InterviewInterview Manfred Lucha „Der Staat ist für alle da“

Von Maria Wetzel 

Integrationsminister Manfred Lucha spricht im Interview über Flüchtlinge, Ehrenamtliche, Integrationskosten und die AfD.

„Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer redet zwar gerne populistisch, aber sein ­Integrationsministerium macht eine gute Arbeit“, sagt Integrationsminister Manfred Lucha im Interview. Foto: dpa
„Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer redet zwar gerne populistisch, aber sein ­Integrationsministerium macht eine gute Arbeit“, sagt Integrationsminister Manfred Lucha im Interview. Foto: dpa

Stuttgart - Das Bundesamt für Flüchtlinge und Migration muss schneller und weniger bürokratisch werden, fordert Manfred Lucha (Grüne), der neue Vorsitzende der Integrationsministerkonferenz.

Herr Lucha, war es sinnvoll, das vor fünf Jahren eigens eingerichtete Integrationsministerium wieder aufzulösen und die Aufgaben auf das Innen- und das Sozialministerium zu verteilen?
Das vergleichsweise kleine Integrationsministerium könnte die großen Integrationsaufgaben, die vor uns liegen, kaum bewältigen. Deshalb war es konsequent, diese Aufgabe dem bisherigen Sozialministerium zu übertragen, einem Haus mit viel Fachexpertise. Integration hat allerdings nicht nur mit Flüchtlingen zu tun – schließlich hat ein Viertel der Menschen in Baden-Württemberg Migrationshintergrund. Das sind so viele wie in keinem anderen Land.
Sie haben zum 1. Oktober den Vorsitz der Integrationsministerkonferenz übernommen. Was sind für Sie die dringlichsten Aufgaben?
Bisher stand vor allem die Erstaufnahme im Mittelpunkt, jetzt kommt es darauf an, für diejenigen, die eine Bleibeperspektive ­haben, Wege zur Integration zu bahnen. ­Dazu brauchen wir mehr finanzielle Unterstützung vom Bund. Ich werde mich dafür starkmachen – und auch dafür, dass das Bundesamt für Flüchtlinge und Migration schneller und weniger bürokratisch wird.
Was fordern Sie konkret?
Die Flüchtlinge benötigen schneller Zugang zu Sprach- und Integrationskursen. Nötig sind auch Praktika und Ausbildungs­möglichkeiten. Die Angebote müssen so aus-gestaltet werden, dass sie den Bedürfnissen der Flüchtlinge und denen des Arbeitsmarktes gerecht werden. Dafür braucht es mehr individuelle Lösungen, die zügig umzu­setzen sind.
Wie schwierig ist es denn, die Interessen der 16 Länder unter einen Hut zu bringen?
Es gibt viele Gemeinsamkeiten. Immer mehr Länder fordern ein Einwanderungsgesetz. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer redet zwar gerne populistisch, aber sein ­Integrationsministerium macht eine gute Arbeit – etwa, was den Zugang zu Schulen und Beruf betrifft. Von den Bayern haben wir einiges gelernt.
Viele Ehrenamtliche haben geholfen. Überfordern Sie diese mit immer neuen Aufgaben?
In meiner Stadt haben im vergangenen Herbst 200 Leute in einer Nacht über 140 Betten aufgebaut. Jetzt brauchen wir weniger Notfallhelfer und mehr Alltagsbegleiter, die den Flüchtlingen zeigen, wie unsere ­Gesellschaft funktioniert, sie in die Vereine integrieren. Die Unterstützung ist nicht ­gebröckelt, sie verändert sich.

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