga A bis in die Oberliga führte, stieg er im Jahr 1992 in die Verbandsliga auf. An seinen damaligen Coach, der als Spieler des VfB Stuttgart deutscher A-Jugend-Meister 1973 geworden war, kann Klaus Hemminger sich noch gut erinnern. Speziell an dessen Spielsystem: „Da haben wir Vorbereitungsspiele auch gegen höherklassige Mannschaften oft gewonnen, weil die dachten, wir hätten zwei Männer mehr auf dem Platz.“ Diese sogenannte ballorientierte Spielauffassung prägte insbesondere der Backnanger Trainer Ralf Rangnick, mit dem Martin Hägele, 65, in den 1980er Jahren beim VfB Stuttgart zusammengearbeitet hatte.

Klaus Hemminger blieb bis ins Alter von 34 Jahren beim TSV Wäldenbronn. Anschließend trainierte er noch eine Weile bei den Senioren des SV Fellbach mit, bevor er seine Kickschuhe zur Seite stellte. Als Fußballrentner schaut er heuer nicht mehr vorbei im Max-Graser-Stadion, wo die besten Akteure des Vereins mittlerweile in der Verbandsliga spielen. Nur kürzlich ist er wieder mal vorbeigekommen, hat mit dem Ball jongliert, Doppelpässe gespielt und sich mit Jochen Pflüger an die gemeinsame Zeit im Trikot des SV Fellbach erinnert.




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