InterviewKulturwerk in Waldenbuch „Schüler und Studenten erreichen wir schwer“

Von Claudia Barner 

Wie wird das Gemeinschaftsgefühl in einem Ort gestärkt? Das Kulturwerk in Waldenbuch versucht es seit 50 Jahren mit seinem Angebot. Und im Jubiläumsjahr möchten die Organisatoren mal etwas Neues ausprobieren.

Ein  „etwas anderes Kamingespräch“ mit Akteuren von Fridays for Future veranstaltet das Kulturwerk am Freitag, 17. Januar. Foto: dpa/Sebastian Gollnow
Ein „etwas anderes Kamingespräch“ mit Akteuren von Fridays for Future veranstaltet das Kulturwerk am Freitag, 17. Januar. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Waldenbuch - Kino, Konzerte, Kabarett oder interessante Vorträge gibt es nicht nur in der Großstadt. Seit 50 Jahren belebt das Waldenbucher Bildungswerk die Kulturszene in der 8700-Seelen-Gemeinde. Im Sommer 2017 hat sich das Team in Kulturwerk Waldenbuch umbenannt und setzt seitdem neue Akzente. Günther Störrle ist 1974 in das von seinem Bruder – dem verstorbenen Bürgermeister Horst Störrle – initiierte Projekt eingestiegen. Er ist auch mit von der Partie, wenn die Ehrenamtlichen im Jubiläumsjahr neue Wege gehen.

Herr Störrle, wer sich für Bildung und Kultur interessiert, kommt in Waldenbuch auf seine Kosten. Frühere Reihen wie Kultur im Café oder aktuelle Angebote wie das Kino vor Ort und die Kamingespräche sind Selbstläufer. Was das Kulturwerk anpackt, scheint zu gelingen.

Ich glaube, wir haben über die Jahre hinweg mit dem Kulturwerk eine Struktur entwickelt, die viele Menschen mitnimmt. Dazu muss man wissen: Das Kulturwerk ist eine städtische Einrichtung, die von etwa 15 Ehrenamtlichen getragen wird. Die Leitung liegt beim Geschäftsführenden Ausschuss, Sprecherin ist meine Frau Anette. Wir haben schlanke Strukturen, die Gemeinde fördert und unterstützt uns, wir sind bestens vernetzt und arbeiten häufig mit Kooperationspartnern wie der Schule oder den beiden Museen zusammen. Den Grundstein dafür haben die Personen gelegt, die 1970 das Bildungswerk gegründet haben. Dazu gehörten neben meinem Bruder lokale Persönlichkeiten wie der Schulrektor, die Inhaber der Haka-Werke, die Unternehmer Alfred Ritter und Adolf Schöllkopf sowie Vertreter der großen Parteien, der Kirchen und Vereine.

Die Aufzählung zeigt, dass es bereits ein reges gesellschaftliches Leben gab. Warum dann noch ein Bildungswerk?

Waldenbuch ist damals stark gewachsen. Mein Bruder und die erwähnten Mitstreiter haben früh erkannt, dass wir Brücken brauchen, damit der einzelne Bürger in die Gemeinschaft hineinwachsen kann. Es geht nicht nur darum, kulturelle Angebote zu machen. Ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit ist es, Gelegenheiten zu bieten, bei denen sich Gleichgesinnte treffen und Menschen begegnen können. Dadurch, dass die Dinge hier vor Ort stattfinden und wir moderate Preise haben, gibt es kulturelle Teilhabe auch für jene, die nicht über die Mittel oder die Möglichkeit verfügen, nach Tübingen oder Stuttgart zu fahren.

Eine Schwachstelle scheint es doch zu geben. Angebote für ein jüngeres Publikum haben bisher nicht gezündet.

Das Problem ist nicht neu. Schüler oder Studenten erreichen wir nur schwer. Das liegt in der Natur der Sache. Wer den Abschluss in der Tasche hat und mobil wird, orientiert sich in der Regel in Richtung Großstadt. Unser Programm wird wieder interessant, wenn die Familienphase beginnt oder man sich nach einem anstrengenden Arbeitstag über kurze Wege und entspannte Unterhaltung freut. Wir geben aber nicht auf. Zum 50. Geburtstag nimmt das Kulturwerk noch mal einen Anlauf und schenkt den Schülerinnen und Schülern der Oskar-Schwenk-Schule eine Veranstaltung mit dem Zauberer und Wortakrobaten Helge Thun. Und wir klinken uns mit einem etwas anderen Kamingespräch in die Diskussion der Fridays-for-Future-Bewegung ein und greifen damit eine Thematik auf, für die insbesondere die junge Generation steht.

Es gibt also ein neues Format?

So weit würde ich nicht gehen. Aber das Kamingespräch am Freitag, 17. Januar, bekommt erstmals einen neuen Rahmen. Wir wechseln in die Dürnitz des Schlosses, wo drei Akteure der Tübinger Fridays-for-Future-Bewegung in kurzen Beiträgen zu den Themen Nachhaltigkeit und Klima Stellung nehmen. Der Schwerpunkt liegt dann auf der Diskussion. Wir haben zwei Moderatoren engagiert, die dafür sorgen, dass in der anschließenden Gesprächsrunde möglichst viele Gäste zu Wort kommen. Das Thema geht natürlich alle Altersgruppen an. Ich hoffe aber sehr, dass wir damit auch ein junges Publikum ansprechen. Wenn es uns gelingt, künftig noch schneller auf aktuelle Themen zu reagieren, kann das vielleicht ein Türöffner sein.

Das Programm für 2020

Für das Jubiläumsjahr hat sich das Team ein besonderes Programm überlegt. Die Übersicht:

Fridays for Future Am Freitag, 17. Januar, ist um 18 Uhr das „etwas andere Kamingespräch“ mit Akteuren von Fridays for Future. In der Dürnitz des Waldenbucher Schlosses geht es um die Klimakrise, Nachhaltigkeit, um Engagement und Bewusstsein. Karten gibt es im Vorverkauf im Waldenbuchladen, Forststraße 20, in der Bücherei im Städtle, Auf dem Graben 23, sowie per E-Mail an info@kulturwerk-waldenbuch.de.

Künstliche Intelligenz Das nächste Kamingespräch folgt bereits am Freitag, 31. Januar. Um 18 Uhr ist im Kaminzimmer des Museums der Alltagskultur der Theologe, Unternehmer und Wirtschaftsethiker Professor Joachim Fetzer zu Gast. Er gibt Einblicke in das Thema Künstliche Intelligenz.

Kino vor Ort Der oscarprämierte Film „Bohemian Rhapsody“ über die Band Queen ist am Donnerstag, 6. Februar, von 20 Uhr an in der Aula der Oskar-Schwenk-Schule, Schulstraße 2, zu sehen.

Klimawandel Die Meeresbiologin Frauke Bagusche informiert am Sonntag, 9. Februar, um 17 Uhr bei einer Kooperationsveranstaltung mit dem Museum der Alltagskultur über die Auswirkungen des Klimawandels und der Vermüllung auf die Ozeane.

Mehr Infos gibt es online.




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