Geislingens Nachbarn drohen mit Klage Die einen wollen feiern, die anderen klagen

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Das Kultusministerium hat die Geislinger Nachbarn angewiesen, sich an den Sanierungskosten fürs Michelberggymnasium zu beteiligen. Es droht Zoff.

Die auf 15 Millionen  Euro veranschlagte Sanierung des Geislinger  Michelberggymnasiums (im Bild ein Teil der energetisch innovativen  Musterfassade)  sorgt unter den Nachbarkommunen für Unmut: Das Kultusministerium sieht  die Kommunen in der Pflicht, sich an den Kosten zu beteiligen. Foto: Archiv Rudel
Die auf 15 Millionen Euro veranschlagte Sanierung des Geislinger Michelberggymnasiums (im Bild ein Teil der energetisch innovativen Musterfassade) sorgt unter den Nachbarkommunen für Unmut: Das Kultusministerium sieht die Kommunen in der Pflicht, sich an den Kosten zu beteiligen. Foto: Archiv Rudel

Geislingen - Der Geislinger Oberbürgermeister Frank Dehmer bekommt am Dienstagabend von Vertretern der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) einen dicken Scheck überreicht. Die DBU, die innovative beispielhafte Projekte zum Umweltschutz fördert, ist eine der größten Stiftungen in Europa. Mit 681 500 Euro unterstützt sie die energetische Sanierung des Geislinger Michelberggymnasiums zu einem Plusenergiegebäude. Am selben Abend eröffnet die Kommune die Ausstellung zur energetischen Sanierung der Schule im Kapellmühlsaal der MAG.

Die zehn Nachbarn ärgern sich über die Weisung

Gar nicht in Feierlaune zeigen sich derweil die zehn Umlandgemeinden, die sich laut Weisung des Kultusministeriums mit Geislingen über ihre Kostenbeteiligung an der 15 Millionen Euro teuren Sanierung einigen sollen. „Für mich ist das eine politische Entscheidung“, moniert der Sprecher der Umlandkommunen, der Gingener Bürgermeister Marius Hick, die Weisung aus Stuttgart.

Die Lex Geislingen hat sich auf den Neubau bezogen

Sauer stößt dem Verwaltungsmann auf, dass er und seine Mitstreiter keinen Widerspruch einlegen können. Deshalb wollen die Kommunen aus dem oberen Filstal, aus Böhmenkirch sowie Lonsee und Amstetten (Alb-Donau-Kreis) eine Sammelklage gegen Geislingen anstrengen, obwohl die Nachbarn derzeit etwa 69 Prozent der Schüler am Michelberggymnasium stellen. Die Nachbarkommunen seien zwar in den 70er Jahren durch ein Urteil zur Kostenbeteiligung am Neubau der Schule gezwungen worden, räumte Hick ein. Doch diese Lex Geislingen lasse sich mit der anstehenden Generalsanierung nicht vergleichen. „Eine Sanierung kann nicht auf das Umland abgewälzt werden“, glaubt Hick, und im Übrigen habe Geislingen die Schule vernachlässigt, obwohl immer Unterhaltszuschüsse des Landes geflossen seien, behauptet der Schultes, der eine Schulplanung für die Stadt vermisst und sich fragt, ob man das Gymnasium in dieser Größe überhaupt noch benötige. Zusätzlichen Ärger hat bei den Nachbarn auch die angeblich dürftige Informationslage ausgelöst. Man wisse immer noch nicht, welche Beträge eigentlich gefordert würden, so Hick.

Die Schule soll mehr Energie erzeugen als verbrauchen

Im Geislinger Rathaus freut sich der Stadtbaumeister Karl Vogelmann derweil auf die Scheckübergabe der DBU. Vogelmann hatte die Sanierung zusammen mit Horst Höfler, dem Schulplaner von damals, in Gang gebracht. Eigentlich wollte er den Planer lediglich mit einem neuen Farbkonzept ins Boot holen, doch aus der Kontaktaufnahme wurde ein spannender Diskurs über die aktuellen Forschungsansätze Höflers. „Forschungsbereich Energieoptimierte Baukonstruktion“ nennt sich Höflers Arbeitsfeld an der Universität Siegen, wo er sich in den vergangenen Jahren auf Gebäude spezialisierte, die mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen. Das Konzept Höflers zielt darauf ab, vollständig unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden, wenn die Sonne der Hauptenergielieferant ist.

Das Herzstück des Konzepts ist eine wärmetauschende Fassade. Strukturierte Holzbohlen fungieren dabei als Wärmekollektor und eine von hinten belüftete Glashaut mit eingelagerten Fotovoltaikelementen dient als Puffer. Mit diesem energetischen Ansatz soll der Bedarf an Wärmeenergie halbiert und der Strombedarf deutlich gesenkt werden. Pilothäuser stehen in Nordrhein-Westfalen und der Schweiz.




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