Landespool für Nahverkehr startet Lokführer zum Mieten

Für viele ist es ein Kindheitstraum, im Führerstand einer Lok zu sitzen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow
Für viele ist es ein Kindheitstraum, im Führerstand einer Lok zu sitzen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Wegen Personalmangels kommt es im Nahverkehr immer wieder zu Verspätungen und Zugausfällen. Der Verkehrsminister Winfried Herman lässt deshalb jetzt 30 Quereinsteiger als Notreserve ausbilden.

Göppingen: Eberhard Wein (kew)

Stuttgart - In Ostfriesland hat sich Marcel Deusch­le im Hotelfach ausbilden lassen. Doch dann kam Corona – keine gute Zeit, um im Tourismus eine Karriere zu starten. Da erinnerte sich der 24-Jährige, der in Villingen-Schwenningen aufgewachsen ist, an einen alten Kindheitstraum. „Ich wollte immer Lokführer werden.“ Und das wird er jetzt auch. Seit kurzem büffelt er in Stuttgart alles, was man wissen muss, wenn man im Führerstand eines Triebwagens über baden-württembergische Gleise fahren will: Vorschriften, Signale, Fahrzeugtechnik. Anschließend folgt die Praxis rund um Heilbronn. Im Sommer geht es dann richtig los.

Deuschle ist einer von 30 Quereinsteigern, die bei der Deutschen Bahn ihre Ausbildung begonnen haben. Der Branchen-Primus schult die Lokführer keineswegs nur für sich. Sie sind der erste Teil des neuen Landespools, mit dem der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) die Zahl der Zugausfälle senken möchte. Alle Verkehrsbetriebe, also auch Bahn-Konkurrenten wie GoAhead und Abellio, sollen sich bei Bedarf dort bedienen können. 1,6 Millionen Euro beträgt die Anschubfinanzierung des Landes. Später soll sich der Pool selber rechnen. Die Unternehmen müssen für die Springer deutlich mehr bezahlen als für eigene Kräfte.

Die Grenzen der Poollösung

Jeder vierte Zugausfall hänge mit Personalmangel zusammen, sagte Hermann. Allerdings taugt der Lokführerpool, der im Frühling durch 20 weitere Quereinsteiger erweitert wird, nicht als Allheilmittel. Er habe gehofft, eine Art Sitzbereitschaft wie einst bei der Bundesbahn einführen zu können, sagte Hermann. Melde sich ein Lokführer krank, sollte einer aus dem Pool sofort einspringen. Doch das wird so nicht funktionieren. Man brauche für jeden Einsatz 70 Tage Vorlauf, sagte der Chef der DB Regio, David Weltzien. Es handele sich eher um eine Lösung für „perspektivische Personalknappheit“.

Viel Flexibilität wird der neue Job Marcel Deuschle dennoch abverlangen. Mal fährt er in der Region Stuttgart, mal am Bodensee, mal im Schwarzwald. Doch genau das reizt ihn. „Man lernt ganz Baden-Württemberg kennen.“ Tourismus interessiert ihn ja weiterhin.

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