Kommentar zu TV-Rechten Der Kreis schließt sich

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Der Fußball boomt wie nie zuvor und in Zukunft darf der Privatsender RTL Länderspiele übertragen, jener Sender also, der die Entertainisierung des Fußballs eingeleitet hat.

RTL verspricht den Zuschauern mehr Unterhaltung. Foto: dpa
RTL verspricht den Zuschauern mehr Unterhaltung. Foto: dpa

Stuttgart - Als traditionsbewusster Fußballfan hat man sich im Laufe der Zeit an viele Grausamkeiten gewöhnen müssen. Daran, dass es in den Stadien keine Stehplätze mehr gibt, dafür aber alkoholfreies Bier; oder daran, dass die Profis keine langen Nackenhaare mehr haben, dafür aber Kosmetiktäschchen von Louis Vuitton unterm volltätowierten Arm tragen. Dem Produkt hat dies nicht geschadet – im Gegenteil: der Fußball boomt wie nie zuvor, weil er längst zu einem wichtigen Teil der Unterhaltungsindustrie geworden ist.

Schlimmer kann es nicht kommen

So gesehen ist es fast schon der logische nächste Schritt, dass künftig die Qualifikationsspiele der deutschen Nationalmannschaft, die Filetstücke in der Sportberichterstattung, zum ersten Mal im Privatfernsehen übertragen werden. Mit dem Wechsel zu RTL schließt sich der Kreis: Der Kölner Sender war es, der Ende der 1980er Jahre die betuliche ARD-„Sportschau“ vorübergehend abgelöst und mit seiner grellbunten und von Ulli Potofski moderierten Bundesligashow „Anpfiff“ die Entertainisierung des Fußballs eingeleitet hat.

Wenn der RTL-Sportchef Manfred Loppe nun im Rahmenprogramm der Partien mehr Unterhaltung und „gute Laune“ ankündigt, klingt dies in den Ohren echter Fans zwar wie eine Drohung. Wer jedoch bislang im Anschluss an Länderspiele in der ARD „Waldis Club“ mit Waldemar Hartmann und seinen Stammtischbrüdern über sich hat ergehen lassen, der weiß: schlimmer kann es nicht kommen.




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