Junge Flüchtlinge füllen auch die Schulen Mehr Berufsschullehrer gefordert

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Junge Flüchtlinge sind schulpflichtig. In den Berufsschulen sind bereits 180 Klassen für sie gebildet worden. Jetzt befürchtet der Berufsschullehrerverband, dass zu wenig Stellen dafür zur Verfügung stehen und fordert mehr.

Szenen aus dem Technischen Schulzentrum: So wird ein Kotflügel lackiert. Foto: dpa
Szenen aus dem Technischen Schulzentrum: So wird ein Kotflügel lackiert. Foto: dpa

Stuttgart - Der Zustrom an Flüchtlingen macht auch den Berufsschulen im Land zu schaffen. Bereits jetzt gibt es an den 300 Berufsschulen des Landes 180 Klassen für junge Flüchtlinge ohne Deutschkenntnisse. Noch vor wenigen Wochen waren es 135 Klassen. Für das neue Schuljahr stellt das Kultusministerium den beruflichen Schulen 139 weitere Lehrerstellen für diese Klassen im Vorbereitungsjahr Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse (VABO) zur Verfügung. Herbert Huber, der Vorsitzende des Berufsschullehrerverbands (BLV) geht davon aus, dass das nicht reichen wird. „Im Lauf des Schuljahrs könnten doppelt so viele Stellen nötig werden“, sagte er.

Die Klassen sind vorgesehen für berufsschulpflichtige Flüchtlinge im Alter von 16 bis 18 Jahren, inzwischen können aber auch Ältere aufgenommen werden. Bernd Engelhardt, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Region Stuttgart unterstrich die Bedeutung der Berufsvorbereitung für junge Flüchtlinge: „Die VABO-Klassen sind der Schlüsselpunkt für die Integration in den Arbeitsmarkt“.

Wirtschaft erwartet Verbesserungen

Generell erwarten die Unternehmen des Landes eine bessere Ausstattung der Berufsschulen. Mancherorts falle immer noch zuviel Unterricht aus, kritisierte Engelhardt. Er stützt sich dabei auf eine bundesweite Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), an der sich 2000 Betriebe und 400 Berufsschullehrer aus Baden-Württemberg beteiligt haben. an Teilzeitberufsschulen können demnach 5,6 Prozent der Unterrichtsstunden nicht gehalten werden, weil nicht genügend Lehrer da seien. Marion von Wartenberg, (SPD), die Staatssekretärin im Kultusministerium, verwies darauf, dass über alle beruflichen Schularten hinweg einschließlich der beruflichen Gymnasien das strukturelle Defizit auf 2,3 Prozent gesunken sei. Das sei nur noch halb so viel wie unter der schwarz-gelben Regierung. Damit konterte sie Vorwürfe der Landtags-FDP. Diese hatte erklärt, „für Grün-Rot sind die Berufsschulen die Schmuddelkinder der Schullandschaft“.

Verbesserungen gestanden auch die IHK und der BLV zu. Jedoch rechnen sie mit Lehrermangel. Zwar werden zum neuen Schuljahr 1200 Stellen neu besetzt, laut von Wartenberg ein Einstellungsrekord. Doch gebe es keine Krankheitsreserve, sagt Huber. In der Umfrage beklagten mehr als 70 Prozent der Betriebe, es würden zu wenig Lehrer eingestellt. Drei Viertel der Befragten sind dafür, die Lehrerzimmer für Seiteneinsteiger zu öffnen. Huber sieht den Staat bei der Personalgewinnung im Hintertreffen gegenüber der Wirtschaft, vor allem was die Bezahlung angeht.

Bessere Kooperation erwünscht

41 Prozent der Betriebe sind laut Umfrage nicht sicher, ob die Lehrer so gut sind, dass sie eine fundierte Ausbildung und Allgemeinbildung ermöglichen. Das lassen Engelhardt und Thilo Lindner, Ausbildungsleiter bei Lapp in Stuttgart, so nicht stehen. Lindner betonte, „unzufrieden sind wir Betriebe mit dem Lehrpersonal auf keinen Fall“. Doch wünscht die Wirtschaft eine bessere Kooperation mit den Schulen, Lehrer sollten Praktika machen „um die Lernwelten der Schüler kennenzulernen“.

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