Landwirte auf dem Fildern Das Spitzkraut hat es zunehmend schwer

Von Anja Widenmann 

Für die Landwirte auf der Filderebene war das Jahr 2018 kein gutes. Das hatte mit der extremen Trockenheit zu tun. Dabei sind sie es mit dem besonderen Boden besser dran als Bauern anderswo in Deutschland. Gibt es denn 2019 genug Spitzkraut?

Sechs bis sieben Kilo bringen die Spitzkrautköpfe auf die Waage, berichten die Landwirte Klaus und Axel Brodbeck (v.l.). Foto: Anja Widenmann
Sechs bis sieben Kilo bringen die Spitzkrautköpfe auf die Waage, berichten die Landwirte Klaus und Axel Brodbeck (v.l.). Foto: Anja Widenmann

Filder - Ans Krauterntejahr 2018 haben die Bauern schlechte Erinnerungen. Der Sommer war heiß und trocken. Das Kraut, das es lieber feucht mag, verbrannte beinahe in der Sonne auf den Feldern. Was die Bauern am Ende geerntet haben, waren kleine, halb vertrocknete, nur etwa zwei Kilogramm leichte Kohlköpfe. Auch die Sauerkrauthersteller klagten damals, denn ihnen fehlte das Gemüse zur Verarbeitung. Und dieses Jahr?

Das sagt die Firma Hengstenberg zum Erntejahr 2019

Armin Schlecht, der Geschäftsführer der Firma Fritz Schlecht Sauerkonserven, die das „Filder Spitzbüble“ produziert, sagt: „Dieses Jahr gibt es genug Kraut für alle Kunden. Es war alles in allem eine sehr durchschnittliche Ernte.“ Die Köpfe brachten etwa sechs bis sieben Kilo auf die Waage. „Insgesamt war es ein zufriedenstellendes Jahr“, sagt Schlecht.

Die Einschätzungen der Firma Hengstenberg in Esslingen fallen ähnlich aus, wie die Sprecherin Katja Behringer sagt: „Wir haben genug Kohl geliefert bekommen.“ Der Bedarf an Sauerkraut ist übrigens in Monaten die auf ein „R“ enden, besonders groß. Und auch der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, Klaus Brodbeck, der selbst einen Biobauernhof in Möhringen bewirtschaftet, ist mit der diesjährigen Ernte zufrieden. „Die Ernte hängt immer mit dem Witterungsverlauf zusammen“, sagt er. Am Anfang des Jahres war es relativ kalt und trocken. Jedoch wächst das Spitzkraut erst in der zweiten Jahreshälfte so richtig, wie Brodbeck erklärt. „Wir sagen auch immer, es wächst in den kalten Nächten.“ Nachdem sich das Kraut von der langen Trockenheit im Sommer erholt hatte, wuchs es im Herbst noch deutlich. „Letztes Jahr hatten wir eine stärkere Trockenheit. Selbst im Mai und Juni war es trocken. Das hat man dann bei der Ernte im Herbst gemerkt“, sagt Brodbeck.

Künstliche Bewässerung ist kostspielig

Das Thema Wasser spielt eine große Rolle im Krautanbau „Das Kraut braucht viel Wasser, sonst leidet die Qualität“, betont Brodbeck. Deshalb eignet sich der Filderboden besonders gut für den Anbau. Denn er kann Wasser sehr gut speichern. Wenn die Temperaturen aufgrund des Klimawandels steigen, brauchen die Landwirte jedoch, neben den Niederschlägen, zusätzliches Wasser. Bewässerungsanlagen sind aber teuer und daher für kleine Betriebe, wie jenen von Klaus Brodbeck, nicht wirtschaftlich.

Der Anbau von Kraut auf den Fildern hat sich in den vergangenen Jahrhunderten stark verändert. Während die Filder im 19. Jahrhundert ein Gebiet mit intensivem Gemüseanbau – vor allem Filderkraut – waren, sind die Krautköpfe inzwischen weniger geworden. „Früher waren die Filder für die Versorgung der Stadtbevölkerung zuständig, und das Spitzkraut wurde überall nach Deutschland geliefert“, erzählt Klaus Brodbeck. Durch das Aufkommen der Sauerkrautkonserven in den 1950er Jahren erlebte der Krautanbau kurzzeitig noch einmal einen großen Aufschwung. Ein anderes Problem: Die Anbaufläche auf den Fildern schrumpfe zunehmend wegen verschiedener Bauprojekte, klagt Brodbeck. „Er fehlt dann auch für den Krautanbau und kann nicht ersetzt werden.“ Mittlerweile bauen immer weniger Höfe Kraut auf immer weniger Fläche an. Klaus Brodbeck bewirtschaftet gerade einmal noch 0,3 Hektar an Kohl. Diese etwas kleineren Krautköpfe verkauft er, wie viele anderen, auch nicht mehr an die Industrie, sondern nur noch an Privatleute in seinem Hofladen.

Was zusätzliche Probleme verursacht

Filderkraut lässt sich kaum industriell anbauen, da sich der Transport wegen der typischen Spitze schwierig gestaltet. Brodbeck sieht den Grund für den sinkenden Anbau aber auch in den Essgewohnheiten der Menschen. „Früher war man auf den Kohl angewiesen. Heute kann man das ganze Jahr auch andere Produkte kaufen, wie Erdbeeren im Winter.“