Hörspiel made in Stuttgart Von alten Hasen und Neuen Medien

Von fr 

Ganz böse! Oder ganz toll! So schwanken oft die Ratgeber für Eltern und Lehrer über den Umgang mit neuen Medien. Dazwischen gibt es kaum etwas. Ein Hörspiel aus Stuttgart erkundet nun mit Tieren die digitale Welt. Ohne moralinsaure Belehrungen.

Die Digi Tales kämpfen mit Segen und Fluch des Internets. Foto: Alexa Appenzeller/Caritasverband für Stuttgart
Die Digi Tales kämpfen mit Segen und Fluch des Internets. Foto: Alexa Appenzeller/Caritasverband für Stuttgart

Stuttgart - In einem Wald bei Stuttgart sagen sich Maulwurf Hacki und Hase Fridolin gute Nacht. Aber sie machen das nicht mehr nur von Angesicht zu Angesicht. Sondern via Smartphone und Whatsapp. Und das Schweigen im Walde kommt daher, weil Hacki, Fridolin, die Eisbärin Polly und die Katze Kati so sehr mit Tablet, Spielekonsole und sozialen Medien beschäftigt sind.

Warum soll es bei Tieren anders sein als bei uns, dachten sich Christian Bluthardt und Jürgen Jankowitsch von der Caritas Stuttgart. Und produzierten ein Hörspiel ausschließlich made in Stuttgart über die Abenteuer und Erfahrungen von Hacki, Fridolin, Polly und Kati, den vier Digi Tales, „in einem dunklen Wald bei Stuttgart“. Lehrern, Erziehern, Eltern und Kindern soll es helfen ins Gespräch zu kommen über das Nutzen der nun ja nicht mehr ganz so Neuen Medien. Grundschülern dürfte das Quartett bekannt vorkommen. Sie sind die Titelhelden einer Box, die die Caritas Lehrern zukommen lässt: gefüllt mit Material und Ideen für den Unterricht zur Medienkompetenz. Nun kommt ein Hörspiel dazu, das man als CD für 9,99 Euro kaufen kann.

Erlebnisse in einem Stuttgarter Wald

Weil Bluthardt auch Musik macht und man sich in Stuttgart halt kennt, überzeugte er Michael Kausch, bekannt aus „Heimat“ und „Liebling Kreuzberg“, Yvy Pop, Thorsten Puttenat und Marisa Bartholomae den Tieren ihre Stimmen zu leihen. Bei Marten Thielges in den Proxy Studio nahmen sie auf, auf Dietmar Boschs Label Allscore erscheint „Die atemberaubenden Abenteuer der Digi Tales“.

Da gibt es etwa ein Musikfestival, bei dem die Punkrocker Eight Round Rapids auftreten und Fridolin mit seiner Eff Eff Crew. Der wundert sich hernach: „Was ist mit den Tieren im Publikum los. Heben nur noch ihre Handys vors Gesicht. Sind die blöd!?“ Freut sich dann aber doch, als ein Video vom Auftritt 25 254 Klicks hat: „Was heißt alter Hase, ich mache eine neue Platte.“ Apropos Platte. Als Hacki Fridolins Plattensammlung entdeckt, wundert er sich. Er kennt keine Tonträger. Und fragt sich: „Ist das ein Super-Weitwurf-Frisbee?“ Was er gleich ausprobiert. Die Folge: „John Coltrane, total zerbröselt!“ Kati, ansonsten der Meinung, sechsjährige Biberkinder sollten im Bach spielen statt Whatsapp zu verschicken, folgt fast süchtig einer Influenzerin, der Frau eines Fußballers.

Kinder buddeln, Eltern daddeln

Man merkt, da gibt’s kein Gut und kein Böse. Was selten ist. Bluthardt: „Wer sich über Neue Medien informieren will, der landet meist bei: Das ist toll! Oder: Das ist furchtbar!“ So einfach machen es einem die Digi Tales nicht. Was gut passt in eine Zeit, in der Kinder auf dem Spielplatz buddeln oder kicken –, und die Eltern auf dem Smartphone daddeln.

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