Gefahr für Autofahrer Der nächste Stein kann tödlich sein

Von Wolf-Dieter Obst 

Es kann jeden treffen – und die Folgen können dramatisch sein. Steinewerfer nehmen aus Langeweile, Gedankenlosigkeit oder wegen seelischer Störungen Autofahrer ins Visier. Die Polizei fahndet unter Hochdruck.

Weil ein Stein von einer Brücke geworfen wurde, ist im September 2016 ist auf der A 7 bei Heidenheim eine vierköpfige Familie schwer verletzt worden. Foto: Feuerwehr Heidenheim
Weil ein Stein von einer Brücke geworfen wurde, ist im September 2016 ist auf der A 7 bei Heidenheim eine vierköpfige Familie schwer verletzt worden. Foto: Feuerwehr Heidenheim

Stuttgart/Karlsruhe - In der Windschutzscheibe des Wohnmobils klafft ein faustgroßes Loch. Mühelos hat ein Stein das Glas durchschlagen – in Kopfhöhe beim Beifahrersitz, während das Auto in voller Fahrt auf der A 8 von Karlsruhe nach Stuttgart unterwegs war. „Es war reines Glück, dass das so glimpflich ausgegangen ist“, sagt die Polizeisprecherin Sabine Doll. Reines Glück nur deshalb, weil niemand auf dem Beifahrersitz des Autos saß.

Nach den Steinewürfen auf Autofahrer auf der A  8 bei Friolzheim (Enzkreis) am vergangenen Donnerstag ermittelt jetzt die Pforzheimer Kripo wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Gesucht werden zwei Jugendliche im Alter zwischen 13 und 16 Jahren, die von einer Autobahnbrücke Steine warfen. Dabei gab es laut der Polizei etwa 3000 Euro Schaden – aber wie durch ein Wunder keine Verletzten.

Die Steine sind inzwischen im Labor: Genetische Fingerabdrücke sollen die Unbekannten entlarven. Ein Junge soll mit einer blauen Stoffjacke, einer dunklen Kunstfaser-Sporthose und Turnschuhen bekleidet gewesen sein, der andere mit einem dunkelbraunen Kapuzenshirt. Hinweise werden unter der Rufnummer 07 21 / 939 55 55 erbeten.

Fälle häufen sich – von Lörrach bis Leonberg

Landauf, landab häufen sich die Fälle. Am Samstag traf auf der A 98 bei Lörrach ein 50 Zentimeter langes Holzstück das Auto einer Frau, die mit ihrem zehnjährigen Sohn unterwegs war. Sie kamen mit dem Schrecken davon. Die dortige Polizei sucht eine Gruppe von fünf bis sechs Jugendlichen, darunter ein Mädchen. Die Beschreibung ist vage – die Beamten hoffen auf weitere Hinweise.

Selten gibt es eine heiße Spur, in den meisten ähnlichen Fällen in der Region tappt die Polizei im Dunkeln. Unbekannt sind etwa die Täter, die am Sonntag in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) einen Betonstein und eine Drahtseilrolle mitten auf der Fahrbahn abstellten. Eine Polizeistreife konnte das gefährliche Hindernis am Morgen rechtzeitig zur Seite räumen.

Gesucht wird auch ein etwa neunjähriger Bub, der vor drei Wochen in Leonberg (Kreis Böblingen) mehrere vorbeifahrende Autos mit faustgroßen Steinen bewarf und 1500 Euro Schaden anrichtete. Zu den acht spektakulären Fällen in der Region allein im April gehört auch ein Anschlag auf einen Linienbus in Esslingen, der im Bereich einer Baustelle von einem Stein getroffen wurde. Ein Täter wurde nicht gefunden.

Mal arglose Kinder, mal ein psychisch Kranker

Was aber sind die Motive? Anfang Mai wurden zwei Kinder gefasst, die den Verkehr auf der B 10 in Plochingen (Kreis Esslingen) gefährdet hatten. Die zwölf und 13 Jahre alten Mädchen warfen Rollsplitt von einem Fußgängersteg. Wohl aus Langeweile. „Es haben sich aber keine Geschädigten und Zeugen gemeldet“, sagt der Polizeisprecher Martin Raff. Den Eltern der strafunmündigen Kinder bleibt so der Gang zur privaten Haftpflichtversicherung erspart.

Ein 37-Jähriger landete dagegen für neuneinhalb Jahre in Haft. Im September 2016 hatte er auf der A 7 bei Giengen (Kreis Heidenheim) eine vierköpfige Familie ins Visier genommen, die mit schweren Verletzungen nur knapp überlebte. Der Täter war psychisch krank und beleidigte noch vor Gericht seine Opfer.




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