Landstraße zwischen Bönnigheim und Löchgau Eine Risikostrecke mit bereits vier Todesopfern

Von Felix Ogriseck 

Ein Anwohner fordert eine Geschwindigkeitsbegrenzung für die Landstraße zwischen Bönnigheim und Löchgau. Dort sind innerhalb von acht Jahren vier Menschen bei Verkehrsunfällen gestorben. Doch das Landratsamt sieht keinen Handlungsbedarf.

Eine hölzerne Tafel, Laternen  und Plastikblumen am  Straßenrand vor dem Anstieg nach  Löchgau: Auch hier gab es einen tödlichen Unfall Foto: factum/Simon Granville
Eine hölzerne Tafel, Laternen und Plastikblumen am Straßenrand vor dem Anstieg nach Löchgau: Auch hier gab es einen tödlichen Unfall Foto: factum/Simon Granville

Bönnigheim - Vier Verkehrstote in acht Jahren – auf einer Strecke von knapp drei Kilometer Länge. Für Jürgen Pirrung ist das eine erschreckende Bilanz. Der 66-Jährige wohnt hier, an der Straße zwischen Bönnigheim und Löchgau (Kreis Ludwigsburg), der Landesstraße 1107. Bei einer Radtour hat er die Kreuze am Straßenrand gesehen, die von den Toten zwischen 2010 und 2018 zeugen. Jürgen Pirrung kennt sich aus beim Thema Verkehrssicherheit: Er hat bei einem Autozulieferer Sicherheits- und Erkennungssysteme entwickelt.

Umso schockierter war er über das Ergebnis seiner aus Neugier aufgestellten Auflistung: „Ich bin der festen Überzeugung, dass die Straße zwischen Löchgau, Erligheim und Bönnigheim nicht sicher ist.“ Ausgestattet mit Zahlen des Statistischen Landesamtes von 2010 bis 2018 berechnete Pirrung einen Durchschnitt für die Toten pro Kilometer auf den Landesstraßen im Kreis Ludwigsburg. Der makabere Schnitt liegt, seinen Berechnungen zufolge, bei 0,17 Toten pro Kilometer. Doch auf der gut ausgebauten Asphaltpiste östlich der Strombergausläufer liege er bei 1,25 Toten pro Kilometer. Die Strecke berge somit ein vergleichsweise tödliches Risiko.

Unterstützung bekommt Pirrung vom ADAC Württemberg. Dem Verein hatte er im Februar seine Zahlen zur Überprüfung geschickt. Von dort heißt es, die neue Statistik verdeutliche, dass „die genannte Strecke nicht fehlertolerant genug ist, um sie nicht als Unfallschwerpunkt zu betiteln“. Das Landratsamt indes sieht die Situation, mit Verweis auf die amtliche Erhebung, bis jetzt anders.

Pirrung kritisiert Methodik des Landratsamts

Dort legte der 66-Jährige bereits im August 2019 seine Berechnungen vor. Die Antwort von offizieller Stelle lautete damals: „Anhaltspunkte für verkehrsrechtliche Maßnahmen im Bereich der angesprochenen Strecken ergeben sich aktuell nicht, und wir werden die Verkehrssituation weiterhin beobachten.“

Dass das Landratsamt keinen Handlungsbedarf sieht, liegt am Verfahren der Datenerhebung. Diese Unfalldaten werden nur für drei Jahre gesammelt ausgewertet. Zudem spielen äußere Faktoren wie Sichtweite und Verkehrsbelastung eine Rolle. Die Gefährdungsbeurteilung sei so ausgestaltet, dass eine weitgehend objektive Beurteilung möglich wäre, erklärte das Landratsamt dem 66-Jährigen. Doch Pirrung zweifelt die Methodik des Landratsamts an: „Es ist ein systematischer Fehler in der Erhebung, bei dem solche Strecken durchs Raster fallen.“

ADAC überprüft Landesstraßen mit neuer Methode

Warum man nicht dennoch einfach ein Tempo-70-Schild aufstellen könne, wundert sich Pirrung. Auch beim ADAC verstehe man nicht, warum zwischen Bönnigheim und Löchgau nicht gehandelt werde. Aus dem Landratsamt heißt es dazu auf Anfrage: „Die Unfallberichte der Polizei zu den tödlichen Unfällen enthalten keine Hinweise, dass die Geschwindigkeit unfallursächlich war.“ Beim ADAC will man es genau wissen: „Wir prüfen gerade alle Landesstraßen mit der neuen Methode, um herauszufinden, ob es tatsächlich noch mehr solcher Fälle gibt.“ Wäre das der Fall, wollen die Gelben Engel beim Land anregen, das Verfahren anzupassen. „Das bisherige Verfahren und die darauf folgenden Maßnahmen haben aber auch schon Wirkung gezeigt“, weiß der ADAC. Jürgen Pirrung will weitermachen, bis sich etwas ändert oder „bis sie mir beweisen können, dass meine Berechnungen falsch sind“.




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