Kinokritik: „Gold“ Matthew McConaughey als Schatzgräber

Von Autor 

Matthew McConaughey spielt einen abgehalfterten Schatzgräber, der noch einmal einen Treffer landet – doch er schießt übers Ziel hinaus als torkelnder und lallender Schatzgräber.

Typische Pose: Matthew McConaughey in „Gold“ Foto: Verleih
Typische Pose: Matthew McConaughey in „Gold“ Foto: Verleih
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Stuttgart - Mit „Dallas Buyers Club“ ­(2014) gewann Matthew McConaughey ­zurecht einen Oscar als an Aids erkrankter Rodeo-Reiter, der sich vom homophoben Macho zum Philantropen wandelt. Grandios war auch sein Auftreten in der Serie „True ­Detective“ (2014): Er gab einem hart an der Kante zum Wahnsinn ­balancierenden Genie einen unverwechselbare Statur.

Für Stephen Gaghans Schatzsucher-Drama „Gold“ nun hat McConaughey sich in Kenny Wells verwandelt, den Erben einer Firma, die global Bodenschätze ausbeutet. Das Geschäft läuft schlecht Ende der 1980er, und so sieht Wells auch aus mit Halbglatze und Schmerbauch: ein abgehalfterter Trinker kurz vor dem Ausbrennen. Seine letzten Reserven setzt er auf einen myteriösen Fundort im indonesischen Dschungel, und er findet tatsächlich Gold, was sofort jede Menge Heuschrecken auf den Plan ruft. Bald kommt es auf die Kontakte zum korrupten indonesischen Herrscherhaus Suharto an.

Ein Underdog möchte es allen nochmal zeigen

Einmal mehr ist es ein Vergnügen, moralfreien Abzockern und Betrügern dabei zuzuschauen, wie sie ­einander beharken. Hier fügt sich McConaugheys Figur perfekt ein: ein Underdog, der es ­allen noch einmal zeigen möchte, während ihm die Verlockungen plötzlichen Reichtums zunehmend die Sinne vernebeln. Den Rest des Films über indes sticht McConaugheys Kenny Wells ­schmerzhaft heraus: Permanent rauchend und Whisky trinkend, schwadroniert, fabuliert und charmiert er beim Versuch, Leute für sich einzunehmen. Dabei rückt er ihnen ständig zu nah auf die Pelle, fast meint man im Kino, den verrauchten Whisky-Atem zu spüren. Das Fremdschämen kommt, wenn Wells torkelnd brüllt und Dinge schlägt und wirft. Dass Gaghan („Syriana­“) und McConaughey das gelingt, ist eine Qualität; schön anzuschauen ist es nicht.

Der Schauspieler hat sich diesmal einen Ranzen angefressen, sich bewusst unattraktiv gemacht; Charlize Theron ist mit dieser Strategie als Serienmörderin in „Monster“ (2003) zum Oscar gelangt. McConaughey nun war nicht einmal nominiert – ist übers Ziel hinausgeschossen.

Eher freudlos gestaltet sich die Schatzsuche vor Regenwaldkulisse – vom Aben­teurerwitz eines „Indiana Jones“ ist Kenny Wells weit entfernt, Gefahren des Dschungels existieren nur im Dialog. Und das ­Geschäft mit Bodenschätzen erscheint viel dröger, als ein sonor raunzender Iggy Pop im Titelsong verheißt.

Gold. USA 2016. Regie: Stephen Gaghan. Mit Matthew McConaughey, Édgar Ramírez Bryce Dallas Howard, Corey Stoll. 121 Minuten. Im EM, Ufa