Lambda-Variante des Coronavirus Warum japanische Forscher Alarm schlagen

Das Coronavirus und seine Mutanten beschäftigt Forscher in aller Welt (Symbolbild). Foto: dpa/Andreas Arnold
Das Coronavirus und seine Mutanten beschäftigt Forscher in aller Welt (Symbolbild). Foto: dpa/Andreas Arnold

Die Schlagzeile alarmiert: Die Lambda-Variante sei nicht nur besonders ansteckend, sondern auch resistenter gegen die bestehenden Impfstoffe. Warum japanische Forscher besorgt auf Lambda sehen – und was ein deutscher Wissenschaftler meint.

Digital Unit : Theresa Schäfer (the)
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Stuttgart - Die derzeit vor allem in Südamerika grassierende Lambda-Variante des Coronavirus (Fachbezeichung C.37) könnte möglicherweise resistenter gegen Antikörper und damit gegen die derzeit bestehenden Impfstoffe sein. Außerdem sei Lambda ansteckender als andere Varianten. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie, die japanische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Pre-Print veröffentlicht haben. Die Studie ist also noch nicht von anderen Forscherinnen und Forschern überprüft worden und noch nicht in einem Fachblatt erschienen.

Die Ergebnisse der Studie

Lambdas Spike-Protein weist laut der Studie gleich drei Mutationen auf. Das Spike-Protein ist der Teil des Coronavirus, der die wichtigste Rolle bei der Verbreitung spielt, da es mit Hilfe dieses Proteins in Wirtszellen eindringt.

Die drei Mutationen könnten dafür sorgen, dass die menschlichen Antikörper das Virus nicht mehr so effektiv ausschalten. Zwei weitere Mutationen sorgen laut der japanischen Studie dafür, dass Lambda auch ansteckender sein könnte als andere Varianten.

„Variant of concern“ statt „variant of interest“

Die Genfer Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte Lambda bereits im Juni ins Visier genommen: Aufgrund ihrer Mutationen könnte die Mutation ansteckender sein oder vom menschlichen Immunsystem schlechter bekämpft werden. Allerdings stuft die WHO Lambda bislang nur als „variant of interest“ ein. Die japanischen Forscher fordern angesichts ihrer Ergebnisse, dass die Lambda-Mutante als „variant of concern“ gelistet wird – als eine Variante, die mit Besorgnis beobachtet wird.

Corona-Varianten werden von der WHO in zwei Kategorien einteilt: Varianten unter Beobachtung („variants of interest“), die zu gehäuften Fällen führen oder in mehreren Ländern auftreten. Eine Stufe höher stehen die besorgniserregenden Varianten („variants of concern“). Sie sind nachweislich ansteckender, schwerer bekämpfbar oder führen zu schwereren Erkrankungen. Darunter fällt etwa die Delta-Variante.

Hier ist Lambda verbreitet

Die Lambda-Variante wurde erstmals im August 2020 in Peru identifiziert. Inzwischen wurde sie in vielen Ländern in Südamerika festgestellt und hat mittlerweile auch Europa erreicht. Großbritannien, Spanien und Italien meldeten bereits erste Fälle. In Deutschland wurden laut Robert-Koch-Institut bislang 100 Infektionen mit der Lambda-Variante nachgewiesen.

So schätzen es andere Forscher ein

Ein deutscher Immunologe sieht die Lambda-Variante weniger kritisch. Er glaube, die Daten aus Japan würden derzeit überinterpretiert, teilte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, am Mittwoch auf Anfrage der dpa mit. Die Daten zeigten, dass Lambda in Labor-Versuchen (in vitro) etwas ansteckender sei als das ursprüngliche Virus, aber nicht ansteckender als die Delta-Variante. Lambda könnte demnach auch dem Immunschutz „etwas entkommen, aber nicht so stark wie Delta“. Insofern beunruhige ihn diese Variante anhand der aktuell vorliegenden Daten noch nicht, erklärte Watz. Der Immunologe kritisierte außerdem die Berichterstattung in den Medien: Der Begriff Immunresistenz sei „bezogen auf die gezeigten Daten schlicht falsch“.

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