Interview mit Pierce Brosnan und Emma Thompson „Es geht immer nur um Liebe“

Von Christian Aust 

Exklusiv Emma Thompson und Pierce Brosnan spielen zum ersten Mal zusammen in einem Kinofilm. Unser Autor Christian Aust traf die beiden in Toronto zu einem launigen Interview, in dem Brosnan Thompson seine große Zuneigung gesteht.

Schönes Paar, aber nur im Kino: Pierce Brosnan und Emma Thompson in dem Film „Wie in alten Zeiten“, der am Donnerstag gestartet ist. Foto: dpa
Schönes Paar, aber nur im Kino: Pierce Brosnan und Emma Thompson in dem Film „Wie in alten Zeiten“, der am Donnerstag gestartet ist. Foto: dpa
Toronto – - Sie kam im Londoner Stadtteil Paddington zur Welt, er in Drogheda in der irischen Provinz. Sie ist zweifache Oscar-Preisträgerin, er war James Bond. In dem Film „Wie in alten Zeiten“ sind Emma Thompson und Pierce Brosnan jetzt zum ersten Mal gemeinsam auf der Leinwand zu sehen – als geschiedenes Ehepaar. Im Laufe der romantischen Komödie müssen die beiden sich dann aber doch noch einmal zusammenraufen. Ein fieser Großinvestor schluckt seine Firma inklusive beider Rentenpensionsfonds. Gemeinsam reisen die glücklich Geschiedenen nach Südfrankreich, um sich ihr Geld einfach zurück zu stehlen. Zum Interview treffen wir die Protagonisten in einem Hotel in Downtown Toronto. Schon nach wenigen Minuten ist klar, wer hier die Hosen anhat. Emma Thompson gibt den Ton an, und Pierce Brosnan ist nur zu gerne bereit, sich dieser Frau unterzuordnen.
Frau Thompson, Herr Brosnan, wo und wie hat Ihre Freundschaft begonnen?
Brosnan Das muss auf der Premiere von „James Bond: Golden Eye“ gewesen sein.
Thompson Ich erinnere mich, deine Frau war schwanger. Unglaublich, es ist 17 Jahre her!
Brosnan Wir haben uns dann immer wieder getroffen. Die Filmwelt ist ja letztendlich doch eine kleine. Und jedes Mal haben wir gesagt: Lass uns einen Film zusammen machen. Jetzt ist diese wunderbare romantische Komödie daraus geworden.
Thompson Das war eine Überraschung. An eine Komödie hatten wir eigentlich nicht gedacht, sondern an etwas richtig Deprimierendes: einen Film über das Altern! Man nennt das Rentnerkino.
Brosnan Wie sind wir jetzt schnell zum Thema Rentner gekommen? Das ist ja schlimm.
Thompson Es ist interessant, wie beklommen man sofort wird, wenn es ums Altern geht. Ich denke dann immer: Moment mal, was stimmt nicht mit mir? Warum habe ich dieses Gefühl? Ich bin doch noch sehr lebendig.
Sind Sie als Schauspielerin besonders anfällig für düstere Gedanken zum Thema Altern?
Thompson Das ist längst ein gesellschaftliches Phänomen. Wir werden ja alle dieser großen Gehirnwäsche unterzogen. Angeblich gibt es nur noch eine Altersstufe, die in Ordnung ist. Du musst irgendwie jung sein. Wenn du nicht zu dieser Altersgruppe gehörst, bist du gar nicht mehr wirklich am Leben. In diesem Muster, das wir selber kreiert haben, sind wir jetzt gefangen, wie in Aspik. Im Grunde leben wir wie in einer Märchenwelt. Deren Grundgedanke ist: und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende. „Lebensende“ bedeutete aber damals, als diese Märchen geschrieben wurden, Mitte vierzig, in diesem Alter starb man nämlich. Aus dieser Perspektive betrachtet, sind Pierce und ich nur noch totes Holz. Wir sind in unserer Gesellschaft nicht wirklich in der Lage, unser Alter zu akzeptieren.
Brosnan Aber es ist interessant: Cary Grant zum Beispiel war zu seinen besten Zeiten kein junger Mann mehr. Vielleicht ändert sich doch gerade etwas, der Kreis schließt sich, und es beginnt ein neuer Zyklus. Ich bin da etwas optimistischer. Immerhin existiert so ein Film wie unserer. Und Meryl Streep ist ja nun auch nicht mehr gerade eine junge Frau und trotzdem noch das Maß aller Dinge.
Thompson Ja, sie trägt für uns Frauen die Fackel. Und dann sind da auch noch Judi Dench und Maggie Smith. Wenn ich es genau betrachte, werde ich auch gerade wieder optimistischer, Pierce.
Um diesen optimistischen Gedanken aufzugreifen: Was hat sich für Sie mit dem Alter positiv verändert?
Brosnan Ab einem gewissen Alter konnte ich einfach loslassen. Ich bin definitiv entspannter als früher, nehme alles nicht mehr so unglaublich wichtig.
Thompson Das stimmt. Loslassen. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich jemals festgehalten habe. Ich habe immer gesagt, was ich denke, und habe mir nichts gefallen lassen und alles raus gelassen.
