Halloween zwischen Kult und Kommerz Ist Halloween noch zeitgemäß?

Von Von Simon Rilling und  

Am Gruselspaß an „All Hallows’ Evening“ – Halloween, dem Abend vor Allerheiligen, scheiden sich die Geister – auch in der Redaktion.

Das populäre Halloween-Brauchtum rund um Jack O’Lantern, den ausgehöhlten Kürbis mit eingeschnitzter Fratze, stammt aus Irland. Mit der Auswandererwelle im 19. Jahrhundert schwappte es in die USA über. Foto: dpa
Das populäre Halloween-Brauchtum rund um Jack O’Lantern, den ausgehöhlten Kürbis mit eingeschnitzter Fratze, stammt aus Irland. Mit der Auswandererwelle im 19. Jahrhundert schwappte es in die USA über. Foto: dpa

Stuttgart - Halloween ist ein harmloser Gruselspaß – nicht nur für Kinder. Manche sehen darin allerdings ein Ärgernis und einen heidnischen Unfug. Am 1. November gedenken Katholiken der toten Heiligen. Halloween-Partys, die bis in die frühen Morgenstunden des Feiertages andauern, könnte mancher als unangemessen und unwürdig empfinden.

Und dann ist da noch der protestantische Reformationstag. Am 31. Oktober 1517 hatte Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche geschlagen und damit die Kirchenspaltung in Gang gebracht. Ausgerechnet an diesem für Protestanten so wichtigen Tag ziehen Kinder mit künstlichen Spinnennetzen, Vampirzähnen und schwarzer Maskerade durch die Straßen.

Was spricht für und gegen Halloween? Zwei Redakteure unserer Zeitung sagen ihre Meinung.

Pro: Feiern ohne Reue

Ganztagsschule, G 8 und Geigenunterricht. Eine Kindheit 4.0 ist wenig vergnügungssteuerpflichtig: Alles ist voll durchgetaktet, alles reglementiert, keine Zeit für Müßiggang und Kreativität, immer nur funktionieren. Und ausgerechnet an einem der wenigen Tage, an denen Kinder ihre Fantasie ausleben und ein wenig auf den Putz hauen können, schreien die Bedenkenträger und Traditionalisten wieder auf.

Halloween wird auf den Kommerz reduziert und wahlweise als US-Import oder Erfindung des Einzelhandels gebrandmarkt. Das ist Unsinn – da man nicht konsumieren muss und es vergleichbare Traditionen auch in Deutschland gibt – und so lustfeindlich, dass es schmerzt.

Zumal sich Bräuche ändern können. Oder stand im Stall von Bethlehem ein Weihnachtsbaum ? Selbst wenn der Chor der Spaßbremsen nur ein gutes Argument vorbringen könnte: Meiner neunjährigen Tochter, die sich auf diesen Tag freut, ist das herzlich egal – und mir auch. Wir kommen dann so gegen sechs Uhr, wenn’s recht ist. (Simon Rilling)

Contra: Kommerzieller Horror

Es ist nicht so, dass hierzulande vor der Einführung von Halloween ein eklatanter Mangel an jährlich wiederkehrenden Konsumanlässen geherrscht hätte. Die meisten hatten mit Weihnachten, Ostern und Fasching schon mehr als genug zu tun – zumal bereits bei diesen Festivitäten kaum noch jemand so genau weiß, was sich ursprünglich dahinter verbirgt.

Egal, jetzt haben wir also auch noch den US-Import Halloween – und der Handel freut sich, dass die Nachfrage nach billigen Gruselklamotten, Masken und Kürbissen steigt. Hinter dem Halloween-Hype stand von Anfang an kommerzielles Kalkül. Weil es die Deutschen 1991 wegen des Irak-Kriegs für unpassend hielten, Fasching zu feiern, stapelten sich die Kostüme in den Läden. Es musste dringend ein anderes Verkleidungsfest her. Da kam den findigen Geschäftemachern Halloween gerade recht.

Worum es dabei geht? Spielt doch gar keine Rolle. Hauptsache der Umsatz stimmt. Süßes oder Saures? Wer dabei mitmacht, ist selber schuld. (Werner Ludwig)

 




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