Kinokritik zu „Die fantastische Reise des Dr. Dolittle“ Gorillas und Giftmischer

Von Falk Straub 

Robert Downey Jr. schlüpft in der Kinderbuchverfilmung „Die fantastische Reise des Dr. Dolittle“ in die Rolle eines verschrobenen Mediziners.

Dr. Dolittle (Robert Downey Jr., re.) versteht die Sprache aller Tiere, natürlich auch die der Hunde. Foto: /Universal Pictures 15 Bilder
Dr. Dolittle (Robert Downey Jr., re.) versteht die Sprache aller Tiere, natürlich auch die der Hunde. Foto: /Universal Pictures

Stuttgart - Dieser Mediziner hat schon 100 Jahre auf dem Buckel. Der englische Kinderbuchautor Hugh Lofting schickte Dr. Dolittle erstmals 1920 auf Reisen. Seither hat er es mehrfach ins Kino geschafft Doch weder die klassische Variante mit Rex Harrison noch die moderne mit Eddie Murphy konnten Kritiker überzeugen. Nun schlüpft Robert Downey Jr. in die Rolle des Arztes, der sich lieber um Tiere als um Menschen kümmert und deren Sprache spricht. Ein Mordkomplott gegen Queen Victoria (Jessie Buckley) weckt ihn aus der Lethargie. Mit seinem Lehrling Stubbins (Harry Collett), mit Papagei Poly, Ente Dab-Dab, Eisbär Yoshi und Gorilla Chee-Chee geht er auf große Fahrt, um ein Heilmittel für die vergiftete Königin zu finden. Sein Widersacher Dr. Blair Müdfly (Michael Sheen) ist ihm dicht auf den Fersen.

Nach einem Jahrzehnt im Superheldenkorsett hätte diese Hauptrolle für Robert Downey Jr. eine Befreiung sein können. Doch der Schauspieler, der zuletzt fast ausschließlich als Iron Man zu sehen war, legt seine Figur viel zu melancholisch an. Von der Trauer um seine verstorbene Frau erdrückt, rafft sich Dr. Dolittle bis zum Schluss nicht richtig auf.

Kunterbuntes Durcheinander

Downey Jr. wirkt so deplatziert wie vieles hier. Der Regisseur und Co-Autor Stephen Gaghan, bislang für ernste Stoffe bekannt, ist mit Komik sichtlich überfordert. Viele Gags laufen ins Leere, das Timing ist lausig. Und die computergenerierten Spezialeffekte pendeln zwischen Welt- und Kreisklasse. Trotzdem ist dieser wilde Ritt besser als der Ruf, der ihm aus den USA vorauseilt.

Das kunterbunte Durcheinander hat durchaus seinen Reiz. Das Tempo ist hoch, der Humor anarchisch. Hier bibbern Gorillas vor Angst, Eisbären vor Kälte, und eine Drachendame leidet unter Verstopfung, weil sie zu viele Soldaten verspeist hat. Antonio Banderas spielt als König Rassouli groß auf, und Michael Sheen überzieht seinen Speichellecker Müdfly genüsslich. Zeit zum Verschnaufen bleibt ebenso wenig wie für die Figurenentwicklung. Stören wird das aber wohl nur die Erwachsenen. Das junge Zielpublikum bekommt eine Wundertüte, bei der man nie weiß, was in der nächsten Szene steckt.

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle. USA 2020. Regie: Stephen Gaghan. Mit Robert Downey Jr., Michael Sheen, Jim Broadbent, Antonio Banderas, Harry Collett. 101 Minuten. Ab 6 Jahren.




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