Millionen Deutsche haben eine verfettete Leber – ein Treiber von schweren Krankheiten wie Krebs. Forscher haben untersucht, ob dieses Risiko durch Intervallfasten gesenkt werden kann – und ob sich dieser Effekt mit Medikamenten nachahmen lässt.

Die Leber ist in Gefahr, warnen aktuell Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ): Allein in Deutschland haben rund 20,5 Millionen Bundesbürger eine Fettleber – meist als Konsequenz aus zu wenig Bewegung und zu viel kalorienreicher Nahrung, was beides zu krankhaftem Übergewicht führt. Das Problem dabei: Das überlastete Organ kann sich entzünden, vernarben, schlimmstenfalls bildet sich ein Tumor. Leberkrebs ist laut DKFZ die dritthäufigste Krebstodesursache weltweit. „Nur findet eine Aufklärung über diese Gefahr kaum statt“, sagt Ursula Klingmüller, Wissenschaftlerin am DKFZ.

 

Die Wucht dieser Erkrankungswelle abzumildern, das haben sich die Krebsforscher im DKFZ zum Ziel gesetzt. Dabei machen sie sich eine wesentliche Eigenschaft des Organs zunutze: Die Leber kann sich auf erstaunliche Weise regenerieren. Allerdings nicht unbegrenzt, warnt Klingmüller. „Irgendwann hat auch die Leber genug.“ Es gilt daher, Betroffene rechtzeitig vor diesem Kipppunkt zu identifizieren und mit ihnen Möglichkeiten zu besprechen, wie sie ihre Fettleber kurieren können.

Intervallfasten kann der Leber helfen

Die Therapie ist im Grunde einleuchtend: „Man muss einfach zielgerichtet Essenspausen einlegen“, sagt Mathias Heikenwälder vom DKFZ. Und zwar möglichst zwei volle Tage pro Woche. Heikenwälder und sein Team haben diese Methode des Intervallfastens anhand von Langzeitstudien an Mäusen erforscht: Sie haben die Tiere mit hochkalorischer Nahrung gefüttert – und dabei im Maus-Modell die gleichen organischen Effekte wie beim Menschen erzeugt.

Aufgrund der Überfütterung geraten die Leberzellen in Stress. Einige der Zellen blähen sich auf und sterben ab. In ihrer Not sendet die Leber Botenstoffe aus und ruft Immunzellen herbei. Diese zwingen die Leberzellen dazu, den Fettstoffwechsel einzustellen. Das begünstigt Entzündungsreaktionen.

Kann sich die Leber dann nicht regenerieren, weil dieser Prozess aufrechterhalten wird, entsteht eine Zirrhose – eine Vorstufe von Leberkrebs. Oder die entzündete Fettleber überspringt dieses Stadium, und es kommt gleich zur Tumorbildung. Bei Mäusen ist dies nach rund zwölf Monaten der Fall, beim Menschen dauert es einige Jahre.

Fettleber verliert an Gewicht

Anders erging es den Mäusen, die zwar hochkalorisch ernährt wurden – aber nur an fünf von sieben Tagen. „Wir verordneten den Tieren an zwei Tagen der Woche eine strikte Nulldiät“, sagt Heikenwälder. Das Ergebnis: Zwar fraßen die Tiere an den folgenden Tagen deutlich mehr, um die fehlende Essensmenge zu kompensieren. „Aber ihre Leber verlor dennoch an Gewicht, und auch die Entzündungen sind zurückgegangen“, sagt Heikenwälder.

Krebsforscher Mathias Heikenwälder rät zum Intervallfasten. Foto: DKFZ

Ob sich dieser Effekt auch auf den Fettstoffwechsel des Menschen übertragen lässt, sollen nun klinische Studien zeigen. Heikenwälder will dann sogar noch einen Schritt weitergehen: Sein Team untersucht die Signalwege, die dazu führen, dass bei Nahrungsentzug die Entzündungen abgeschaltet oder zumindest stark reduziert werden.

„Unser Ziel ist es, ein Medikament zu entwickeln, das in der Lage ist, den Effekt des Intervallfastens hervorzurufen“, sagt Heikenwälder. Auch hier seien die Studien vielversprechend.

Medikament kann Effekt des Intervallfastens nachahmen

Allerdings, so betont der Forscher, sei dieses Medikament kein Allheilmittel: „Letztlich muss es der Patient schaffen, seinen Lebensstil grundlegend zu ändern.“ Das Medikament kann dabei aber eine Hilfe sein.

Bleibt die Frage, welche Personen, die eine Fettleber haben, besonders von einem Krebsrisiko betroffen sind: „Das Tückische an der Fettleber ist, dass sich nicht erkennen lässt, bei wem sich Entzündungen entwickeln“, sagt Ursula Klingmüller. Das Körpergewicht und auch eine Diabetes-Erkrankung können ein Hinweis sein.

Klingmüller arbeitet in einem Netzwerk, in dem es darum geht, die Präventionsmaßnahmen und die Früherkennung von Leberkrebs zu verbessern. Dazu versucht sie herauszufinden, „welche Mechanismen dazu führen, dass die Prozesse in der Leber so aus dem Ruder laufen, dass Krebs entsteht“.

Mithilfe komplexer mathematischer Modelle ist es ihr und ihrem Team gelungen, nicht nur einen wichtigen Signalweg dafür ausfindig zu machen. Die Forscher entwickeln derzeit einen passenden Blutmarker, um die Gefährdung der Leber anzuzeigen – „und zwar bevor der Krebs mit bildgebenden Verfahren sichtbar wird“, sagt Klingmüller. Es wäre ein Frühwarnsystem, das künftig jeder Hausarzt anwenden könnte.