Tigermücken in der Region Stuttgart Gefährliche Virenträger breiten sich weiter aus

Die auffällig schwarz-weiß-gemusterte Stechmücke wird nur wenige Millimeter groß. Foto: B.Pluskota /KARS
Die auffällig schwarz-weiß-gemusterte Stechmücke wird nur wenige Millimeter groß. Foto: B.Pluskota /KARS

Hohe Temperaturen im Sommer und milde Winter begünstigen die Vermehrung des gefährlichen Virenüberträgers. Gartenbesitzer sollten jetzt mögliche Brutstätten reinigen.

Lokales: Kai Holoch (hol)

Region Stuttgart - Auch daran hat der Klimawandel seinen Anteil: Seit den 1990-er Jahren erobert die ursprünglich in den süd- und südostasiatischen Tropen beheimatete asiatische Tigermücke auch Europa. 2015 ist die gefährliche Stechmücke, die das Dengue-Fieber ebenso überträgt wie das Zika- und das Chikungunya-Virus, erstmals in Freiburg in einer Kleingartenanlage nachgewiesen worden.

Heiße Sommer und viel zu warme Winter haben dazu beigetragen, dass sich der durch eine große Anpassungsfähigkeit auszeichnende Tigermoskito auch im deutschen Südwesten ausbreitet: Im Sommer 2020 sind die Stechmücken nun definitiv auch in der Region Stuttgart aufgetaucht. Nachgewiesen werden konnten Tigermücken in Stuttgart-Möhringen, in Korntal-Münchingen (Kreis Ludwigsburg) im Leinfelden-Echterdinger Stadtteil Stetten und in Kernen im Rems-Murr-Kreis.

„Übertragungsrisiko ist noch gering“

Auf die Suche nach der Tigermücke hatte sich Christiane Wagner-Wiening gemacht. Die stellvertretende Leiterin des Referats Gesundheitsschutz und Epidemiologie beim Landesgesundheitsamt hatte im Rahmen eines Forschungsprojekts Fallen in solchen Regionen rund um Stuttgart aufgestellt, in denen die Ansiedlung von Tiger-Moskitos aus wissenschaftlicher Sicht wahrscheinlich war.

Der – nicht unbedingt angestrebte – Erfolg blieb nicht aus. Neben einzelnen Fliegen entdeckte die Wissenschaftlerin vor allem rund um Korntal-Münchingen und bei Möhringen größere Populationen und Eier. „Zwar ist das Übertragungsrisiko aktuell noch gering“, betont Christiane Wagner-Wiening. Bisher sei kein einziger Fall bekannt, in dem ein Mensch durch eine in Deutschland lebende Tiger-Mücke mit einem Virus infiziert worden sei.

Aggressiv und tagaktiv

Könne sich die Tigermücke aber ungestört ausbreiten, steige das Risiko. Wagner-Wiening: „Zudem sind es sehr aggressive und darüber tagaktive Tiere.“ Deshalb müsse deren Ausbreitung bekämpft werden. Dabei könne jeder Gartenbesitzer einen Beitrag leisten. Ziel müsse es sein, Eier in den Brutstätten so schnell und so vollständig wie möglich zu entfernen.

Die Mücke brüte in kleinsten Wasseransammlungen wie offenen Regentonnen, Eimern, Gießkannen, Blumentöpfen, Wasserschalen oder Ähnlichem. Diese sollten entweder entfernt, beziehungsweise so gelagert werden, dass kein Wasser darin stehen bleibe. Regentonnen können mit einem Mückennetz geschützt werden. Bei Vogeltränken sollte das Wasser mindestens alle drei Tage gewechselt werden, um eine Brut zu vermeiden.

Mögliche Brutstätten sollen gereinigt werden

„Während der Garten winterfest gemacht wird, sollten vor allem in Gebieten in denen bereits Tigermücken-Funde erfolgten, alle möglichen Brutstätten gründlich gereinigt werden“, appelliert Christiane Wagner-Wiening an die Hilfsbereitschaft der Bürger. Dazu sei das Ausschrubben oder sogar Auskochen notwendig, um die festklebenden Eier zuverlässig entfernen zu können.

Wenn Stechmücken gefunden werden, bei denen der Verdacht besteht, dass es sich um Asiatische Tigermücken handelt, sollten diese Funde den zuständigen Gesundheitsämtern gemeldet werden. Eine Übersicht ist beim Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg abrufbar.

In Südeuropa ist die Asiatische Tigermücke bereits weit verbreitet. Aber auch in Deutschland, etwa in der Kölner Bucht oder rund um Jena und in den Hafengebieten gibt es Regionen, in denen die Tigermücke bereits oft zu finden ist. Die auffällig schwarz-weiß-gemusterte Stechmücke wird in der Regel nur wenige Millimeter groß und hat einen dunkel gefärbten Stechrüssel.




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