Brosnan Mach ruhig weiter so, Emma. Übernimm die Führung in diesem Gespräch. Das machst du ja sowieso immer. Warum sollen wir das ändern . . . (lacht).
Fühlen Sie sich benachteiligt?
Brosnan Im Gegenteil. Ich bete diese Frau an.
Wann haben Sie mit dem Gedanken gespielt, mit der Chirurgie optisch ein paar Jahre zu kaufen?
Brosnan So etwas würde ich nie tun.
Thompson Ich glaube, Pierce hat schon darüber nachgedacht.
Brosnan Danke, Emma! Nein, ich stelle es mir schlimm vor, wenn sich nichts mehr bewegt, ungefähr so, als ob man einen Neoprenanzug auf dem Gesicht trägt.
Thompson Wissen Sie, heimlich haben wir die Operation längst hinter uns. Aber im Ernst. So etwas käme für mich nicht einmal als Akt der Verzweiflung in Frage.
Warum lassen sich trotzdem immer mehr Kolleginnen und Kollegen operieren?
Brosnan Die simple Antwort lautet: Geld, Kommerz und Pharmaindustrie.
Thompson Die Werbeindustrie hat natürlich einen großen Anteil daran. Du musst ein Produkt verkaufen. Das machst du mit Jugend. Diese Ästhetik hat unsere ganze Gesellschaft geprägt. Das ging ja bereits in den Siebzigern los. Ich empfinde es als echte Tragödie.
Warum lieben Sie sich?
Brosnan Ich habe sie immer schon gerne auf der Leinwand gesehen. Sie wirkt nie unnahbar, sondern zugänglich. Und sie hat so etwas Verletzliches, das hat mir schon gefallen, bevor ich sie kennengelernt habe. Sie ist sinnlich und eine großartige Schauspielerin, eine Meisterin ihres Fachs. Naja, dann bin ich ihr begegnet und treffe diese unterhaltsame und liebliche Frau. Sie teilt großzügig ihren Geist. Ich fühle mich gut, wenn ich mit ihr zusammen bin.
Thompson Danke. Ich fühle mich mit dir auch gut. Und was ich auf professioneller Ebene an ihm liebe? Er ist einer der ganz wenigen Kollegen, die es geschafft haben, durch den Erfolg nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten. Pierce ist sich für nichts zu schade und schwebt nicht in anderen Sphären, nur weil er Bond war. Das gelingt wenigen, wenn sie erst einmal diesen Starstatus erreicht haben. Er ist normal geblieben. Glauben Sie mir, das ist in diesem Geschäft ab einer gewissen Größenordnung schwierig. Denn es setzt eine moralische Entscheidung voraus. Ab einem bestimmten Punkt kannst du nämlich wirklich anfangen zu glauben, dass du etwas Besonderes bist und auch so behandelt werden solltest. Natürlich führen wir ein sehr privilegiertes Leben. Aber das ist mir bewusst, und ich behandle alle Menschen gleich, alles andere wäre schäbig und absurd. Und Pierce sieht es genauso. Wir sind beide Humanisten.
Ihr Film ist auch ein Liebesfilm. Inwiefern fühlt sich Liebe heute anders an als früher?
Thompson Fühlt sie sich anders an? Nein. Liebe fühlt sich immer toll an, egal wie alt ich bin. Das ist ein Fakt.
Brosnan Für mich ging und geht es eigentlich letztendlich immer nur um Liebe.Das ist alles, was ich will, als Schauspieler und als Mann. Seien wir ehrlich: Jeder möchte gemocht werden, weil es glücklich macht. Das ist ja Segen und Fluch unseres Berufes. Wir werden ständig beurteilt. Aber das ist eben auch die Herausforderung.
Werden Sie wieder gemeinsam vor der Kamera stehen?
Brosnan Wir hatten dermaßen viel Spaß, ich würde das gerne wiederholen. Ich schlage vor, wir betrinken uns ein bisschen, nicht zu sehr, und schmieden neue Pläne.
Thompson Mein Körper ist mein Tempel.
Trinken Sie keinen Alkohol?
Thompson Das war ein Scherz. In diesem Tempel sind schon einige Tiere geopfert worden, viele davon waren alkoholisch.
Brosnan Emma!
Sie sind also keine Anhängerin von Hollywood-Diäten und Verzicht?
Thompson Wohin soll das führen? Natürlich tue ich trotzdem einiges, um fit zu bleiben. Ich trainiere wirklich gerne. Ich mache alles: Kickboxen, Yoga, Pilates, und ich gehe viel zu Fuß. In London gehe ich eigentlich überall zu Fuß hin. Aber ich esse auch sehr gerne. Viel Schlaf ist hilfreich. Wichtig ist zu wissen, wo deine Grenzen sind. Ich bin mir bewusst, dass ich 55 Jahre alt bin. Da kann man nicht mehr so über die Stränge schlagen.
Brosnan Oh Gott, wie sich das anhört. Ich bin im Mai 61 Jahre alt geworden. Was soll ich denn sagen? Ich versuche im Geist jung zu bleiben. Ich spiele gern Tennis. Ein bisschen Stress tut mir aber auch immer gut, um wach und agil zu bleiben.
Thompson Und jede Menge Sex!




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