Hunde, Mountainbiker, Drohnen Besonders im Winter haben Wildtiere viele Feinde

Plakat mit Schockwirkung aus dem Kreis Ludwigsburg. Foto: Susanne Mathes
Plakat mit Schockwirkung aus dem Kreis Ludwigsburg. Foto: Susanne Mathes

Wildtiere wie Rehe brauchen im Winter Ruhe, weil sie nicht viel zu fressen finden und eine Flucht viel Energie verbraucht. Viele Menschen sind sich dessen aber nicht bewusst.

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Ludwigsburg - Hunde jagen. Das liegt in ihrer Natur. Beim einen mehr, beim anderen weniger. Und wenn so ein Vierbeiner erst einmal mit feiner Nase und schnellem Lauf eine Spur aufgenommen hat, lässt er sich nur bei guter Erziehung davon abhalten, diese Fährte zu verfolgen. Ein Plakat, das im Wüstenbachtal östlich von Kirchberg (Rems-Murr-Kreis) hängt, zeigt, wie der Jagdtrieb frei laufender Hunde einem Reh zusetzen kann. Nämlich mit tödlichen Konsequenzen.

Mehrere Jäger aus der Gegend versichern allerdings, dass von Hunden getötete Rehe eine Seltenheit seien. „Für einen Hund ist es schwer, ein Reh zu fangen“, sagt etwa der Kreisjägermeister Peter Ulmer. Das könne eigentlich nur gelingen, wenn das Wild auf der Flucht vor dem Verfolger in einem Zaun lande.

Nicht nur Hunde, auch Menschen gefährden die Rehe

Die Gefahr lauert eher anderswo, erklärt Volker Schiele, Hegeringleiter im Hardtwald zwischen Rielingshausen und Kleinaspach: „Im Winter ist das Nahrungsangebot für Wiederkäuer wie das Reh gering, deshalb gehen die Tiere in eine Ruhephase. Durch jagende Hunde werden sie beunruhigt.“ Die Größe des Hundes spiele dabei keine Rolle, das Reh sei ein Fluchttier. Und das wiederum heißt, macht Erik Müller, Jagdpächter am Wunnenstein, deutlich, dass die Reserven, die das Reh im Winter noch habe, schnell verbraucht seien: „Es kostet Energie, aus dem ‚Standby-Betrieb’ hochzufahren.`

Das Problem entstehe aber nicht nur durch frei laufende Hunde, betont Volker Schiele: „Auch einige Menschen laufen querfeldein oder durchs Unterholz.“ Und durch Wanderer oder Mountainbiker werden die Rehe, die sich im Winter in Sprüngen, also in Gruppen, versammeln, genauso aufgescheucht. Deshalb appelliert er an Spaziergänger, Wanderer und Hundebesitzer, auf den Wegen zu bleiben. „Und in den allermeisten Fällen habe ich gute Erfahrungen gemacht, wenn ich die Leute direkt anspreche“, resümiert Schiele.

Denn meist stecke kein böser Wille dahinter, sondern „der Bezug zu Wildtieren und der Natur ist nicht mehr in dem Maße vorhanden“. Es bringe nichts, wenn man sich „gegenseitig auf die Hörner haut“, findet Schiele beschwichtigend. Man lebe nun einmal in einem Ballungsraum mit vielen Menschen und vielen Vierbeinern.

Natürlich helfe es, wenn der Hund erzogen sei. „Zum Schäferhundverein in Steinheim haben wir ein tolles Verhältnis und wissen genau, dass die Hunde gut ausgebildet sind“, betont Schiele. Andere Hundebesitzer unterschätzten den Jagdtrieb ihrer Vierbeiner, sagt Peter Ulmer.

Haben sich in der Pandemie mehr Leute einen Hund zugelegt?

Ganz andere Erfahrungen hat Hegeringleiter Harald Starke rund um den Lemberg gemacht: „Es ist eine Katastrophe“, konstatiert er. „Die Leute kommen von überall her, weil es hier keine Leinenpflicht gibt.“ Neulich habe er abends beobachtet, wie ein offenbar entlaufener Irish Setter einen Hasen verfolgt habe. „Selbst in meinem kleinen Revier in Remseck-Hochdorf werden pro Jahr ein bis drei Rehe gerissen, Marbach ist mit dem Galgen noch schlimmer. Die Leute nehmen keine Rücksicht.“ Wenn man sie anspreche, kriege man „Prügel angedroht“. Seiner Beobachtung nach hätten, wohl wegen Corona, mehr Leute einen Hund als früher.

Hunde zu schießen, stellt Volker Schiele klar, erlaube das Jagdrecht nicht – Ausnahme: ein wildernder Hund ist nicht anders einzufangen. Aber das müsse polizeilich genehmigt werden. Sein Kollege Starke hat neben Hunden und Mountainbikern ein neues Problem ausgemacht: Drohnen. „Ich hab schon beobachtet, wie Rehe voller Panik aus dem Acker rausgerannt sind, wenn so ein Ding drüber geflogen ist“, sagt Starke. Noch ein Hinweis ist ihm wichtig: Zum Schutz der Bodenbrüter sei es zwischen 15. März und 15. Juli verboten, die Waldwege zu verlassen.




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