InterviewVfB-Teamarzt Raymond Best „Durst ist kein guter Ratgeber“

Von Peter Wörz 

Was tun als Sportler bei extremen Temperaturen? Der Sportmediziner und VfB-Teamarzt Raymond Best gibt Tipps und rät Profi- wie auch Hobbysportlern bei Sommerhitze zum Beispiel zu Trinkdisziplin.

Was tun als Sportler bei extremen Temperaturen: VfB-Sportarzt Raymond Best gibt Tipps. Foto: Baumann
Was tun als Sportler bei extremen Temperaturen: VfB-Sportarzt Raymond Best gibt Tipps. Foto: Baumann

Stuttgart - Trotz Sommerhitze Sport treiben? Für Sportmediziner Raymond Best kein Problem, wenn man einige wichtige Dinge beachtet.

Der Leverkusener Fußballprofi Karim Bellarabi hat nach einem Testspiel einen Kreislaufkollaps erlitten, nachdem er bereits geduscht hatte und die Belastung eigentlich schon vorbei war. Ist das ein Sonderfall?
Kurioserweise ist das gar nicht so selten. In der Belastung befindet sich der Körper im Fluchtmodus, er ist in einem angespannten Zustand, auch der Blutdruck. Wenn dann die Ruhephase eintritt, entspannt sich alles und es kann zum Kollaps kommen.
Hätte er den Kollaps verhindern können?
Das kann ich aus der Distanz nicht beurteilen. Grundsätzlich kann das aber immer mal passieren. Diese Hitze schafft eine Extremsituation, da verrutscht das System beim Sport, wo der Flüssigkeitsaustausch immer größer wird. Der Körper kann dann so viel Wasser verlieren, dass man mit Trinken nicht mehr hinterherkommt.
Ist Durst somit ein Warnsignal?
Durst ist kein guter Ratgeber, wenn er auftritt, ist es meist zu spät. Beim Radfahren gilt das Gesetz, alle 15 Minuten 150 bis 200 Milliliter Wasser zu trinken. Nach vier Stunden sollten dann rund drei Liter zusammenkommen. Zudem rate ich auch dem Amateursportler, pulskontrolliert zu fahren, denn das Gefühl für Belastung ist trügerisch. Da hilft es, wenn ich erkenne, dass Puls und Leistung nicht mehr zusammenpassen und ich dann eine bestimmte Frequenz nicht mehr überschreite.
Das heißt, der ambitionierte Hobbysportler muss nicht geduldig pausieren, bis die Hitzewelle vorbei ist?
Pausieren macht für vorerkrankte Menschen durchaus Sinn. Der gesunde Sporttreibende ist aufgrund der Konstitution nicht gefährdeter als der Leistungssportler. Es geht da mehr um Disziplin in Dingen, die eigentlich der gesunde Menschenverstand nahelegt. Einige Liter mehr trinken, etwas intensiver eincremen und den Sport in Tagesphasen verlegen, die verträglicher sind, also in den Morgen oder Abend.
Auch aufgrund der Ozonkonzentration?
Die sollte man schon auch im Blick haben. Aber nach meinem Informationsstand sind die Konzentrationen nicht mehr so bedenklich, wie sie schon waren. Ein ordentlicher Lichtschutzfaktor bei der Sonnencreme hilft da.

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